Klartext

Kostendeckelung? Kostendeckelung! Was für ein Begriff. Erst seitdem ich die Unkaputt-Bar betreibe, weiß ich, was es damit auf sich hat. Die Gäste bestellen, ich liefere und schreibe die Kosten dafür auf einen Deckel.  Alles ganz easy. Nur Deckel klingt irgendwie dröge. Salander hatte die zündende Idee. So wurde aus dem Deckel eine Steuererklärung. Streng genommen ist Friedrich Merz der Urheber für die Umbenennung, wenn man so will. Wie auch immer, so machen selbst mir Steuererklärungen Spaß.

Das nur mal so am Rande.

Erzählen muss ich euch aber unbedingt noch von Richy Kabuffke, bekannt wie ein bunter Hund hier in der Gegend. Kabuffke war jahrelang Selbstständig. Servicebetrieb für Wartung und Reparatur von Faxgeräten. Jede Firma, jede Klitsche, selbst Behörden riefen ihn, sobald die Geräte nicht so funktionierten, wie erwartet. Richy Kabuffke fummelte, schraubte und improvisierte, hauchte der Apparatur neues Leben ein. Daher auch sein Spitzname „Pontifax“. 

Irgendwann hatte er aber die Faxen dick – der Druck wurde einfach zu groß . So machte er den Laden dicht und wechselte in die Kommunalpolitik. Macht nun da seine Faxen, wie seine politischen Kontrahenten behaupten. Er ist parteilos und zwar aus voller Überzeugung. „Ich war mein Leben lang auf mich alleine gestellt, hab nur mir selbst vertraut, warum soll ich mich jetzt mit anderen Döspaddeln rumstreiten, nur um meine Meinung dem Volk mitzuteilen? Klartext will ich reden, keine weichgespülten Phrasen!“

Als er vorige Tage dieser Bar einen Besuch abstattete, redete „Pontifax“ wirklich Klartext. Jedenfalls anfangs, erklärte, das ihm vor allen Dingen die Beraterfirmen, die Lobbyisten und die Erbschleicher auf den Senkel gehen würden. „Und geht mir weg, mit den ganzen Parteien! Die tun doch nur so, als gäbe es Unterschiede“, verkündete er voller Inbrunst und Überzeugung, dem anscheinend aufmerksam zuhörenden Tresenpublikum.

„Öffentlich streiten sie sich wie die Kesselflicker, diese Schauspieler, ziehen von Talkshow zu Talkshow und abends, abends feiern sie dann gemeinsam in irgend so einem Promi-Club, kloppen sich zufrieden auf die Schultern, glauben, sie hätten mich voll gelinkt.“

Kabuffke holte kurz Luft, kippte hastig einen kühlen Kräuterschnaps hinunter, ließ geschmeidig seine Zunge über die Lippen gleiten, setzte dann seine Klartext-Rede fort. „Für wie doof halten die uns eigentlich. Als ob ich nicht durchschaue, was da gespielt wird. Hauptsache die behalten ihre Posten, darum geht’s denen doch!“.

Ein weiterer Kräuterschnaps wurde auf der Steuererklärung notiert. Und noch ein Pils. Halben Liter.

Kabuffke hält halt Maß.

„Facharbeiter und Facharbeiterrinnen, Ärzte und Ärztinnen, Pflegekräfte und Pflegekräftinnen, Handwerker, auch…., auch Handwerkerinnen“.

Kurze Pause für ein Gedeck.

Füüüseo…, ähhh. Physiotherapeuten sowie Therepeutinnen, Pschüü…Psychologen und Innen, Bundeswehrsoldaten, oder Pauker und, und, eh, Lehrerinnen, alles fehlt, AAAAALLLLLEEEESSS FEEEHLT!“

Kabuffke verneigt sich vor der Theke, als er lautes Klopfen hört.

„Daaaaanke, Dancke, Leute!“  Ein kleines Bäuerchen, kaum der Rede wert.

Die Thekengäste hatten sich allerdings lediglich ihren Kümmerlingen zugewandt. Ich sah keinen Grund, „Pontifax“ aufzuklären. Falscher Zeitpunkt.

Nach weiteren Notizen auf seiner Steuererklärung forderte er mich auf, den Schlimmes anzufordern. Schlimmes sagt er immer für Taxi, nachdem er den uralten Witz vom ältesten Taxifahrer der Welt per Whatsapp von acht verschiedenen Absendern zugesandt bekam.  

„Haaarpo, wie heissssscht der ältedeste Taxifahrer der Welt?“. Kabuffke hatte leichte Sprachprobleme, aber ich mach ihm zuliebe das Spielchen immer wieder gerne mit.

„Keine Ahnung, Pontifax“.

Schlimmes, hähä, denn es schteht schoooon inne Biebel, Schliiimmes wird euch wieder fahren….hahahaha“.

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