Prügelknaben

Es war die Woche der Prügelknaben, wenn man so will. Haut den Lucas! Das Spiel wird aus dem Programm genommen. Vermutlich Ende Mai 2019.

Am Montag platze die Nachricht herein, dass Sportdirektor Jürgen Lucas zum Saisonende Rot-Weiss Essen verlassen wird. Die Gründe scheinen offensichtlich, wurden auf sämtlichen Kanälen verbreitet: Überlastung durch Doppeltätigkeit, Erfolglosigkeit, Familiäre Gründe. Nachvollziehbar und glaubhaft. Für mich persönlich allerdings nur die halbe bis dreiviertel Wahrheit. Quelle? Mein Bauchgefühl. Die Aussage, er möchte seinem Verein bei der Weiterentwicklung nicht im Wege stehen, interpretiere ich halt anders, Wurden intern die Kritiken und Kritiker etwa lauter, als allgemein kommuniziert? Von Jürgen Lucas wird man dahingehend keinerlei Aussagen hören. Seine Loyalität zum Verein ist ungebrochen. Wie es innen aussieht, geht Keinen etwas an.

Ich sage an dieser Stelle einfach Danke, Jürgen Lucas, für Deinen Einsatz, für Deine Bereitschaft, dem Verein helfen zu wollen, als Dog Welling Dich darum bat. Du hast zudem Wort gehalten und Konsequenzen gezogen, weil es „Dein“ Kader war und noch ist.

Prügel bezieht, jedenfalls von einem Teil der RWE-Fans, die Initiative „Essen unVerkäuflich“, deren Mitglieder sich gegen eine Ausgliederung des Spielbetriebes wehren. Mit diesem Thema habe ich mich noch nicht näher beschäftigt. Von daher halte ich mich mit Stellungnahmen lieber bedeckt. Unabhängig davon, wie am Ende meine Meinung ausfallen wird, als alter Sack werde ich an keiner Abstimmung teilnehmen. Das sollen Menschen entscheiden, die ihre Zukunft noch vor sich haben, sozusagen. Komisch nur, warum die Initiative zu diesem Zeitpunkt ins Leben gerufen wurde. Besteht ein Zusammenhang mit der Ankündigung von Ralf Schuh, seine Tätigkeit als Fanvertreter nicht weiter auszuüben – was ich im Übrigen sehr bedauere?  Sollte sich tatsächlich mehr als nur ein Wunschzettel in Marcus Uhlig ihm seine Schublade befinden? Angedeutet wurde es. Fragen über Fragen.

Die Rolle als Prügelknabe Nummer Drei war für den Turnverein Herkenrath vorgesehen. TV-Trainer Giuseppe Brunetto – nicht zu verwechseln mit Commissario Brunetti – sah das ein wenig anders. „Wir wollen RWE das Leben sehr schwer machen“, kündigte er selbstbewusst vor der Begegnung an.

Ich muss gestehen, der Tabellenletzte machte RWE das Leben tatsächlich schwer. Allerdings auch dank tatkräftiger Unterstützung von Rot-Weiss. Vor allen Dingen in den ersten 20, 30 Minuten hätte sich niemand beschweren dürfen, wenn die Gäste in Führung gegangen wären. Glücklicherweise besitzen sie keinen abgezockten Angreifer, der die Schwächen in der Essener Hintermannschaft auszunutzen wusste. Ich leg mich fest: Die 5907 offiziell Anwesenden, haben heute Absteiger Nummer eins live erlebt.

Natürlich ergaben sich auch in Halbzeit Eins einige Tormöglichkeiten für die Neitzel-Elf – vor allen Dingen Neuzugang Wegener besaß zwei, drei gute Gelegenheiten – insgesamt jedoch war es ein enttäuschender Auftritt. Lahmes Gekicke, wenig Tempo, von Selbstvertrauen keine Spur.

Nach dem Pausentee lief es etwas besser für die Gastgeber. Essen erhöhte den Druck, doch gefährliche Szenen vor dem Gehäuse der Herkenrather blieben Mangelware. Viel zu oft, wie schon in den Vorbereitungsspielen, wurden die Angriffe nicht konsequent zu Ende gespielt.

Bis zur 66.Minute musste sich der RWE-Anhang gedulden, dann durfte gejubelt werden. Wenn auch verhalten. Enzo Wirtz per „Flachkopfball“ nach Vorarbeit des ansonsten (diesmal) blassen Scepanik, erzielte seinen immerhin siebten Saisontreffer. Gegen Ende dann doch noch ein Happy End für Max Wegener. Clever und präzise schob er den Ball freistehend in die lange Ecke. Auf den Rängen wurde es doch noch lauter.

Keine Frage, der Sieg war absolut verdient. Wird aber nicht lange dauern, bis diese Partie aus dem Gedächtnis verschwindet.

Unvergessen bleibt dagegen der vor zwei Jahren tödlich verunglückte Rot-Weiss Fan, Ruhrmichell“, an den die „Westkurve“ mit einer Choreo würdevoll erinnerte.

Drei Punkte geholt. Gut so! Mehr auch nicht.

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