SUV oder Suff

So, erstmal durchlüften!. Heut war zeitweise richtig dicke Luft hier drinne. Ging zu, wie auf der Hauptverkehrsstraße inne City. Nur das Hupkonzert fehlte.

Und alles nur, weil sich Gauda beim hiesigen Gebrauchtwagengroßhändler „Sammy, the real Car-Dealer“ einen nicht mehr ganz so neuen Hummer oder Hammer, was weiß ich, andrehen ließ.

Meinte jedenfalls Lisbeth Salander: „Ehrlich Gauda, was willst Du mit so einem Spritfresser? Der kommt noch nichtmal aus Deutschland!“

Gauda zeigte sich unbeeindruckt, noch. „Der war mega günstig zu haben, damit kann ich locker mindestens 2000 KM rein rechnerisch kostenlos mit rumdüsen. Das Teil rentiert sich, hundertpro!“.

„Rumfahren wirste auch machen müssen, nen Parkplatz kriegste mit so einem Monster in der Stadt garantiert nicht“.

„Paaah“.

„Anne Umwelt denkste überhaupt nicht. Hauptsache allzeit freie Fahrt!“  Gigolo schaltete sich in das Gespräch ein. Sein Ton zeugte von Unverständnis.

Für Gauda kein Problem. „S U V steht für Starke Umwelt Verträglichkeit“.

Salander prustete ins Glas. „Haste noch mehr von solchen Weisheiten? Stehste etwa in Kontakt mit Bundesautominister Scheuer?“

So langsam veränderte sich Gaudas Mimik. „Meine Güte, überall nur noch Maßregelungen, Vorschriften, Verbote. Das geht mir richtig auf den Keks. Aber so richtig!“.

„Du und all die Autonarren, ihr geht mir auf den Keks“, ereiferte sich Gigolo. „Luftverpester. Egoisten!“.

„Tritt mal auf die Bremse, Kleiner. Du glaubst doch auch nur an Daten, die von den Abmahnern in die Welt gesetzt werden“.

„Könnt ihr nicht mal einen Gang runter schalten?“, versuchte ich ein wenig die Gemüter zu beruhigen. Vergebens.

Denn der bis dato ungewohnt abwesend wirkende Anarcho betrat das Diskussionsforum. „Ich hab gehört, der Scheuer ist nun doch für ein Tempolimit. Man munkelt was von 210KM Höchstgeschwindigkeit“.  

Als er merkte, dass niemand darauf eingehen wollte, legte er nach: „Die alten Messgeräte sollen gegen neue Modelle ausgetauscht werden, die eine unabhängige Gruppe von Sachverständigen, unter Federführung von Müller und Stadler zertifiziert haben“.

Salander sprang darauf an. „Das reicht nicht aus. Auch Stellplätze für die Messungen stehen auf dem Prüfstand. Ramsauer und Dobrindt sind bereits für Mehrseillängen-Kurse in den Alpen angemeldet worden. Mit Seilschaften kennen die sich alle bestens aus“.

„Ich geh jetzt erstmal einen abseilen“, schimpfte Gauda und verzog sich schnaufend in Richtung Toilette.  

Mein Kopf dröhnte. Vielleicht hätte ich das Autogene Training doch weiterführen sollen?

Als unser „Holländer“ nach Geschäftserledigung die Unkaputt-Bar Theke ansteuerte, wirkte er irgendwie erleichtert, grinste die Gemeinde verschmitzt an. „Habt ihr auch gelesen, der Resch von der Umwelthilfe, hat den Winterkorn in sein Sommerhaus nach Kalifornien eingeladen“.

„Dann kann er besser direkt nach Zelle fahren“, witzelte Anarcho, „ist umweltfreundlicher“.

Gauda nahm stolz seinen Autoschlüssel in die rechte Pranke. „So, Freunde, ich hau jetzt mit meiner Feinstaubschleuder ab nach Hause. Soll ich wen mitnehmen? Ich mein ja nur, alldieweil der Himmel seine Schleusen geöffnet hat.“

Gigolo, Salander und Anarcho blickten sich unsicher an, wägten ab.

„Okay, Ausnahmsweise! Nur Dir zuliebe. Wir fahren mit, aber unter Protest“.

Man, man, manchmal ist die Truppe nur im Suff zu ertragen.

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