Bericht aus Bonn

Wenn Rot-Weiss Essen siegt, dann ist das immer gut, egal wie das Spiel auch abgelaufen sein mag.

Der nächste Gegner ist der schwerste, sagt der Volksmund und Sepp Herberger tat es auch. Doch um diese Jahreszeit, sind die „Rasenflächen“ in den unteren Ligen meist weitaus schwerer zu bespielen.

Auf einem solchen Acker, wie der vom Bonner Sportpark, kann einfach kein Fußball zelebriert werden.
Aber solche Begleitumstände gehören halt auch zu Liga Vier.

Ebenso wie das für mich nicht mehr ernst zu nehmende, stetige „Honig-Um-Den -Mund-Schmieren“ der jeweiligen Gegner, wenn es gegen RWE geht.

Bonns Übungsleiter, Thorsten Nehrbauer, machte da keine Ausnahme. „RWE hat die beste Mannschaft der Liga – vor allem spielerisch“. Nun denn, wenn er es sagt.

Spielerisch war eh kein Blumentopf zu gewinnen. Darin waren sich wohl alle der knapp 1300 Anwesenden einig. Unter diesen schätzungsweise 800 RWEler. Für Rot-Weiss Verhältnisse eine ernüchternde Anzahl Auswärtsfans. Der Glaube an den großen Coup, sprich Verl und Oberhausen zu überflügeln, scheint verloren gegangen zu sein.

Ginge es nach Bundesgesundheitsminister Spahn, hätte die Partie erst gar nicht stattfinden dürfen. Veranstaltungen mit mehr als 1000 Teilnehmern, drohen demnächst abgesagt zu werden. Vorsichtsmaßnahmen zur Eindämmung der Corona-Virus Pandemie. Es wird so kommen, auch ohne die Glaskugel zu befragen.

In der Praxis bedeutet das nix anderes, als dass Essen pausieren muss, während Verl weiter kicken darf. Aber Gesundheit geht vor. DIe Regio krankt noch an ganz anderen Dingen.

Vorsichtiger Beginn beider Teams. Absicherung-First.

Christian Titz konnte wieder auf seine Stammkräfte Kevin Grund und Daniel Heber zurückgreifen. Auch das sorgte für mehr Sicherheit im Abwehrbereich. Zudem spielte sich Youngster Futkeu in Wattenscheid mit einem engagierten Auftritt in die Startelf. Bitter für Routinier Oguzan Kefkir. Leistungstechnisch für mich nachvollziehbar.

Die erste Halbzeit verlief ohne große Aufreger, ohne Höhepunkte, ohne Torraumszenen.

Bis auf eine Ausnahme, als der Ball über Dahmani und Endres zu Futkeu gelangte. Esssens Nachwuchstalent vollendete abgezockt wie ein Alter. 1:0 für RWE. Wann gab es das zuletzt?

Faktencheck: Am 16.November 2019 gegen Aachen, Torschütze Joshua Endres

Der ungewohnte Führungstreffer wirkte sich zwar nicht unbedingt auf das Spielgeschehen aus, sorgte aber auf jeden Fall für Erleichterung unter den RWE-Fans.

Christian Titz nahm zur Pause keine personellen Veränderungen vor. Auch ungewöhnlich.   

Eine Ecke der Gastgeber, eine Unachtsamkeit der Gäste und schon stand es 1:1. Passiert in der 51.Minute. Beide Mannschaften mit einer beeindruckenden Effektivität, wenn man so will.

Rot-Weiss schien kurzzeitig geschockt, denn nur wenige Zeigerumdrehungen weiter, fast das 2:1. Doch wie schon in Haltern, verhinderte Jakob Golz Schlimmeres. Wenn es einen Spieler gibt, der sich im Laufe dieser Saison verbessert hat, dann ist es der kühle Blonde aus dem Norden.

Nach einer Stunde wechselte Kautsch Titz Kefkir für den Torschützen Futkeu ein. Eine Maßnahme, die sich auszahlte. Kefkir war sofort im Spiel drin, ging voll zur Sache. Überhaupt, Rot-Weiss drängte den Bonner SC mehr und mehr in die eigene Hälfte zurück.

Jubel im Essener Block, als Kehl-Gomez nach Freistoß von Kefkir auf Alex Hahn legte und der Abwehrrecke den Ball in die Maschen wuchtete (66.). Na also, geht doch.

Es ging sogar noch besser. Erneut legte Kefkir auf. Diesmal vollendete der wiedergenesene Daniel Heber zum 3:1. Ein beruhigender Vorsprung.

Rot-Weiss brachte diesen souverän über die restliche Zeit. Bonn hatte weder Kraft noch Qualtität, um nochmals heranzukommen.

Endlich mal kein Zittern bis zum Schlusspfiff.

Gutes Essen – Bonn Appétit.

Ich behaupte jetzt nicht, der Knoten ist geplatzt. Es war auch kein grandioser Sieg, über den man noch lange sprechen wird. Trotzdem, er tat gut, auch weil die Mannschaft kämpferisch voll überzeugte, eine Reaktion nach dem Mittwoch-Horrorabend zeigte.

Stellvertretend nenne ich hier mal Jonas Erwig-Drüppel. Nie und nimmer habe ich ihm zugetraut, dass er es jemals wieder in den Kader zurückschafft. Großen Respekt, für so viel Kampfgeist.

Übrigens, eigentlich bin ich nur nach Bonn gefahren, weil ich gehofft hatte, die aktive Fan-Szene würde wie so häufig Toilettenpapier auf das Spielfeld werfen und ich, naja, ihr könnt es Euch denken….

Immerhin wars kein Scheißspiel.

Bis die Tage,

der Happo

P.S. Herzlichen Dank lieber Arnd, für den hervorragenden Fahrservice!

Dauergast / 1 Kasten Stauder

Geschrieben von Happo

Auf einen Psyhopathen mehr oder weniger, kommt es nicht an.

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