Kein flotter Dreier

Überraschung!

Es gibt tatsächlich noch andere Vereine neben dem S04 und dem BVB im Westen, auch wenn die hiesigen Zeitungen sowie Fernseh- und Rundfunkanstalten eine Woche vor und die Woche nach dem Derby, etwas anderes suggerieren.

Ganz ehrlich, mir geht das mittlerweile richtig auf den Sack.

Aber was rege ich mich über solche Nebensächlichkeiten auf. Als RWE-Fan hab´ ich genug mit meinem Verein zu tun.

Das Auswärtsspiel im Paul-Janes Stadion zu Düsseldorf gegen die U23 der Fortuna stand an. Wenn es in die Landeshauptstadt geht, dann fährt man am besten mit einem PKW der gehobenen Klasse dorthin. Als Ruhrpottler will man sich ja nicht blamieren. Dazu ein Leibwächter von Format. Mein Wahl-O-Mat spuckte umgehend die Namen „Super Driver“ und „Sir Manni“ aus. 😊

Im Stadion erwarteten uns zudem die Hochkaräter „Immerwiederrwe“ und „Hybrid-Hürthi“ sowie unsere MKK.

Kurz vor dem Abflug hörte ich noch in die Prä-Presskonferenz von Schäff-Kautsch Christian Titz rein.

Dominat, druckvoll, Torchancen erzwingen, so seine Vorgaben.

Erste Halbzeit pfui – zweite Halbzeit hui!

Die Kurzfassung der Spielbewertung aus Sicht der Roten. Sie stimmt allerdings nur im Groben, wobei die erste Spielzeithälfte in der Tat äußerst mau und höhepunktarm dahinplätscherte. Zehn starke Minuten zu Beginn mal ausgenommen, lief das auf drei Positionen gegenüber der Vorwoche veränderte Team (Dorow, Endres, Krasniqi für Sauerland, Platzek, Adetula), den Anforderungen hinterher.

Mehr als Halbchancen und gute Ansätze sprangen trotz eindeutig höherer Ballbesitzquote nicht heraus. Im Gegenteil. Die größte Tormöglichkeit besaß der Gastgeber. Keeper Golz musste sich mächtig strecken, um einen Rückstand zu verhindern.

Bis zum Pausentee passierte nichts Nervenaufreibendes. Wenn, dass sorgte der Referee mit einigen fragwürdigen Entscheidungen für etwas Gesprächsstoff. Pulstechnisch blieb all das ohne Auswirkungen.

Nach dem Wiederanpfiff wurde es insgesamt besser. Beide Mannschaften investierten mehr für die Offensive. Auf Essener Seite kam Platzek für Krasniqi, der bei seinem Startelfdebüt keineswegs enttäuschte, aber auch keine Glanzpunkte setzen konnte. Junger Mann mit Potential, meine laienhafte Einschätzung.

Fortunas Jungspunde mit ersten vielversprechenden Aktionen. Kummers Kopfball entschärfte Alex Hahn kurz vor der Torlinie.

Nun riss sich die Titz-Elf zusammen, erhöhte Druck und Tempo, kam aber zunächst nicht in den gegnerischen Sechzehner.

Bis zur 57. Minute, als der glücklose Fortune Oberdorf, eine scharfe Hereingabe von Kefkir vor dem einschussbereiten Platzek ins eigene Tor versenkte.

Erleichterung und Jubel unter den schätzungsweise 950 RWE-Fans.

Na also, es geht doch!

Essen setzte nach. Fortuna wackelte merklich.  „Platzo“ ackerte wie verrückt, ein Torerfolg blieb ihm leider verwehrt. Auch „Laufwunder“ Florian Bichler schaffte es nicht, Düsseldorfs Keeper Okoye zu überwinden.

Ich bin sicher, der Sack wäre zu gewesen. So aber verpuffte die stärkste Essener Phase ohne einen weiteren Treffer.

Stattdessen fast der Ausgleich. Zweimal tauchten die Gastgeber verdammt gefährlich vor dem Essener Gehäuse auf, zum Glück ohne zählbaren Erfolg.

Dann wieder Essen. Adetula mit einem Pfostenschuss.
Wenigstens war jetzt mehr los auf dem Rasen, als noch in den ersten 45 Minuten.  Auch Pulstechnisch zeigte die Kurve nach oben.

Die letzten Minuten lebten von der Spannung, von Zweikämpfen zwischen den Strafräumen.

Endlich der Abpfiff. Aufatmen war angesagt. Auch für den durchwachsenen Auftritt gibt es drei Punkte. Sie haben das Zeil erreicht.

Nach dem Wie fragt in ein paar Tagen niemand mehr. Oder doch?

Klar, freue ich mich über den zweiten Auswärtserfolg in Folge. Doch zufrieden bin ich mit dem Auftritt der Mannschaft nur bedingt. Souverän sieht anders aus. Spielfreude? Fehlanzeige!

Ich erkenne keine Fortentwicklung. Im Gegenteil, gefühlsmäßig wächst die allgemeine Verunsicherung der gesamten Truppe.

Mag sein, dass im modernen Fußball Digitalisierung unerlässlich ist. Tablets, Laptop, Datenanalysen, all das gehört heutzutage dazu.
Doch worin besteht der Nutzen, wenn aus der Flut der Informationen, nicht die richtigen Schlüsse gezogen werden, die Spieler sich einfach nicht entsprechend programmieren lassen?

Es liegt doch wohl nicht an der Software, dass einige Mannschaften besseren Fußball spielen, als andere.

Das Wichtigste ist immer noch, Könner in den eigenen Reihen zu haben, die vor Selbstbewusstsein strotzen, Fußball mit Herz und Leidenschaft spielen. So, wie es die Titz-Elf in den ersten Spielen dieser Saison eindrucksvoll präsentiert hat.

Wie das geht, müsste doch noch auf der Festplatte gespeichert sein.

Ich sehe keinen Grund, das Erfolgsrezept nicht erneut anzuwenden. Nichts ist unmöglich, Rot-Weiss!

 

Er geht bergauf

 

Happo

Auf einen Psyhopathen mehr oder weniger, kommt es nicht an.