Big Patrick

Feierabend für heute. Gerade habe ich die letzten Gäste verabschiedet. Bis auf Lisbeth Salander und Gigolo. Die beiden treuen Seelen halten die Stellung, wollen mir beim Aufräumen helfen. Aber das kann warten, erstmal inne Zeitung blättern. Sportteil zuerst.

Meine Argusaugen erblicken ein Foto von Schwergewichts-Champ Patrick Korte, auf dem er aufmerksam Anweisungen seines Trainers Sebastian Tatlik entgegen nimmt.

“Ganz schöne Kante, der Korte”, merkt Gigolo an. “Sag mal Happo, ist der Islamist? Ich mein nur, wegen dem Bart und so”.

“Nee, das ist ein Zöllibart”. Die Antwort kommt von Lisbeth Salander. Schlagfertig isse ja, die Lisbeth.

Der Artikel “Patrick Kortes großes Ziel bleibt ein EM-Titelkampf” liegt nun lesbereit und in voller Länge vor mir.

“Wie siehts aus, Kinder, soll Papi euch noch eine Geschichte vorlesen?”

“Lass hören”. Salander nickt zustimmend. Also fang ich an…

In kaum einer anderen Sportart wird Nächstenliebe so wörtlich praktiziert, wie im Boxsport. Getreu dem Motto: „Geben ist seliger, denn Nehmen“.  

Diese Faustregel scheint auch Essens Profischwergewichts-Kämpfer, Patrick Korte, verinnerlicht zu haben. Von 15 Kämpfen siegte er 14 Mal, davon 12 durch K.O.  Eine Bilanz, die sich sehen lassen kann.

Dass sie nicht makellos ausfällt, hat mit seiner Niederlage vor gut einem Jahr gegen den Weißrussen Andrei Mazanik, zu tun. In Runde zwei platzten die Titelhoffnungen des gebürtigen Borbeckers jäh. „Nicht so sehr körperlich, es war mehr die Seele, die weh tat“, gibt Korte offen zu. „Ich wollte den Kampf frühzeitig beenden, hab dabei sämtliche Vorgaben missachtet“, fügt Big Patrick selbstkritisch hinzu. Wohlmöglich spielte auch der plötzliche Tod seines ersten Boxtrainers, Franz Stahlschmidt, wenige Tage vor dem Fight eine Rolle.

Stahlschmidt war es, der den jungen Patrick Korte im Jahre 2000 unter seine Fittiche nahm. Die Karriere als Amateurboxer dauerte allerdings lediglich drei Jahre. Danach wandte er sich mehr und mehr dem Bodybuilding zu. Erst 2013 kehrte er zu seiner Liebe, dem Boxsport zurück. „Damals gab es im Amateurbereich einfach zu wenig Kämpfe, mir fehlte die Perspektive“, erklärt er die lange Ringpause, nicht ganz ohne Reue.

Förderlich war die Box-Abstinenz seiner Karriere sicherlich nicht, doch der Mann mit den eingebauten K.O.-Tropfen in beiden Fäusten blickt nach vorne, will den Erfolg.

Anders als im Ring, wo er mehr oder weniger auf sich alleine gestellt ist, unterstützen ihn im wahren Leben eine Menge Leute, seine sportlichen Ziele zu erreichen. „Meine Familie geht mir über alles!“, kommt die Antwort pfeilschnell wie ein rechter Haken, spricht man den Modellathleten auf die wichtigsten Menschen in seinem Leben an. Patrick Korte ist seit 10 Jahren glücklich verheiratet, liebevoller Vater von zwei, wie er betont, süßen, kleinen Mädchen. Zum engsten Freundeskreis zählt er auch seinen Trainer, Sebastian Tatlik.

Hart, aber herzlich, Eigenschaften, die der Linksausleger mag. Das martialische Äußere lässt nur schwer erahnen, wie ausgeprägt sein soziales Engagement in Wirklichkeit ist. Halbtags arbeitet Patrick Korte als Personal-Trainer in der Prof. Dr. Eggers-Stiftung, kümmert sich um jüngere, psychisch erkrankte Menschen. Für ihn mehr eine Berufung, denn ein Job. Regelmäßig ist er zudem für die Essener Chancen aktiv. Die Liste ließe sich beliebig weiterführen.

All diese Dinge sind dem Umfeld nicht verborgen geblieben. Seine Fan-Gemeinde wächst stetig. Kein Hehl macht der „Champ“, wie ihn zahlreiche Verehrer nennen, aus seiner Verbundenheit mit der Stadt Essen. #Essenhältzusammen – mehr als ein Werbegag.

Aktuell fokussiert sich der 35jährige auf den Kampfabend in der Stoppenberger Sporthalle Am Hallo. Am 16.März steigt der Lokalmatador wieder in den Ring. Gegner ist John Napari aus Ghana, der sämtliche seiner bisher zwanzig ausgetragenen Profi-Kämpfe als Sieger beendete. Leicht geht anders.

Das Training ist minutiös darauf ausgerichtet, auf den Tag hin topfit den Fight anzugehen. Kraft, Beweglichkeit, Ausdauer, Taktik, auch mentale Stärke, Nichts wird dem Zufall überlassen oder wie Patrick Korte zu sagen pflegt: Ohne Schweiß, kein Preis“.

Doch man kann noch soviel planen, noch so gut vorbereitet sein, im Schwergewichtsboxen kann ein einziger Schlag die (Titel-) Träume platzen lassen. Essens Hero muss nicht, aber er will unbedingt gegen Napari gewinnen, um seinem großen Ziel, einen Kampf um die Europameisterschaft der großen Boxverbände bestreiten zu dürfen, näher zu kommen.

Ganz Essen und darüber hinaus, drückt Patrick Korte dafür die Daumen.



Gigolo scheint beeindruckt. “Wat haltet ihr davon, wenn wir uns am 16.03.2019 mit der gesamten Truppe das Spektakel reinziehen? Ich hab richtig Bock drauf!”

“Super Idee, Gigolo. Ist gebongt!”

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Personenschützer Arnd mit Big Patrick
Zwei kleinere und zwei große Fäuste für ein Halleluja
Happo

Auf einen Psyhopathen mehr oder weniger, kommt es nicht an.