Essen kommt wieder – VERLasst euch drauf

Erste Saisonniederlage, Heimnimbus dahin, kein Tor eines Auswechselspielers, Sauerland verletzt.

Dazu noch dieses miese Regenwetter. Und unten machte Verls Goalgetter Yildrim unsere Abwehrspieler nass.  Solche Tage gibt’s halt, da läuft nicht viel, obwohl ich der Mannschaft läuferisch keinen Vorwurf mache.

Wenn man zu Hause 1:4 verliert, dazu noch gegen einen Mitkonkurrenten um Platz Eins, dann stellt sich die Frage nach dem Warum? Wer ist schuld an der vom Ergebnis her deutlichen Niederlage?

War RWE so schwach oder der SC Verl so stark?

 Hätte “Mad-Mathe-Prof-Malocher-DJ-Verlinker-Oppa-Maddin” sein Unkaputtbar-Shirt in Ägypten nicht anziehen dürfen oder trägt Sicherheitslegende “Sir Manni” Schuld, weil er und sein Erfolgstrikot arbeitsbedingt fehlten? Ich könnte ja mal bei Ferdinand von Schirach nachfragen oder besser direkt den Chefkautsch, Christian Titz.

Dieser fand kurz nach Spielende bereits deutliche Worte, sprach von einem gebrauchten Tag. Recht hadder.

Ich selbst hatte die Ehre und das Vergnügen, Stewinho mit auf die Rahn zu begleiten. Von dort aus hat man eine ganz andere Sicht auf das Spielgeschehen, viel übersichtlicher, als auf der WEST. Dafür muss man Stimmungstechnisch einige Abstriche machen.

Keine Ahnung warum, irgendwie hatte ich ein mulmiges Gefühl. Schade, dass „nur“ etwas mehr als  10000 Zuschauer das Spitzenspiel live verfolgten.

Essen war gewarnt. Auch den Verlern war der Respekt vor den Rot-Weissen anzumerken. Beide Mannschaften gingen zunächst kein großes Risiko ein.

Schnell wurde klar, dass wird ´ne ganz harte Kiste. Kleinigkeiten werden mitentscheidend sein und diese Unterschiedsspieler, also Könner wie z.B. die Verler Offensivkräfte Janjic und Yildirim es sind.

Letzterer bewies seine Klasse (auf Viertliganiveau bezogen) bereits in der 5. Spielminute. Verl eroberte im Mittelfeld den Ball, Pass zu Yildirim, der marschierte Richtung Strafraummitte und zog flach ab. Lenz war gegen den Schuss in die linke Ecke machtlos.

Dabei hatte Christian Titz mehrfach auf die Gefährlichkeit des Torschützen hingewiesen. Einen direkten Gegenspieler habe ich nicht entdecken können.

Sah alles ziemlich unsortiert aus, was die Roten defensiv ablieferten. Auch nach vorne gelang nicht viel. Die Ostwestfalen störten Essens Spielaufbau tief in deren Hälfte mit drei, vier Mann. Amara Conde´ verhedderte sich mehrfach, Sauerlands Aufgaben konnte ich nicht deuten.

Wenn´s spielerisch nicht funktioniert, dann muss halt ein Standard her. So wie in der 22.Minute. Der ansonsten schwache Dennis Grote wurde im Sechzehner gefoult. Kefkir eiskalt. 1:1.
Nun war Stimmung inne Bude.

RWE mit mehr Ballbesitz, doch Verls robustes Auftreten hinterließ Spuren. Nicht nur auf den Schienbeinschonern.

In der 32.Minute dann der erneute Rückstand. Langer Ball auf Janjic, der verlängerte ungehindert per Kopf auf Hecker. Lenz erneut machtlos. 1:2.

Bis zum Pausentee änderte sich nicht viel am Spielgeschehen. Essen bemüht, aber ungefährlich.

Dass Christian Titz nicht nur einen Plan, sondern mehrere Varianten in der Schublade hat, ist mittlerweile bekannt. Selishta kam für Hahn, später dann Bichler für Grund. Rot-Weiss versuchte nun mehr Druck aufzubauen, doch glasklare Tormöglichkeiten blieben Mangelware.

Die größte Chance besaß Dorow (62.) Sein gefährlicher Direktschuss entschärfte Brüseke mit einer herausragenden Fußabwehr. Ein Monster-Save, würden die Eishockeyfreunde sagen.

10 Minuten später dann der Genickschlag. Missverständnis zwischen Grote und Heber, Yildirim schaltete am schnellsten. 1:3.

CT versuchte erneut von der Bank aus, das Ding noch zu drehen, wechselte Dahmani und Adetula für Dorow und Endres ein, doch diesmal blieben diese Maßnahmen wirkungslos.

Zu allem Übel musste Sauerland verletzungsbedingt den Platz verlassen. Mit zehn Mann gegen elf starke Verler, einen Zwei-Tore-Rückstand aufzuholen, schien mir an diesem Tag ein Ding des Unmöglichen.

So fiel der Treffer zum 1:4 nicht wirklich überraschend. Yildirim wurde auf die Reise geschickt, visierte die rechte untere Ecke an – Tor! Lenz hatte erneut das Nachsehen. Ein weiteres, großzügiges Gastgeschenk der Rot-Weissen.

Der SCV war keineswegs um zwei Tore stärker. Lange Zeit war es ein Spiel auf Augenhöhe. RWE erspielte sich diesmal allerdings nicht so viele Torchancen. Das lag natürlich auch am Gegner, der zudem die Schwächen der Essener auszunutzen wusste. Man muss die Leistung der von ihrem Coach Guerino Capretti hervorragend eingestellten Gäste neidlos anerkennen.

Die Rot-Weiss Fans erkannten den Einsatz ihres Teams lautstark an. Nicht alle, denn einige Besucher verließen nach dem 1:4 fluchtartig das Stadion. „Wir halten zusammen, scheiß auf Liga vier“. Wäre zu wünschen.

Donnertag, am Tag der Deutschen Einheit, können wir beweisen, dass wenigstens Rot-Weiss Essen zusammenhält.

Das Leben ist kein Ponyhof. Wird schwer genug werden, die wiedererstarkten Fohlen im Zaum zu halten. Aber machbar ist das allemal.

Happo

Auf einen Psyhopathen mehr oder weniger, kommt es nicht an.