Torlos in der Sonne von Wanne-Eickel – Kommentar von Hybrid-Hürthi

Zuerst, weil es viel leichter fällt, das Positive zum Spiel unserer Rot-Weissen gegen Schalke 04 im Mondpalast von Wanne-Eickel.

Die Sonne und nicht der weltberühmte Mond strahlte in das Stadion und hüllte vieles von den Unzulänglichkeiten, die uns beide Mannschaften darboten und die bisweilen den Platzverhältnissen geschuldet waren, in ein mildes, diffuses Licht.

Das Catering gewann entscheidend durch die netten und engagierten Helfer des DSC Wanne-Eickel, die bei den Regionalligaspielen der Blauen so ihre Vereinskasse aufbessern können.

Die Elf bzw. Fünfzehn von Rot-Weiss war über die gesamte Spielzeit sehr bemüht und kämpfte auf dem tiefen Rasen vorbildlich. Und nicht zuletzt gab es nach einer kleinen Ewigkeit auch Ersatzbälle an den Seitenlinien und die jeweils zwei Balljungen hinter den Toren traten in Erscheinung.

Das war vermutlich auch mit ein Teilchen des Plans, mit dem die Gelsenkirchener das Spiel gegen den favorisierten RWE angingen: das Spiel des Gegners stören bzw. zerstören.

Und das gelang ihnen über die gesamte Spielzeit gesehen zumeist gut, so dass sie sich das torlose 0:0 am Ende verdient hatten.

Für die Anhänger einer defensiven Grundordnung, gepaart mit Kampfkraft, Zweikampfstärke, Biss und Fight bis an die Grenzen des Erlaubten, war die Spielweise der Schalker sehr zufriedenstellend.

Rot-Weiss verfügte heute leider nicht wie z. B. im letzten Spiel gegen Aachen über das spielerische Esprit und offensive Mittel, um klare Torchancen herauszuspielen und diese Grundordnung nachhaltig ins Wanken zu bringen.

Selbst während der Druckphase in der ersten Hälfte, als vielversprechende Angriffe überwiegend über die rechte Seite vorgetragen wurden, fehlten aufgrund unpräziser Hereingaben klare Tormöglichkeiten.

Sauerlands Flankenversuch landete am Außenpfosten. Der Schalker Torwart hatte teilweise viel Gewusel vor sich, musste aber lediglich einige Flankenbälle abfangen.

Dagegen kamen die Schalker durch Bentaleb, der gleich zu Beginn relativ ungestört durch die Mitte auf Lenz zulaufen konnte und an diesem scheiterte, und kurz vor der Pause nach einer Hereingabe von der rechten Seite zu klaren Torchancen.

Enttäuschender fand ich die zweite Halbzeit.

Die Einwechselungen von Dahmani für Kefkir schon zu Beginn der zweiten Halbzeit, Bichler, Selishta und Adetula brachten auch nicht die erhoffte Verbesserung, wobei Letzterer in den wenigen Minuten gute Ansätze zeigte.

Zwar war RWE über die gesamte Spielzeit spielbestimmend, überwiegend im Ballbesitz, jedoch zu selten in der Zone vor dem Tor zwingend und gefährlich.

Die m. E. einzige klare Torchance leitete Dahmani in der 67. Minute durch einen schönen flachen Pass in die Spitze auf Endres ein, der aber das Tor denkbar knapp verfehlte. Kurz vor Schluss prüfte Adetula den Schalker Torwart, der mit einer Fußabwehr klärte.

Für die Zuschauer war dieses Spiel schwere Kost, so dass auch auf den Rängen keine rechte Stimmung aufkommen wollte. Gerade gegen den ungeliebten Nachbarn hätten wir uns alle wohl ein besseres Spiel und ein anderes Ergebnis gewünscht.

 

Lehrstunde mit “Kautsch” Christian Titz

Es ist gerade mal ein paar Tage her, da löcherte ich Christian Titz schriftlich mit einigen unhaltbaren Behauptungen, die der Chef-Kautsch problemlos und locker auskonterte.

