Im Torrausch der Tiefe

Ich kann ja ne Menge ab, aber nicht diese verdammte Hitze. Besser, ich schließ die Bar für ein paar Tage und suche Abkühlung im kühlen Nass.

Oder ich fahr nach Graz, da, wo die Unterwasserrugby-WM bald startet.  Für Zuschauer ideal.  Anfeuern unter Wasser. Nur den Mund sollte man da nicht so voll nehmen. 

Warum erzähl ich euch das eigentlich? Naja, ich hatte das große Glück, den Bundestrainer der Deutschen Unterwasserrugby-Nationalmannschaft im Auftrag der Funke Medien Gruppe interviewen zu dürfen. Dürfen, weil sich Wilhelm Nier (der Kautsch) als ein ungemein sympathischer, hochintelligenter und überaus gastfreundlicher Gesprächspartner entpuppte.

Heute erschien der Artikel über Wilhelm Nier und seinen Sport unter dem Titel “Im Torrausch der Tiefe” in den Printmedien der Funke-Medien Gruppe.

Nicht alles konnte ich unterbringen, was ich bei dem Treffen erfahren habe. Mein Interesse an dieser Randsportart ist auf jeden Fall geweckt worden.

Hier meine niedergeschriebenen Zeilen aus der  Presse, ergänzt mit einigen beeindruckenden Fotografien von Konstatin Killer.

 

Im Torrausch der Tiefe

Unterwasserrugby Weltmeisterschaft

von Helmut Tautges

In Deutschland gibt es neben Joachim Löw vor und während großer Turniere bis zu 80 Millionen Fußball-Bundestrainer, während die Herren-Unterwasserrugby-Nationalmannschaft von einem einzigen, allerdings nachgewiesenen Fachmann trainiert wird, von Wilhelm Nier. Genauer gesagt, von Dr. Wilhelm Nier.

„Wasser ist mein Element“, bekennt der 1961 in Mülheim geborene Diplom-Biologe, und ist ganz in seinem Element, wenn das Thema auf seinen Lieblingssport zur Sprache kommt. Eine Seltenheit, gibt der Wahl-Krayer unumwunden zu, denn Unterwasserrugby – kurz UWR genannt – ist eine Randsportart, von der die Öffentlichkeit kaum Notiz nimmt.

Auch Wilhelm Nier machte eher durch Zufall Bekanntschaft mit dieser Sportart. In jungen Jahren schwor er auf Disziplinen wie Judo und Taekwondo. Kniebeschwerden zwangen ihn, sich eine andere sportliche Herausforderung zu suchen. Zunächst probierte er es mit Schnorcheln. Bei einer Übungsstunde im Mülheimer Südbad fand zeitgleich ein Training der Unterwasserrugby Mannschaft des TSC Mülheim statt. Seine Neugier war geweckt und schon kurze Zeit später mischte er im Team munter mit. Ausgestattet mit Tauchermaske, Schnorchel, Schwimmflossen, Ohrenschutzhaube, sowie der mit eigener Spucke präparierten Taucherbrille, stürzte sich Neuling Wilhelm ins Becken. Bereits im ersten Einsatz gelang ihm das Kunststück, den salzwassergefüllten Kunststoffball in den am Boden befestigten Stahlkorb zu befördern. Ein genialer Einstand! Man schrieb das Jahr 1979. Heute, 40 Jahre später und trotz eines Herzinfarktes (2017), findet man seinen Namen weiterhin auf dem Spielbogen der zweiten Bundesligamannschaft vermerkt. Bezeichnend für sein Naturell, seinen Ehrgeiz.

„Ich weiß schon, was ich meinem Körper zumuten kann und darf“, entkräftet er gesundheitliche Bedenken, dem Herz zu viel zuzumuten. Kommt glaubhaft herüber, denn im Hauptberuf bei Bayer Pharmaceuticals, schult der „Doc“ Mitarbeiter schwerpunktmäßig zu den Themen Blutgerinnung, Herz-Kreislauf, Antiinfektiva.

 

Seit 1999 ist Wilhelm Nier Bundestrainer, erledigt Aufgaben wie Kaderzusammenstellung, hält Lehrgänge ab, führt Gespräche mit Vereinstrainer, schaut und analysiert Videos von internationalen wie nationalen Begegnungen, arbeitet Trainingsmethoden aus, entwickelt neue Taktiken, und, und, und. Die Aufgaben sind vielfältig sowie zeitintensiv. Ohne Hilfe von Co-Trainern, nicht zu meistern. Alle Beteiligten arbeiten ehrenamtlich, Geld ist mit der ungewöhnlichen Korbjagd unter Wasser nicht zu verdienen.

„Bei Unterwasserrugby steht der Wettkampf an erster Stelle. Die Spieler vermarkten sich nicht, sie treiben Sport pur“, betont Dr. Nier nicht ohne Stolz, bedauert gleichzeitig, dass in der „Sportstadt“ Essen keine offiziellen Unterwasserrugbybegegnungen stattfinden können, weil kein Hallenbad die geforderten Spielraummaße für den einzigartigen, dreidimensionalen, 2 x 15 Minuten andauernden Wettkampf aufweist.

Für den Bundestrainer ist dieser, im wahrsten Sinne des Wortes, atemberaubende Mannschaftssport, auch wegen seiner Vorreiterrolle für die Gleichberechtigung beispielhaft. „Männer wie Frauen spielen gemeinsam in einem Team, jedenfalls national. Das weibliche Geschlecht wird sportlich fair, aber ebenso hart angegangen, wie die gegnerischen, männlichen Kontrahenten“.

Anders als üblich, achten zwei Schiedsrichter im Wasser und ein Referee im Trockenen, auf Einhaltung der Regeln. Zuwiderhandlungen wie Kratzen, Beißen, Schlagen oder das Festhalten an der Ausrüstung, werden durch Betätigung von elektrischen Hupen signalisiert und unterbunden.

Vermarktungstechnisch ist sicherlich noch einiges zu verbessern. So schreiben die Regularien vor, dass eine Mannschaft – übrigens bestehend aus zwei Torhüter/Innen, zwei Verteidiger/Innen, zwei Angreifer/Innen, sechs Auswechselspieler/Innen sowie drei Ersatzleuten – in blauer oder weißer Spielkleidung antreten muss. „Ein bisschen mehr Farbvielfalt sollte schon erlaubt sein“, meint auch Wilhelm Nier.

In den nächsten Wochen wird die Arbeit intensiviert werden, denn die WM in Graz steht vor der Tür. Mit bescheidenen finanziellen Mitteln gilt es, die Nationalmannschaft top-fit und konkurrenzfähig gegen Teams wie die favorisierten Norweger oder Finnen antreten zu lassen.

Sollte die deutsche Nationalmannschaft trotz bester Vorbereitung, den WM- Titel nicht holen, eines ist gewiss:

Am Trainer lag es nicht!

 

 

 

 

 

Happo

Auf einen Psyhopathen mehr oder weniger, kommt es nicht an.