Zwei schwere Brocken

Mittlerweile stehe ich zum dritten Mal hinter dem Tresen meiner kleinen, aber feinen Bar. Okay, Gauda hat da eine etwas andere Meinung, von wegen fein. „Schlicht und geschmacklos,…. Happo, …wie das Essen meiner Ex.“

Wenn man ihn nicht kennt, dann schätzt man den Klotz meist falsch ein. Breitschultrig, Arme so dick wie Oberschenkel, Reibeisenstimme, dazu sein kahlgeschorenes Haupt, fest verankert auf einem Hals, der unweigerlich Bilder eines Firestone-Reifen projiziert, wird er automatisch in die rechte, politische Ecke einsortiert. Aber sobald er einen Raum betritt, rückt er alleine aufgrund seiner körperlichen Argumente in die Mitte des Geschehens. Es gehört schon eine gehörige Portion Mut dazu, sich als Fremder, Fremderin oder gar als fremder Inder, nachts – tagsüber auch -, auf ein offenes Gespräch mit ihm einzulassen. Auch meiner einer, der Jan Laufer (haha), also Gauda, nun schon eine ganze Weile kennt und zu schätzen gelernt hat, springt vorsichtshalber nicht über jedes Stöckchen, welches er hinhält. Es gibt Momente, da ist Zurückhaltung angesagt, Schweigen und Interesse vorgaukeln nervenschonender. Nicht, dass er handgreiflich würde, aber er findet einfach kein Ende. In der Tat, seine Ansichten sind grenzwertig, oberflächlich betrachtet, und auf Sicherung von Landesgrenzen legt er großen Wert. Ihr wisst schon, was ich meine, glaub´ ich zumindest.

Umso erstaunlicher, dass sich sein Widerpart, Anarcho, trotz völlig gegensätzlichen politischen Ansichten, innig mit ihm verbunden fühlt. Gauda empfindet ebenso. Für Außenstehende oft irritierend, manchmal sogar angsteinflößend, stehen sich beide Hünen lautstark und mit pochenden Adern Nase an Nase gegenüber und liefern sich ein Rededuell der besonderen Art. Gigolo vergleicht sie gerne als Deutsche Antwort auf King Kong und Godzilla. Wer, wer ist, dazu hat er sich noch nicht näher ausgelassen. Der „Linke, also Anarcho, erblickte zwar gut zehn Jahre vor Gauda das Licht dieser Welt, dürfte seiner festen Überzeugung nach und ungeachtet dessen, trotzdem um einiges länger auf diesem Planeten verweilen, als der „Holländer“.

„Haarloser, Du wirst nur einmal schneller sein als ich, und zwar dann, wenn der Sensenmann uns ein Angebot auf eine Vollzeitstelle unterbreitet“.  „Vorher schneide ich Dir aber noch Deinen alten Zopf ab, Alter“, erwidert Glatze Gauda, in Anspielung auf Anarchos nach hinten per Spange zusammengekratzte Haarpracht.  

Neulich wurde ich gefragt, warum sie den Jan alle nur Gauda rufen. Meine Antwort erfolgte unüblicherweise leicht verzögert. Zunächst galt es, die Gefahrenlage zu checken. einen Lauschangriff abzuwehren. „Irre Geschichte“, flüsterte ich ihm ins Ohr, „der ist in Holland geboren. Seine Mudder war mit Freundinnen unterwegs, in Venlo, als die sich spontan entschloss, die Einkaufstournee zu unterbrechen, um einem strammen Jungen das Leben zu schenken“. Ungläubige Augen starrten mich an. Im Ernst, es war schon etwas dramatischer, doch Fakt ist, Jan Laufer wurde in den Niederlanden geboren, wenn auch nur ambulant. So hat es mir jedenfalls Anarcho streng vertraulich geschildert. Warum soll ich an dieser Version zweifeln?! Schließlich kannte man zu dieser Zeit noch keine Fake-News. Dieses Problem existiert erst, seitdem es das World-Wide-Web gibt. Ja nee, is´klar!

Andere Zeitgenossen behaupten, Gaudo hieße Gaudo, weil der soviel Käse quasselt. Jan Laufer himself, verweigert beharrlich jegliche Aktivitäten, die zur Wahrheitsfindung beitragen könnten. „Schon mal was von Datenschutz gehört, Freunde?“

Uuups, eigentlich wollte ich ja über gestern sprechen. Was soll´s, kann ich gerne jetzt nachholen. Allzuviel ist hier derzeit eh noch nicht los…..wollte ich gerade sagen. Just in dem Moment geht die Tür auf. Ja, sie geht tatsächlich auf. Hab mir nach dem Fauxpas am Eröffnungstag die Schlüsselgewalt zurückerobert. War ja auch ein echtes Schlüsselerlebnis. Und ganz entscheidend, Salander kann heute nicht. Treffen mit Computer-Freaks.

Eins, zwei, drei, vier, ähhhh, fünf junge, teilweise sehr ansehnliche Damen, wenn ich mich nicht irre, in modernen Outfits, stürmen bestens gelaunt in die Unkaputt-Bar. „Eine Handvoll Fassbrause, bitte“, schallt es aus der Gruppe in meine Richtung. Sorry, dann muss ich besser mal machen. Wenn die Arbeit so angenehm ruft, könnte ich wohlmöglich noch Spaß am Malochen bekommen.

Ich halt euch auf den Laufenden. Bevor ich mich verabschiede, lege ich ausnahmsweise, und auf vielfachen Wunsch einer einzelnen Person, schnell noch ne Scheibe mit Deutschen Text auf. Freundschaften muss man pflegen, auch wenn es Freunde des Deutschen Schlagers sind. „

Marmor, Stein und Eisen bricht“ – mit Drafi Deutscher.

Deutscher gehts nun wirklich nicht.

4 Replies to “Zwei schwere Brocken”

  1. So so, so so ….. Spass an der Arbeit. Junge Mädels.Na da läuft das Fass aber gleich mal über. Aber wenn Damenbesuch in Deiner Bar willkommen ist, dann macht mal Platz Jungs. Ich komme. Gouda, rutsch mal nach rechts und Anarcho nach ganz links, und dann nehm‘ ich mal die Mitte zwischen Euch. Aber die Fassbrause kannst Du gerne anderweitig vergeben. Heb sie für Salander auf und zapf mir mal was frisches blondes.

    1. Ähhh, also ich freue mich sehr, wenn Du mich mal auf der Arbeit besuchst.
      Ist denn zu Hause soweit alles sauber und so? 🙂

      Ich kann mir sehr gut vorstellen, dass Gauda (Deutsche Schreibweise) und Anarcho durch Dich zahmer werden, und Gigolo dürfte sich auch mächtig freuen,
      am Ende wird es nur einen Verlierer geben, MICH, der 24Stunden-Servicemann.
      Alle lassen sich schön bedienen und am Ende bin ich bedient.

      Aber widersprechen will und konnte ich Dir ja noch nie.
      Ich bin in froher Erwartung.

  2. Widersprechen sollst Du ja auch nicht, aber „wieder sprechen“ wäre in der Kategorie „Thekengespräche“ ganz sinnvoll.

    Ich bin mir sicher, das wird ein lustiger Abend in einer buten Runde. Tolle Typen, nette Gespräche und gutes Essen. Apropos Essen: Gibt’s hier Käse????

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