Dass ich lästiges Insekt trotzdem eine Einladung für ein persönliches Gespräch erhielt, ist mehr als nur eine Randnotiz wert, zeigt diese Geste doch, CT redet nicht nur über Fannähe, er lebt sie auch.

Im Vorfeld hatte ich mir Gedanken gemacht, was man noch großartig fragen soll. Gerade in letzter Zeit erschienen zahlreiche Artikel mit und über ihn. Dazu Pressekonferenzen, wo er ne Menge über seine Spielphilosophie, über taktische Vorgaben und Trainingseindrücke preisgab. Einfach mal überraschen lassen, soll ja auch mehr ein „Kennenlern-Treffen“ sein.

Tilmann Radix erwies sich einmal mehr als äußerst entgegenkommend, holte mich von der Geschäftsstelle ab und gemeinsam schlenderten wir in einen der VIP-Räume. Es roch mal nicht nach Stauder, doch auch frischgemahlener Kaffee regt die Sinne an.

Lange warten musste ich nicht. Christian Titz gesellte sich wenige Minuten später zu uns. Er wirkte ziemlich verschnupft, zum Glück nicht wegen mir. Was Bakterielles.

Unter uns, ich hätte mir wahrscheinlich eine Auszeit verordnen lassen.

„Krankenschein? Für mich ein Fremdwort“. Eine Aussage, beispielhaft für seine Arbeitseinstellung.

Als Belohnung spendierte ich einige Tüten Aachener Printen.

„Nein, mit meinen Schwiegereltern habe ich keinen Ärger bekommen, im Gegenteil, die waren und sind von Rot-Weiss Essen begeistert. Wie überhaupt meine gesamte Familie.“

Ja, Rot-Weiss Essen hat es ihm angetan. Dazu brauchte ich keinen Lügendetektor anschließen. CT´s Worte gingen wie Öl runter.

„Dieser Verein ist etwas Besonderes. Diese Atmosphäre, diese Leidenschaft der Fans, einmalig. Auch deshalb bin hierhin gekommen“.

Sofort stellte ich die Frage aller Fragen, nämlich die nach seiner beruflichen Zukunft, obwohl mir bewusst war, keine verbindliche Antwort zu erhalten.

Eines kam glasklar rüber: Cristian Titz fühlt sich pudelwohl an der Hafenstraße. Er brennt für die Aufgabe, will hier mit der Mannschaft den Erfolg und wird alles dafür tun, die Vereinsziele zu erreichen.

Mehr Treuebekenntnis kann man nicht verlangen. Auch im Privaten legt er höchsten Wert auf Verlässlichkeit, wies zudem darauf hin, dass es auch in die andere Richtung gehen kann, sprich: Beurlaubung, Entlassung. Wie zuletzt beim HSV.

Bis zu seinem Engagement bei Rot-Weiss war er zwar ohne Trainerjob, aber keinesfalls beschäftigungslos.

Keine Überraschung, in dieser Zeit drehte sich beruflich ebenfalls fast alles um Fußball, u.a. hospitierte er bei einem Dänischen Erstligisten oder hielt Vorträge in seiner Eigenschaft als Mitglied im Trainerlehrstab beim Fußballverband Mittelrhein.

Was mir neu war, Digitalisierung ist für “Big Titz” nicht nur im Trainerberuf unverzichtbar geworden, er nutzt sie auch für weitere, erfolgreiche Betätigungsfelder. So ist er Gründer und Inhaber von CoachingZone, einem Internetportal für Trainingslehre und Spielkultur. Wer sich da mal einliest, erfährt ne Menge über den modernen Fußball mit all seinen Nebenschauplätzen, lässt erahnen, wie sehr RWE von seinem Wissen, von seiner Erfahrung, profitieren kann. Auch als (E-)Book-Autor macht Essens Chef-Kautsch eine erstklassige Figur. Klickst Du HIER

Zur Klarstellung: Selbstredend ist er derzeit fast rund um die Uhr mit Rot-Weiss Essen beschäftigt!

