Entzaubert

Warum soll ich eine Nacht drüber schlafen, nur um einen sachlichen Kommentar zum heutigen Spiel in Rheydt zu veröffentlichen? Was raus muss, muss raus.

Das Ergebnis – 2:3 aus Essener Sicht – liest sich datenmäßig äußerst spannend und dramatisch. Klingt nach einem heißen Fight. Dem war aber nicht so.

RWE dominierte zwar die ersten 20 Minuten ganz im Stile einer Spitzenmannschaft, überspielte das engmaschig aufgezogene Abwehrbollwerk der Gastgeber ein ums andere Mal mit schnellen, im Training einstudierten Spielzügen.

Die mitgereisten Fans aus dem Pott waren zufrieden, feuerten ihr Team lautstark an.

Torjubel brandete in der 7.Minute auf. Essens Nummer 10, Jan-Lucas Dorow, zirkelte das Spielgerät gekonnt und unhaltbar in die Maschen.

Rot-Weiss blieb tonangebend, ein weiterer Treffer schien nur eine Frage der Zeit.

Kaum jemand dachte mehr an die Niederlage gegen Verl. Zu dominant trat der Gast auf.

Doch nach gut 20 Minuten war es vorbei mit der Glückseligkeit. Das Spiel wurde in die Breite gezogen, der direkte Weg zum gegnerischen Tor nicht mehr gesucht.

Keeper Lenz hatte in dieser Phase, wenn nicht sogar über das gesamte Spiel gesehen, die meisten Ballkontakte aller Akteure.

Genörgel anstelle Anfeuerungsrufe auf der Sitztribüne waren die Folge. Der harte Kern der Westtribüne wurde dagegen nicht müde, RWE anzufeuern.

Geholfen hat beides nicht, denn Mönchengladbach bekam einen Elfmeter zugesprochen. Ob berechtigt oder nicht ist für mich im Nachhinein völlig Latte. Den Ausgleich kurz vor dem Pausenpfiff muss sich die Mannschaft durch ihre Spielweise ankreiden lassen.

Wer darauf hoffte, dass sich RWE in der zweiten Hälfte auf ihre in dieser Saison mehrfach zelebrierten Tugenden, wie Torgeilheit, Kampfkraft und Siegeswillen besann, sah sich getäuscht.

Im Gegenteil, was da auf dem Rasen abging, erinnerte eher an längst vergessene, erfolgslose Zeiten.

Die Borussen aus Mönchengladbach änderten ihre Taktik, spielten nun forscher nach vorne, wurden mutiger.

Arie van Lent machte den Titz.

Der eingewechselte Stürmer Steinkötter traf gleich zweimal. (58./63.)

Alles deutete auf einen erneuten, gebrauchten Tag hin.

Es war ja nicht so, dass RWE keinerlei Bemühungen erkennen ließ, die Partie noch zu drehen, doch die Mittel waren nachweislich unbrauchbar. Keine Überraschungseffekte, alles vorhersehbar.

Dann ein erneuter Elfmeterpfiff. Angeblich wurde Sauerland (für mich sehr schwach) im Sechzehner gefoult. Kefkir überwand im zweiten Versuch Gladbachs Torwächter Olschowsky.

Als sich Amara Conde´ in der 90.Minute den Ball in aussichtsreicher Position nach einem Freistoßpfiff zurecht legte, dachte ich unweigerlich an das Spiel eins gegen den BVB II zurück. Doch diesmal ging sein Kunstschuss nicht ins, sondern knapp neben das Tor.

Die Niederlage war perfekt. Und verdient.

Rot-Weiss agierte viel zu ideenlos, zeitweise stupide und „hinten“ unsortiert. Für mich die schlechteste Saisonleistung.

Natürlich bin ich enttäuscht.

Enttäuscht bin ich aber auch vom Verhalten einiger Fans. Nach zwei Niederlagen halte ich die aufkeimende Kritik am Spielsystem, an den taktischen Vorgaben sowie Personalentscheidungen für völlig überzogen und unangemessen.

Noch vor nicht einmal zwei Wochen wurde Christian Titz als Houdini bezeichnet, als Magier, als Glücksfall schlechthin. Wie schnell sich doch Meinungen drehen.

Überraschend kommen solche Reaktionen allerdings nicht, wohl aber der Zeitpunkt. 

Erfolg schweißt zusammen. Was Misserfolg bewirkt, ist an der Hafenstraße 97A bestens bekannt.

Das Schaulaufen ist beendet.

Ab nächste Woche Freitag wird sich zeigen, ob der neue RWE, wirklich neu ist.

P.S. Danke an Dirty Harry für die ausgezeichneten Lenkungsmanöver. Auch die Reisegesellschaft hat eine tadellose Leistung abgeliefert

 

Happo

Auf einen Psyhopathen mehr oder weniger, kommt es nicht an.