Die Reise nach Lippstadt

Anfang September 2018, Hinspiel gegen Aufsteiger Lippstadt. Schluss mit lustig.  

Betriebsunfall, Ausrutscher, dachte man. Falsch gedacht. Der Anfang vom vorläufigen Ende. Es kam damals viel zusammen, unglückliche Umstände, wie man zu sagen pflegt. Hebers frühe Verletzung, frühes Slapstick-Gegentor, Prögers Platzverweis, Baiers verschossener Elfmeter in der 90. Minute. Das Wichtigste sollte aber nicht unerwähnt bleiben:  Lippstadt war die bessere Mannschaft. So hab´ ich es gesehen.

Ohne große Erwartungen und ohne Erwig-Drüppel, der wochenlang wegen eines Sehnenteilriss im Oberschenkel den Rot-Weissen fehlen wird, trat ich die Reise Richtung Sauerland……ähh, Ostwestfalen im Loddar-Fan-Bus an, der mit großen und kleinen Persönlichkeiten auf den Sitzen und in zahlreichen Kästen besetzt war.

Trotz der tabellarischen Bedeutungslosigkeit dieser Regio-Partie, trotz der April-Wetter-Kapriolen, offiziell 1300 Fußballfans – darunter gut 400 RWEler – wollten sich das Kräftemessen in der Liebelt Arena Lippstadt nicht entgehen lassen.

Beherrschendes Thema unter der Woche war die Meldung, Rot-Weiss Essen hat einen Strategischen Partner gefunden. Welche Strategie „Kautsch“ Kalle Neitzel seinen Mannen gegen die zuletzt erfolgreichen Lippstädter mit auf den Weg gab, war ebenso noch offen, wie der Name des Unterstützers.

Geredet wurde genug, vor allen Dingen die Rot-Weiss Anhänger, egal ob zu Hause oder im Stadion, wollten endlich Taten sehen. Und sie bekamen eine Menge zu sehen. Von Beginn an drückte die Neitzel-Elf aufs Tempo, ließ den Gastgeber erst gar nicht ins Spiel kommen.

Die Digitaluhr der Liebelt Arena (vielleicht eine Spende von Karl-Heinz Rummenigge?) zeigte erst die 7.Spielminute an, da landete der Ball bereits im Gehäuse der Lippstädter. Kapitän Benny Baier stand goldrichtig am zweiten Pfosten und erzielte den umjubelten Führungstreffer.

RWE ließ nicht nach in seinen Bemühungen, presste, ging hart, aber fair in die Zweikämpfe, suchte den Torerfolg. Und wurde belohnt. Boris Tomiak schob die Kugel unaufgeregt aus kurzer Distanz nach einer Ecke zur 2:0 Führung über die Torlinie. Riesenfreude im Essener Lager.

Nicht nur wegen des Vorsprungs, vielmehr auch für den jungen Abwehrrecken, der lediglich aufgrund der Sperre von Philipp Zeiger in die Startelf rückte, Boris hat sich die Chance redlich verdient, er hat sie genutzt. Ich würde sofort mit ihm verlängern, aber mich fragt ja Keiner. Tippe, das neue Arbeitspapier ist bereits unterschriftsreif angefertigt worden.

Allerdings stellt sich die Frage, warum Winterneuzugang „Arche“ Noah Korczowski, erneut keine Berücksichtigung fand. Ich will das nicht kritisieren, interessiert mich nur mal so am Rande. Apropos am Rande, das frühe verletzungsbedingte Ausscheiden von Robin Urban, ist ein Wermutstropfen, beim an sich hervorragenden Auftritt der Rot-Weissen.

Nach dem Pausentee versuchte der Gastgeber seinerseits den Druck zu erhöhen. Es entwickelte sich ein kampfbetontes Spiel mit hoher Laufbereitschaft auf beiden Seiten. Doch irgendwie spürten die Zuschauer, heute geht nicht viel beim SV Lippstadt. Zwei, dreimal geriet das von Keeper Heller gehütete Tor in Bedrängnis. Das war´s aber schon.

Spätestens als Sturmtank Enzo Wirtz zum 3:0 abstaubte, war der Fisch gegessen. Naja, das Sprichwort mit dem Pferd vor der Apotheke ging dem einen oder anderen Essener Fan schon noch durch den Kopf.

Die Zweifel wurden in der Folgezeit spürbar kleiner, RWE spielte einfach zu dominant. Essens Anhang auf der Haupttribüne riss es förmlich von den Sitzen. Okay, hauptsächlich, weil sie die volle Breitseite der Sturmböen von Hagel, Regen und was weiß ich noch alles, abbekamen. Da hatten wir es auf der Steh besser und auch preiswerter.

Fazit: Alles richtig gemacht.

Wenn so die Essener Lösung aussieht, dann bitteschön.

Warum nicht immer so? Auch diese Frage ist berechtigt.

Man sieht es häufig im Pokalwettbewerb. Die vermeintlich schwächere Mannschaft wirft den hohen Favoriten aus dem Rennen. Fußballspielen können sie (fast) alle, aber wer Qualität mitbringt, kann Spitzenleistungen über einen längeren Zeitraum abliefern. Spitzenclubs, Spitzenspieler über die gesamte Saison hin.

Vielleicht ist das eine von mehreren Antworten?!

Der Sieg in Lippstadt tat gut. Die Probleme sind damit nicht verschwunden, aber man darf sich ja mal einfach so freuen dürfen.

In diesem Sinne,

Nur der RWE!

Foto geklaut von Reviersport, aber selbst bearbeitet. Das zweite, offizielle Uralt-Ultras-Banner kam aufgrund von Sturmwarnungen aus sicherheitstaktischen Gründen nicht zum Einsatz. „Die Verantwortung dafür kann ich nicht übernehmen“, erklärte Bannerbeauftragter Dirty Harry. Übrigens, die Uralt-Ultras gibt es noch. Lediglich meiner Einer ist kein Mitglied mehr.

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