Mobbing-Ball

 

Man, was bin ich froh, heute mal durchzuhängen, einfach nur die Seele baumeln zu lassen. Zu regenerieren. Durchzuatmen. Zu entspannen, relaxen und in mich zu kehren.

Nicht wie Paul, genannt Panter. Der hatte gestern richtig einen inne Klotschen, kehrte schon mächtig angeschlagen in die Bar. Heute muss er mit dickem Schädel und neuem Besen (wie er gestern versicherte), diverse Bürgersteige dieser, unserer, Stadt säubern. Sein Kehrpaket bestand im Übrigen aus Samtkragen, Pils und Bullette.

„Mensch Panter“, rief Gauda dem leicht schwankenden Städtischen Angestellten zu, „hoffentlich kriegste heute noch rechtzeitig die Kurve“.

„Keine Sorge, Holländer. Gehört alles zum Trainingsprogramm“, sprachs und leerte Kurz und Lang hintereinander aus, unterdrückte ein Bäuerchen, suchte seiner Mimik zufolge nach den richtigen Worten.

„Hab endlich den idealen Sport für mich entdeckt. Zuiquan! Echt geil, Alter, wär auch was für Dich.“

„Zui watt? Noch nie gehört, watt soll´n dat sein?“, fragte Anarcho.

„Na, das ist ´ne ganz spezielle chinesische Kampfsportart. Da muss man so tun, als wäre man betrunken, also schwanken und wackeln und so und dann….. PATSCH, schlägste zu“.

Sein angedeuteter Punch wirkte nicht unbedingt kontrolliert, verfehlte die auf der Theke platzierten Gläser glücklicherweise aber um wenige Zentimeter.

„Ernährungstechnisch könnte das was für mich sein, stimmt, Paul, aber es geht nix über Völkerball. Kerl, was hab ich das früher geliebt, zu spielen“, schwärmte Gauda.

„Dann beeil Dich mal, falls Du ein Comeback planen solltest. Völkerball wird doch bald verboten. Hab ich jedenfalls gelesen.“.

„Da packste Dich doch am Kopp, echt jetzt. Legalisiertes Mobbing soll das sein. Behauptet so eine kanadische Pädagogin“, bellte Gauda, um dann lautstark seinen Unmut fortzusetzen. „Ausgerechnet die Kanadier sprechen von Jagdszenen beim Dodgeball. AUSGERECHNET. Da frag ich doch gleich mal bei den Ureinwohnern nach, was die davon halten“.

„Oder frag die Robben“, warf Salander ein.

„Beim Sport geht’s doch immer ums Gewinnen, ums Siegen. Wer das nicht abkann, sollte halt Walken oder Wandern, aber keinen Mannschaftssport betreiben“, ergänzte Gigolo.

„Oder Synchronschwimmen, ne, Lisbeth?“, kicherte Anarcho.

„Wie, dachte Lisbeth reitet auf ihrem Besen dem goldenen Schnatz hinterher“.

Vereintes Männerlachen erschallte. Auch Paul, der Panter, krächzte lauthals mit.

Lisbeth Salander ließ sich nichts anmerken, zuckte lediglich mit der linken Augenbraue: „Naja Jungs, sportlich seht ihr schon aus, immer den Medizinball unterm Shirt, was?“.

Die Bemerkung trug zur allgemeinen Beruhigung bei. Kurzfristig.

„Schon gut, Gigolo, Du bist die Ausnahme. Schlank sein, geht auch ohne Sex“.

Der verzog empört die Mundwinkel, entschied sich aber dann doch, zu schweigen.

Lisbeth hatte die Leitung der Diskussion übernommen. Wie sooft.

„Halten wir fest“, dozierte sie betont herablassend. „Völkerball ist eine Trennsportart. Punkt. Mein Tipp für euch, Männer, treibt Plogging. Liegt voll im Trend. Müllsammeln beim Joggen. Passt wunderbar in die Zeit. Ploggen ist wahrlich ein sauberer Sport“.

In Panter Paul´s Stirn bildeten sich Falten.

„Nee, fangt bloß nicht mit so einem Mist an. Nachher werde ich noch arbeitslos“, klatschte einen Fuffi auf die Theke, verabschiedete sich wankend und schulterklopfend in Richtung Ausgang.

„Muss morgen ploggen, Leute“.

Happo

Auf einen Psyhopathen mehr oder weniger, kommt es nicht an.