Rot-Weisser Stammtisch

Der Montag ist mein Sonntag. An diesem Tag ruhe ich, manchmal auch in mir. Doch die aktuelle Lage um Rot-Weiss Essen lässt mir keine Ruhe, sie nervt, macht mich nachdenklich.

Gut, dass man Freunde hat. Also lade ich kurzerhand meine Stammgäste Salander, Gigolo, Anarcho und Gauda in die Unkaputt-Bar ein.

Motto: Ohh, RWE!

Noch lange vor den üblichen 19.07 Uhr sitzt die Theken-Mannschaft am rot und weiß geschmückten Stammtisch, wartet auf den Startschuss für die Gesprächsrunde.

„Freunde, ich will mal Eure Meinung zur aktuellen Lage von RWE wissen. Warum befindet sich der Verein augenscheinlich in einem desolaten Zustand? Lasst mal hören, wo liegt der Hase begraben?

Ich will die Welle, Gigolo fängt an!“

Mit diesen Worten eröffne ich die Fragerunde.

Gigolo:

Wo der Hase begraben liegt, fragst Du? Ganz einfach, weil die Mannschaft Angsthasenfußball spielt! Muss das relativieren, mittlerweile spielt sie so. Anfangs war die Lust am Fußballspielen zu spüren, die Jungs waren richtig heiß auf den Sieg. Sie wollten Tore erzielen. Davon ist rein gar nix mehr übriggeblieben. Aktuell erinnert das alles an Traben-Trabach. Pflichterfüllung. Nach dem Motto, vielleicht kriegen wir das irgendwie durch. Die Mannschaft scheint nicht mehr an sich zu glauben oder ist sie nicht mehr motiviert?“.

Anarcho:

„Wir haben nach der erfolgreichen Insolvenz versäumt, den eingeschlagenen Weg mit jungen, hungrigen Spielern weiter zu gehen. Für mich war der Knackpunkt, als man sogenannte Drecksäcke wie Wingerter, Knappmann und Co verpflichtete. Ein falsches Signal. Als das nicht klappte, ging man in die Vollen, holte mit Uwe Harttgen einen sportlichen Fachmann mit vermeintlich guten Verbindungen zum DFB, an die Hafenstraße. Dachte ich. Bis er Steinzeittrainer Fascher anheuerte. Als Fehler stellte sich auch seine übergroße Machtfülle heraus. Der besaß doch einen Blankoscheck für all seine Entscheidungen. Mit dem Norddeutschen Duo entfernte sich der Verein von seiner Basis. Die weitere Entwicklung hängt für mich unmittelbar damit zusammen. Es war ein verdammt teurer Fehlgriff, mit fatalen Folgen für Rot-Weiss“.

Gauda:

„Alter, wenn, dann musst Du mindestens 40, 50 Jahre zurückblicken. Das einzige, was konstant bei RWE ist, sind Fehlentscheidungen, getroffen von Selbstdarstellern, von echten Luftpumpen. Aber hilft ja jetzt nicht. Genauso wenig wie der tausendfache Hinweis auf die Deutsche Meisterschaft oder den Pokalsieg. Drauf geschissen, so schön die Erfolge auch waren. Ich nehme jetzt nur mal die letzten Trainer. Was haben Siewert, Demandt und Gianakis gemeinsam? Eben, keinen Erfolg! Aber es lag ja nicht nur an denen. Winkler und Lucas durften ihr Praktikum als Sportliche Leiter bei ihrem Stammverein absolvieren. Für mich wurde das Pferd von hinten aufgezäumt. Zuerst die Infrastruktur, dann erst kam das Sportliche. Eines muss ich klarstellen: Jürgen Lucas hat dazugelernt! Gemeinsam mit Kalle Neitzel hat er diese Saison gute Leute verpflichtet. Bichler, Scepanik, Wirtz, Heber, das sind schon mehr als durchschnittliche Viertligaspieler. Eine erfolgreiche Mannschaft kam trotzdem nicht dabei raus. Die Tabelle lügt nicht!“

Salander:

„Rot-Weiss hat die Zeichen der Zeit nicht rechtzeitig erkannt. Heutzutage kann man keine Mannschaft mehr zusammenwachsen lassen. Jeder gute, bessere Spieler wird sofort weggekauft oder durch Berater weggelobt. Man ist gezwungen, praktisch von Saison zu Saison denken. Rein Kadermäßig, meine ich. Finanziell muss der Verein natürlich langfristig denken, um entsprechend agieren zu können, wenn geeignetes Personal auf dem Markt ist. Habe ich keinen solventen Geldgeber, dann muss ich eben mein „Geschäftsmodell“ anpassen. Es widerspricht eigentlich meiner Grundeinstellung, aber Spieler sind Geldanlagen. Jeder erfolgreiche Verein kauft preiswert ein, um teuer zu verkaufen. Ich überleg´ gerade, welcher Vereinswechsel hat RWE in den letzten Jahren überhaupt ein paar Euronen an Ablösesumme eingebracht? Soukou, jetzt Pröger. Sonst noch wen? Ach ja, Avci. Aber nur, wenn die „Türken“ die 100.000€ tatsächlich gezahlt hätten. Ich mein ja nur, das ist ein Indiz für schlechte Einkaufspolitik. Wegen der ach so tollen Fans, kommt doch Keiner mehr nach Essen. Und ob die Fans noch kommen, darauf sollte man sich auch nicht verlassen“.

Das muss ich alles erstmal sacken lassen. „Schon interessant, was ihr da vom Stapel gelassen habt“, finde ich lobende Worte für die Theken-Truppe.

„Jezz erzähl DU mal, was muss, was sollte sich bei Rot-Weiss ändern?“, will Lisbeth Salander wissen.

Happo, also ich:

Jeder von euch hat irgendwie Recht. Es ist wohl die Summe von allem, was ihr da aufgeführt habt. Geld ist mit das wichtigste, da mache ich mir nichts vor. Da wird sich in nächster Zeit auch was tun. Weiß ich aus ganz sicherer Quelle.

Doch was nützt alles Geld der Welt, wenn es aus dem Fenster geworfen wird?! Also muss ein Fachmann her, der nicht nur mit Geld, sondern auch mit Menschen umgehen kann. Fußballsachverstand und Netzwerk sind Grundvoraussetzung. Das ist aber Zukunftsmusik.

Die Saison ist noch nicht zu Ende, es kann noch weiter bergab gehen mit dem Verein. Damit meine ich nicht nur in der Tabelle. Kalle Neitzel muss es schaffen, dass die Mannschaft sich wieder als Mannschaft präsentiert, einer für den anderen kämpft. Das war anfangs so. Vielleicht darf auch mal das Mittelfeld komplett neu aufgestellt werden?!. Jeder Spieler sollte eine faire Chance erhalten, sich zu empfehlen, für wen auch immer. Aber sie sollten auch daran denken, von wem sie aktuell bezahlt werden.

In diesem Sinne, die Getränke bezahl ich, selbstredend“.

Wer Bock hat, kann gerne seine Gedanken mitteilen oder auch mir seine Meinung geigen. Aber nur, wenn er/sie musikalisch ist.

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