Altern gegen Haltern

Altern gegen Haltern – und der TuS ließ Rot-Weiss Essen im Wattenscheider Lohrheidestadion verdammt alt aussehen.

„Unser Star in der Stadt“, so lautet der Werbeslogan der Halterneraner. Aufgrund diverser Sicherheitsvorgaben musste das Starensemble auswandern. Die Wahl fiel auf Bochum 6. Warum? Ganz einfach: Schwarz-Weiße Kluft – Passt!

Obwohl der Großteil der Essener Anhänger wohl nicht der sogenannten „aktiven“ Fan-Szene zugerechnet wird, bewegten schätzungsweise 1800 Inaktive ihren Arsch, um live einen weiteren Dreier miterleben zu dürfen. So die Hoffnung.

Selbstverständlich beschäftigt mich als Fußballfan das Thema „Hopp, Kollektivstrafen, DFB“ usw., – ich hab´ sogar eine Meinung dazu – doch sobald RWE spielt, dann interessiert mich das Null-Komma-Null, dann bin ich zu 1907% Rot-Weisser. 

Aber jeder so, wie er mag.

Zurück zum Geschehen. Kurze Anreise, lange Wartezeiten, saftige Eintrittspreise und „Adiole“ aus den Lautsprecherboxen. Alles wie gewohnt. Da wo RWE spielt, ist zuhause.

Was sich auf dem nassen, sicher nicht einfach zu bespielenden Rasen abspielte, kam mir ebenfalls bekannt vor. Als hätte ich ´ne Menge Dinge bei vielen Begegnungen der jüngeren Vergangenheit schon mal vorgenudelt bekommen. Gewöhnen kann , will und werde ich mich einfach nicht daran.

Wie häufig, versuchte RWE von Beginn an, das Heft des Handelns in die Hand zu nehmen. Und es gelang. Leider nur für fünf Minuten.

Ausgerechnet diese (extrem kurze) starke Anfangsphase verpassten einige RWE-Fans, weil lediglich ein kümmerlicher Zugang geöffnet war. Eher kommt ein Kamel durchs Nadelöhr, als ein Rot-Weiss Fan ins Wattenscheider Stadion.

Immerhin, die Partie wurde erst mit zehnminütiger Verspätung angepfiffen, auch um die Gemüter nicht noch weiter zu erhitzen.

Nach den dollen fünf Minuten, verschwanden die Angriffsbemühungen schleichend in der Versenkung. Ball und Verantwortung wurden hin und her geschoben. Experten nennen das wohl Ballkontrolle.

Der Gastgeber handelte so, wie erwartet. Dichtes Abwehrbollwerk, nicklig im Zweikampf, und im Zweifelsfall den Ball weit nach vorne befördern. Einer dieser Befreiungsschläge, landete beim Ex-Wattenscheider Berkant Canbulut, der ungehindert, mittig aus gut 18 Metern abzog und Keeper Jakob Golz keine Abwehrchance ließ. Dabei leistete die Essener Innenverteidigung entscheidende Mithilfe. Da war er wieder, der Rückstand.

Danach setzte die allgemeine Verunsicherung ein. Stockfehler, Abspielfehler, Stellungsfehler. Fehler im System?

Keine Ahnung. Jedenfalls empfand ich den Halbzeitpfiff erlösend.

Die zweite Hälfte muss und wird besser werden! So meine Gedanken während der Pause.

Absolut nachvollziehbar die vorgenommenen Wechsel: Zeiger (extreme Ballverluste), Platzek (völlig wirkungslos) mussten raus. Dafür kamen Dahmani und Pronichev rein.

Bei den Auswechslungen hätte Christian Titz allerdings eh nicht viel falsch machen können. Bis auf Golz, mit Abstrichen Kehl-Gomez sowie Alex Hahn, es herrschte geradezu ein Überangebot an Wechselkandidaten.

Ansatzweise sah es so aus, als ob sich die personellen Maßnahmen positiv auf die Spielqualität der Essener auswirken. Sofort waren die Fans da, feuerten die Mannschaft an. Alles für Rot-Weiss Essen eben.

Doch Torchancen besaß ausschließlich TuS Haltern. Ein weiterer Winterneuzugang aus der Wattenscheider Insolvenmasse, Emre Yesilova, setzte den Ball an den Pfosten. Yesilova, Yesilova? Da war doch mal was. Genau, der ärgerte schon als Krayer die Rot-Weissen, wechselte dann dorthin, leider ohne Erfolg. Diesmal war es gut, dass er mit seinem Schuss, erfolgslos blieb.

Kurz darauf beorderte Kautsch Titz Talent Futkeu für den enttäuschenden Routinier Kefkir in die Partie. Bezeichnend, dass ausgerechnet der Jüngste seine Chance nutzte und eindeutig zu den besten Akteuren der Rot-Weissen gehörte.

Fast das 2:0. Wiederum zwang Canbulut Keeper Golz zu einer Glanzparade.

Knappe Stunde war gespielt, als ein Elfmeterpfiff ertönte. Hildebrandt soll Foul gespielt haben. Ich kann es nicht beantworten, ob es so war. Doch auch ohne Videobeweis, Schiedsrichter Gansloweit revidierte seine Entscheidung nach Rücksprache mit seinem Assistenten. Kein Foul. Für mich eine Weltpremiere in Liga Vier. Ich sag erstmal nichts mehr gegen die Referees.

Noch einmal musste Golz sein ganzes Können aufbieten, um einen drohenden, höheren Rückstand zu verhindern.
RWE dagegen bemüht, aber harmlos.

Haltern wehrte sich mit allen Mitteln, auch unfairen. Ich kann es ihnen nicht verdenken.

Der Ausgleich durch Neuzugang Pronichev ließ mich kurzzeitig jubeln. Ein Punkt war mir einfach zu wenig und das bisher Dargebotene schnürte meine Kehle zu.
Der erhoffte Siegtreffer fiel allerdings nicht mehr.

Haltern kann auf seine Truppe stolz sein. Ein Sieg wäre gerecht gewesen. Soviel Fairness muss sein.

Mir liegt es fern, Behauptungen aufzustellen, warum RWE einfach keine Souveränität entwickelt, warum es spielerisch gestern erneut enttäuschend ablief. Ich bin ratlos. Antworten erwarte ich von den Verantwortlichen. Es dürften keine leichten sein.

Das Spiel in Wattenscheid war in meinen Augen die schwächste Saisonleistung. Schlimmer als gegen Homberg, trotz des Punktgewinns.

Hopp, hopp, hopp, gaaaaaaanz weit weg gehoppelt sind sie, die zarten Meisterschaftsträume. Ich kann sie kaum noch sehen.

Mein Frust sitzt tief. Trotzdem, es geht weiter. Nur wie, das ist die Frage. Der Gegenwind bläst kräftiger. Keine guten Aussichten.

Sonntag muss RWE wieder ran und da ich zugesagt habe mitzufahren, stehe ich nun in der Bonn-Pflicht. Von Vorfreude wie sonst, keine Spur.

Bis denne,

der Happo

Dauergast / 1 Kasten Stauder

Geschrieben von Happo

Auf einen Psyhopathen mehr oder weniger, kommt es nicht an.

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Bericht aus Bonn