Danke, Timo

Es gibt Dinge im Leben, da freut man sich, wenn es endlich vorbei ist. Auf Rot-Weiss Essen bezogen, ist es natürlich diese Saison. Die noch anstehenden Spiele interessieren nicht wirklich. Da kommt mir glatt das alte Bundeswehrmaßband in den Sinn. Wieviel (Spiel-) Tage noch, inclusive Wattenscheid? Schere ansetzen und Zack, noch vier!

Die schaffen wir auch noch.

Aber es soll ja alles besser werden.

Deshalb drehen sie an der Hafenstraße jeden Stein um. Pech für Timo Brauer, ausgerechnet sein Stein befindet sich gut sichtbar, ziemlich weit oben. Timos Vertrag läuft aus, was bedeutet, keine Abfindungszahlungen, keine Mehrausgaben. Im Gegenteil, ein sicherlich für RWE-Verhältnisse über Tarif dotierter Arbeitsplatz wird frei. Für wen steht noch nicht fest. Oder doch?

Mit dem „Bürgermeister“ verabschiedet sich der Kapitän der Aufstiegsmannschaft aus dem Jahre 2011. Auferstanden aus Ruinen, hieß es damals. Timo Brauer war gemeinsam mit Vincent „Bone Crusher“ Wagner,  Leader dieser jungen Wilden, die mit Rot-Weissen Tugenden, auf und neben dem Platz, die Fans begeisterten und auch zurückholten. Was nachher abging, ist bekannt.

Timo versuchte sein Glück in der Fremde. Aus der Ferne betrachtet, mit durchwachsenem Erfolg, was die sportliche Seite angeht. Jedenfalls gelang ihm der ganz große Durchbruch nicht wirklich.

Der Mensch neigt dazu, sich an (vermeintlich) schöne, erfolgreiche Zeiten zu erinnern. Gerne möchte man die Vergangenheit wiederaufleben lassen. Meist vergeblich.

Als die Rückkehr unserer Nummer Sechs verkündet wurde, jubelte ganz Rot-Weiss Essen. Dog Welling war es gelungen, den verlorenen Sohn für mindestens drei Jahre zu verpflichten. Alles bei einer Tasse Kaffee, munkelt man. Er sollte, wurde zum Zugpferd der Aktion Hoch3 auserkoren, ob er wollte oder nicht. Raus aus der Schweineliga, lautete das Motto. Nicht nur ich habe mich von der euphorischen Stimmung anstecken lassen.

Dann das erste Spiel in Wiedenbrück. Ein Wahnsinns-Comeback. Er war der Chef auf dem Platz. Und sogar Torschütze beim 2:0 Auswärtssieg. Sämtliche Erwartungen erfüllt, wenn nicht sogar übertroffen.

Nur blieb es bei diesem One-Day-Hitwunder. Timo agierte in der Folgezeit mehr und mehr im Hintergrund. Hin und wieder flackerten seine Führungsqualitäten auf. Leider zu selten. Ich kenne die Gründe nicht, ich weiß nicht, was und wer ihn hinderte, voranzugehen. Selbst ich habe erkannt, er ist kein Spielmacher, kein Dribbelkönig. Sein Standing innerhalb der Mannschaft und bei den Fans ist nach wie vor hoch. Er taugt nicht als Sündenbock für die Misere der letzten drei Jahre. Ich sehe ihn allerdings auch nicht als Opferlamm. Gefühlslos gesagt: So ist das Geschäft.

Möglicherweise hängt die Anpassung seiner Leistungsbeurteilung mit der Person Nowak zusammen. Ich kann es nur vermuten.

Ob die Entscheidung richtig oder falsch ist, wird die Zukunft zeigen.

Ich sage Danke Timo, für Deinen nimmermüden Einsatz für Rot-Weiss Essen. Wenn der Name Brauer fällt, rümpfe ich nicht die Nase, sondern verbinde ihn mit Offenheit, Einsatz und Bodenständigkeit.

Eine Seltenheit heutzutage.

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