Bitterer Zucker


Essen und Trinken hält Leib und Seele zusammen, pflegte mein Mütterchen oft zu sagen. Mittlerweile bezweifle ich den Wahrheitsgehalt dieses Spruches, wenn ich so meine Konturen im Spiegel bestaune. Selbst mit Luftanhalten.

„Du hast einfach eine zu enge Haut“, witzelte Anarcho, als sich die Gespräche in der Bar unlängst ums Essen, um Ernährung an sich und so weiter, drehten.

„Ich glaub, dass liegt an den Tabletten“, versuchte ich es mit einem zaghaften wie unglaubwürdigen Erklärungsversuch.

Ein gefundenes Fressen für Salander: „Vielleicht solltest Du die Medikamente mit Kranwasser und nicht mit Bier runterspülen“.

„Und auch nicht für jede Pille ein Pils!“, jodelte Gauda, der mit seinen gut 100 Kilo Tara, weiter vom Idealgewicht entfernt ist, als „Dicktatorchen“ Kim Jong Un vom Friedensnobelpreis, auch wenn der „Holländer“ vehement beteuert, er hätte einfach zu schwere Knochen.

Gigolo, schlank, sehnig, sportlich, ergriff ungewohnt lautstark das Wort: „Es liegt am Zucker, Leute, glaubt es mir. Zucker ist DER ist der Hauptverursacher der meisten Krankheiten, DER Dickmacher schlechthin!“

Selbst Gauda zuckte kurz zusammen.

„Gerade in Fertigprodukten stecken wahre Zuckerbomben, sag ich euch. Ja, auch in Baby-Nahrung. Unverantwortlich! Kriminell! Aber die Zuckerlobby ist mächtig, die wissen, wem sie Zucker in den Allerwertesten blasen muss“.

Gigolo leerte sein Glas Stilles Wasser auf Ex.

„Also, ich kauf mir zweimal die Woche im Supermarkt ´nen Becher Smoothie, voll gesund“, erwiderte Anarcho.

„Vergiss es, die haben teilweise mehr Zuckergehalt, als ein Glas Cola. Wenn, dann mix Dir eine Vitaminbombe, aber mit Gemüse und lass das Fruchtfleisch dran“, klärte der Love-Hunter ihn auf, der resignierend die Augen leicht verdrehte.

„Zum Glück haben wir eine fähige Ministerin für Landwirtschaft und Ernährung, …… diese zuckersüßlächelnde Winzer-Tochter Klöckner, die kämpft wie eine Löwin gegen die Zuckerindustrie. Paah!“ 

„Lisbeth, Du scheinst der Nestle-Werbe-Ikone zu misstrauen. Magst Du sie etwa nicht?“, schmunzelte Anarcho.

„Nee, nicht wirklich“, zischte Salander.

„Tja, die Zuckerlobby hat unermessliche Macht. Der ist schwer beizukommen. Bei Bedarf geben sie ein paar Gutachten in Auftrag, die sämtliche gesundheitlichen Bedenken vom Tisch fegen. Auch Professoren sind halt nur Menschen und wenn das Honorar ebenso hoch ist, wie der Zuckergehalt in den Produkten, dann weißte, was am Ende dabei rauskommt. Ergebnisoffen geht anders“.

„Was erwartest Du, wenn Politiker mit Diabetischen Füßen dieser Organisation entgegentreten, jezz mal bildlich gesprochen“, resümierte Gigolo.

„Zur Not verpassen sie Zucker einfach andere Namen; Glucose, Dextrose, Sorbit, Fruktose, und, und, und.“.

Gauda legte nach: „Gegen den Zuckerberg kommen die auch nicht an“.

„Jau, Datenfressen macht auch dick, das Bankkonto auf jeden Fall“.

„Stimmt, Lisbeth, wie die Diäten unserer gewählten Volksvertreter“.

Ziemlich ratlos, fast schon unsicher, schaute ich auf meine Getränke-Karte. Kann ich meinen Gästen überhaupt noch ruhigen Gewissens irgendein Produkt aus diesem Sortiment anbieten?  Verdammt, warum muss ausgerechnet Pils so viel Zucker intus haben…..

Anarcho riss mich aus meinen Gedanken.

„Mein BMI ist mir heute egal. Mein BMW steht in der Garage, also zapf an, Happo“.

Gigolo schaute den Koloss ungläubig an. „Wenn Du schon nicht darauf verzichten kannst, versuch doch wenigstens den Konsum zu reduzieren. Und treib` mal wieder Sport, nicht nur mit der Fernbedienung“.

„Gigo, lass mal unseren Pferdeschwanzträger. Der ist schneller, als ein Porsche. Von null auf hundert in zwei Sekunden. Wenn er auf die Waage steigt“.

Lachen ist immer gesund. Immerhin.

Obstler auch? Eher nicht, aber hört sich so an.

Happo

Auf einen Psyhopathen mehr oder weniger, kommt es nicht an.