Projekt Rückholaktion

Manchmal gehen Wünsche tatsächlich in Erfüllung.

Jahr für Jahr erhoffte, nein sehnte sich die gesamte RWE-Fangemeinde nach einem gelungenen Start in die Saison. 

Und Nu? Nu erleben wir geradezu einen Traumstart der neu zusammengestellten Mannschaft von der Hafenstraße 97A.

Über 12.000 Menschen – die obligatorische 07 am Ende einer offiziellen Zahl, darf natürlich nicht fehlen – waren sich einig: Der RWE wieder da! Da, wo er nach Meinung der Anhängerschar hingehört, nämlich ganz weit oben!

Es spricht sich langsam herum, im Stadion Essen kannst Du Fußball pur erleben. Alte Leidensgenossen erinnern sich, pilgern nach und nach wieder zu ihrem Verein. Projekt “Rückholaktion” ist im vollen Gange.

Spitzenreiter, Spitzenreiter – Heroes, just for one day? 

Eine schöne Momentaufnahme. abgerechnet wird zum Schluss.

Doch es läuft (fast) alles nach Plan. Eine Menge Pläne scheint Kautsch Titz parat zu haben. In jedem Spiel überrascht er nicht nur mich aufs Neue.

So auch diesmal, als die Aufstellung für die Partie gegen den Nachbarn aus Bochum 6 verkündet wurde.  Neuzugang David Sauerland anstelle von Kapitän Marco Kehl-Gomez in der Startelf. Erstaunlich, auch vor dem Hintergrund, weil der bisher eher unsicher wirkende Daniel Heber eine weitere Chance bekam, sich auszuzeichnen. Und er tat es, überzeugte seinen Trainer und auch die Zuschauer.

Essen legte los wie die Feuerwehr, presste früh, ließ Wattenscheid keine Zeit für Gegenangriffe. Kefkir verursachte früh einen Jubelsturm, doch sein Schuss traf lediglich das Außennetz. Die erste Stauder-Dusche war trotzdem fällig.

Wenige Zeigerumdrehungen weiter, zirkelte Kefkir den Ball nach blendender Vorarbeit von Josuha Endres, unhaltbar zur 1:0 Führung in die linke untere Ecke des Wattenscheider Gehäuses. Keeper Kraft war chancenlos. Wattenscheid insgesamt bis dahin ebenfalls.

Nun begann eine Phase, die verdeutlicht, wie unterschiedlich das Geschehen auf dem grünen Rasen bewertet wird.  Für die einen agierte Rot-Weiss wie eine Spitzenmannschaft, gekonnt, ruhig, kontrolliert, jederzeit bereit, blitzschnell auf Angriff umzuschalten. Andere wiederum bemängelten, dass die Heimelf mit „angezogener Handbremse“ zu werkeging, das Tempo nicht mehr so hochhielt. 

Ich tendiere eher zu dem Erstbeschriebenen. Wie aus dem Lehrbuch wurden einige Konter gefahren. Ein weiterer Treffer lag nicht nur einmal in der Luft. Doch Dorow´s Stärken liegen halt nicht in der Luft, er ist nun mal kein Kopfballungeheuer. Da auch der ansonsten ungeheuer fleißige Platzek kein Schussglück besaß, musste man zum Ende der ersten 45 Minuten trotz Überlegenheit froh sein, nicht den Ausgleich kassiert zu haben. Zwei Großchancen (unter anderem ein Pfostentreffer durch Yesilova) kurz vor dem Halbzeitpfiff, hätten den Spielverlauf auf den Kopf stellen können.

Haben sie aber nicht.

Nach dem Wiederanpfiff sortierten sich beide Teams neu, schalteten in den Abwarte-Taktik-Modus. Vor und in den Strafräumen tat sich äußerst wenig. Wattenscheid hielt dadurch die Partie offen.

CT versuchte neuen Schwung einzuwechseln. Bichler für Endres und Dahmani für Platzek. Diesmal änderte sich am Spielgeschehen nicht wirklich viel.

Doch alle guten Dinge sind Drei. In der 75.Minute durfte Marco Kehl-Gomez mitwirken und keine zwei Minuten später erzielte der Abwehrrecke das vielumjubelte 2:0. Aus dem Gewühl heraus stocherte er die Kugel über die Torlinie.

Diesmal fiel die Stauder-Dusche um einiges ergiebiger aus.

Fast wäre dem Kapitän ein weiterer Treffer gelungen. Ob sein Kullerball im vollen Umfang die Torlinie überschritten hatte, konnte von der WEST aus betrachtet, nicht glaubwürdig behauptet werden.

Die Gäste hätten ihrerseits den Anschlusstreffer erzielen können, doch Lenz konnte die Eins gegen Eins Situation für sich entscheiden. Ein großartiger Safe, wie der Eishockey-Fan zu sagen pflegt.

Viel Aufregendes passierte dann nicht mehr. In der 93. Minute ein ernsthafter Pfiff von Schiri Ernst und der Sieg der Rot-Weissen war perfekt, die Fans aus dem Häuschen. Nur nach Hause wollten sie nicht.

Solche Erfolgserlebnisse müssen einfach ausgekostet werden.

Spieler des Tages für mich Kevin Grund, Daniel Heber sowie erneut Dennis Grote. Einen wirklichen schwachen Spielerauftritt konnte ich nicht ausmachen, wohl aber eine zeitweise zu passive Spielweise. Das hat mir nicht gefallen, weil sie die zwar tapfer mitspielenden, aber dennoch unter dem Strich harmlosen Wattenscheider die Chance ließ, einen Punkt mitzunehmen.

Vielleicht bin ich aber auch schon zu verwöhnt.

Die Mannschaft und der Trainer wurden zurecht gefeiert. „Titz, Titz, Titz, schallte es aus tausenden Kehlen durch das Stadion.

Wer von denen wird irgendwann mal „Titz raus“ schreien? Ich hoffe, niemand.

 

 

Happo

Auf einen Psyhopathen mehr oder weniger, kommt es nicht an.