Kein Witz

Wer kennt sie nicht, diese Typen, die, haben sie einmal Blut geleckt, einen Witz nach dem anderen raushauen, stundenlang, in Endlosschleife. Diese „Kennste-Den-Satz-Beginner“ Spezies. Erst kriegt man Bauchschmerzen vor Lachen, im Laufe des Abends vergeht einem dann meist das Selbige, nur die Bauchschmerzen bleiben.

So ein Exemplar war gestern in der Unkaputt-Bar. Wobei das so nicht ganz richtig ist, denn jener, von dem die Rede ist, gehörte eher der Gattung „Fragesteller“ an.

„Mein Name ist Lauer, Karl Lauer“.

Alle Augen blickten auf die, lasst mich nicht lügen, circa quasi 1,80 Meter große, auffällig schlanke, aschblonde Person, mittleren Alters.

„Wie nennt man einen studierten Bauern?“. Damit legte Lauer los.

Schweigen im Saal.

„Na, Ackerdemiker!“

Die Resonanz ließ noch zu wünschen übrig.

„Wie nennt man einen kleinen Türsteher?“

Kurzer Blick in die immer noch schweigende Runde.

„Sicherheitshalber!“

Erste, an Lachen erinnernde Laute waren vernehmbar.

 „Wie nennt man Sex mit Gegenständen?“

Karl Lauer wartete erst gar nicht ab, beantwortete seine Frage fast im gleichen Atemzug:

„Dingsbums!“

Immerhin sorgte das Frage-Spiel für eine gelockerte Atmosphäre in der Bar, was nicht so absehbar war. Denn beim Thema „Wolf“ erhitzten sich die Gemüter mehr als angemessen. Oder vielleicht waren die Reaktionen doch angemessen, wenn man berücksichtigt, wie schnell und zügig, scheinbar unausgegoren über Leben und Tod eines Geschöpfes entschieden wird?!

Jedenfalls sah Gigolo es so. Erhielt dabei vollste Zustimmung von Lisbeth Salander. Selbst Gauda kamen Zweifel, ob der Wolf einer der größten Gefährder unserer Demokratie sei.

„Die kleine Schulze will doch nur mit „Lex Wolf“ von wirklich dringenden Problemen ablenken“, entzürnte sich Gauda.

„Ich kenn nur Lex Barker“, schaltete sich Anarcho in die Diskussion ein.

„Mehr haste nicht dazu zu sagen?“.  Lisbeth Salander reagierte hörbar angefressen.

„Ach, leck mich doch“, spie Anarcho seine Freundin an. „Möchte mal sehen, ob ihr auch dann noch zu eurem süßen Wölfchen haltet, wenn der zum x-ten Male ein Schaf aus eurer Herde gerissen hat“.

„Weißte was, Anarcho, Du bist ein richtiges Herdentier. Hat absolut keinen Zweck mit Dir darüber ernsthaft zu diskutieren. Mehr als Geblöke kommt nicht“.

Von daher kann ich im Nachhinein froh sein, dass Karl Lauer für die Wende, zur besseren Stimmung beitrug.

“Habt ihr gelesen, die Frauke Petry von den Blauen und Arbeitsminister Hubertus Heil wollen gemeinsam nach Wählerstimmen angeln. Angeblich sind die Zwei deshalb eine Zweckehe eingegangen sein. Heißen jetzt Petry-Heil“.

„Du Scheiße, ne“, kichert Gauda, „total bescheuert.

Lauer lässt nicht locker.

„Mir hat letzte Tage ein Bekannter erzählt, der den Heinz, also den “Weißen Hai” wie der sich nennt, weisse, gut kennt. Der hat ihm verklickert, er, also der Heinz, kennt Jemanden, der ist so geizig, der hat in seinem Testament festschreiben lassen, im Todesfall sich nur bis zur Hüfte begraben zu lassen, weil er sein Grab selbst pflegen will“.

Zum ersten Mal erschallt lautes Gelächter. Gläser klirren, Bestellungen erreichen meine Gehörgänge.
Also wenn der Lauer kein Lauschepper ist, dann kann der gerne wiederkommen. Diese Gedanken gingen mir genau zu diesem Zeitpunkt durch den Kopf.

Drei Stunden später bewertete ich seinen Auftritt in der Unkaputt-Bar schon etwas kritischer. Leichte Bauchschmerzen zogen auf, senkten gleichzeitig den Wohlfühlfaktor spürbar ab.

„Wie nennt man eine Gruppe von Wölfen?“

Au man, das Thema hatten wir doch schon, das passt hier und heute einfach nicht.

„WOLFGANG!“

Lauer wundert sich über finstere Blicke, die ihn fixieren.

Ein Blick auf die Uhr signalisiert glücklicherweise „Feierabend“.
Gut so.

Karl Lauer rätselt heute noch, was an seiner letzten Frage nicht passte. Nachvollziehbar. Woher sollte er wissen, was vorher ablief. Ich werde es ihm erklären, falls er sich nochmal hierhin verirrt.

Happo

Auf einen Psyhopathen mehr oder weniger, kommt es nicht an.