Kämpfen und siegen – auch in Lippstadt

Geschenkt kriegste in der Regionalliga nichts. Soviel steht fest. Lippstadt machte da keine Ausnahme. Mit angezogener Handbremse Siege einfahren, funktioniert nicht.

Ob die Handbremse in unserem voll besetzten ukrainischen 70ziger Jahre Retro-Bus funktionierte, will ich gar nicht mehr wissen. Besser ist das. Ist ja alles gut gegangen, auch auf dem Rasen.

Überraschenderweise gab es diesmal keine großen Überraschungen bei Verkündung der Startelf. Lediglich Bichler musste für Sauerland weichen.

Etwas mehr als 2300 Zuschauer in der kleinen Liebelt-Arena – davon gut die Hälfte RWE-Fans – sahen eine hart umkämpfte Partie mit hohem Unterhaltungswert.

Lippstadts Trainer Felix Bechtholt hatte seine Hausaugaben gemacht. Essens linke Seite, bisher die Schokoladenseite dieser Saison, wurde komplett zugestellt.  Der Gastgeber versteckte sich keineswegs, suchte immer wieder den direkten Weg zum Tor.

Rot-Weisse Angriffsbemühungen erfolgten nur halbherzig und nicht mit letzter Konsequenz.

So fiel der Führungstreffer für die 08ter keineswegs ohne Vorwarnung. Albrecht spurtete völlig alleingelassen auf Lenz zu, und netzte kaltschnäuzig ein.

Lippstadt, 19.12Uhr, Vollmond, es war zum Heulen.

Viel änderte sich zunächst nicht am Geschehen auf dem schwer bespielbaren Grün, obwohl RWE jetzt mehr Initiative nach vorne ergriff. Fast der Ausgleich, doch Dorow scheiterte aus kürzester Distanz am guten Keeper Balkenhoff.

Der Gastgeber blieb gefährlich, setzte immer wieder Nadelstiche.

Christian Titz wurde es zu bunt, nahm Alexander Hahn (!) vom Platz. Ausgerechnet Alex. Der muss verletzt sein, dachte wohl nicht nur ich. Aber denkste. „Zu langsam“, war seine Begründung für den Personalwechsel. Das galt natürlich nur für dieses Spiel.

So bekam „Adiole“ Adetula eine weitere Bewährungschance. Und er nutzte sie eindrucksvoll. Kaum auf dem Feld, stocherte er den Ball zum 1:1 über die Linie. Wahnsinn!

Bis zum Halbzeitpfiff blieb es ein Duell auf Augenhöhe.

Kevin Grund, der ebenfalls nicht seinen besten Tag erwischt hatte, blieb draußen. Florian Bichler nahm seinen Platz ein.

Nicht zum ersten Mal kamen die Essener wie ausgewechselt aus der Kabine. Ein Feuerwerk entfachten aber zunächst nur einige RWE-Fans. Saisonpremiere für die Pyrotechniker.

Die Rauchschwaden waren kaum verzogen, da zog Josuha Endres aus gut 16 Metern ab und beförderte den Ball an Balkenhoff vorbei ins Gehäuse. Unhaltbar.

Langeweile kam nicht auf. Wenige Minuten später zappelte die Kugel im Essener Tor. Erneut war es Albrecht, der diesmal per Kopf traf.

Die Rot-Weissen ließen den Kopf aber nicht hängen, wollten umgehend die Führung zurückerobern.
Kefkir scheiterte erneut an Balkenhoff.

Vermutlich nicht wegen dieser vergebenen Tormöglichkeit, wechselte CT den Publikumsliebling aus, brachte – und das ist wieder eine Überraschung für mich gewesen – Hedon Selishta und nicht Enzo Wirtz.

Von nun an gings fast nur noch in eine Richtung. Es kam, was kommen musste. Der Eingewechselte traf.

Und wenn schon, warum nicht gleich nochmal.

Durch seine beiden Tore (68. Und 78.) sorgte der Alpenbomber für eine beruhigende Führung. Was für ein Einstand.

„Selischta, oho, Selischta, ohohoho“ schallte es von den Rängen.

Endres hätte das Ergebnis noch höherschrauben können, aber wir wollen ja nicht übertreiben. Es wäre auch zu viel des Guten gewesen, denn Lippstadt war ein verdammt unangenehmer, mutiger Gegner.  Am Ende gingen ihnen die Kräfte aus. Essen setzte sich dank besserer Qualität verdientermaßen durch.

Lobeshymnen über „unseren“ Trainer werden seit Wochen angestimmt. Was ist sein (Erfolgs)-Geheimnis? Wahrscheinlich hat er einfach nur ne Menge Ahnung vom Fußball und eine gute Menschenführung? Einige Fans sorgen sich um die steigende Zahl der Titz-Hunter. Die Gefahr sehe ich nicht. Nicht in dieser Saison.

Welchen Akteur soll man besonders hervorheben? Ich sag mal: das Team. Okay, für meinen Ostwestfälischen Freund Micha, war „Adiole“ Adetula, Man of the Match. Ich tu ihm mal den Gefallen. 😊

Mit bester Laune und voller Besatzung, ging es dann zurück Richtung Essen. Auch wenn der Uralt-Bus seine besten Tage hinter sich haben mag, wir haben unser Ziel erreicht.
Eine tolle Auswärtsfahrt mit tollen Leuten und drei Punkten mehr im Gepäck.

“Eins, zwei, drei, Oberkörper frei”.

Was für eine herrliche Fleischschau unserer Modellathleten.

Allen Mitfahrern nochmals Danke, dass ihr dabei wart.

Nur der RWE – egal wo!

 

 

Happo

Auf einen Psyhopathen mehr oder weniger, kommt es nicht an.