Nicht, dass da ein falscher Eindruck entsteht.

Keine Ahnung, ob das jetzt schon Schleichwerbung war oder nicht, doch das Fachwissen zeigte Wirkung. Mir wurde im Laufe des Gespräches ziemlich deutlich, wie wenig Ahnung ich vom Fußballsport an sich habe.

Was mich nicht hindern wird, weiterhin Spielkommentare aus Fan-Sicht zu verfassen und so zu tun, als verstünde ich das Spiel nicht nur ansatzweise. 😊

Meine nächste Frage trug ich anschließend etwas weniger forsch vor: „Ich habe den Eindruck, Jakob Golz interpretiert die Torwartrolle etwas defensiver, als Marcel Lenz. Liege ich da richtig?“

„Nein, da irrst Du“. War ja klar, hatte keine andere Antwort erwartet.
„Es hat mit der Spielweise der Gegner zu tun. Sie stehen höher, greifen früher an“, erklärt er ohne jegliche Überheblichkeit in seiner Stimme.

„Das Torwartspiel an sich, sorgt in Fan-Kreisen zwar nicht mehr wie anfangs, doch nach wie vor bei vielen für einen erhöhten Blutdruck“, klärte ich ihn auf.

„Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Tor fällt, wenn der Torwart weit vor dem eigenen Gehäuse steht? Richtig, mehr als gering! Viel gefährlicher sind Anspiele im eigenen Sechzehner“.

Mir blieb nichts anderes übrig, als zustimmend zu nicken. Der Faktencheck gibt ihm recht.

Nach dem super Spiel gegen Aachen, meinte ich erkannt zu haben, es liege auch an der Duo-Bildung (Grund/ Kefkir, Dorow/Endres, Hahn/Kehl-Gomez).

CT hatte Erbarmen, erklärte mit einfachen Worten, dass es sich um „Partnerschaften“ handelt, Bereiche, in dem sie Verantwortung übernehmen müssen. So ist z.B. Kevin Grund auch für die Innenverteidigung und seinem offensiveren Partner „zuständig“, wer immer auch diese Position bekleidet.

Sowas kann man trainieren, es braucht allerdings eine gewisse Zeit, bis solche Mechanismen von den Akteuren verinnerlicht werden. Auch andere taktische Vorgaben können nicht von heute auf morgen umgesetzt werden. Deswegen auch immer der Hinweis an die Fans, etwas Geduld zu haben und der Mannschaft beizustehen, wenn es mal nicht wie gewünscht läuft.

Der Entwicklungsprozess sei noch lange nicht abgeschlossen. Im Fußball gibt es einfach zu viele Unwägbarkeiten, Strategien müssen mehrfach angepasst oder auch geändert werden.

Ein Vorteil der beiden derzeitig ärgsten Konkurrenten um Platz Eins, Verl und Rödinghausen, ist deren gewachsene Mannschaftstruktur. „Die können eine Durststrecke einfach besser wegstecken“.

Großen Wert legt Christian Titz auf gesunde Ernährung und geistige Beweglichkeit. Da helfe ein Blick auf andere Sportarten. Profitiert hat er u.a. vom Erfahrungsschatz des ehemaligen Hockey-Nationaltrainers, Bernhard Peters.

Meine Frage nach einem Trainer-Vorbild, verneinte er.

„Allerdings inspirierten mich Johan Cruyff als Trainer beim FC Barcelona, sowie Marcello Bielsa mit seiner Chilenischen Nationalmannschaft, wie und was für eine Art Fußball sie spielen ließen“.

Stichwort Zu- und Abgänge zur Winterpause.

Hier ist aktuell niemand in der Verlosung. Auch ist bisher noch kein Spieler an ihn oder Jörn Nowak herangetreten, um einen Wechsel zu erfragen. Allerdings ist ihm in seiner langjährigen Trainertätigkeit keine Winterpause in Erinnerung geblieben, wo es keine personellen Veränderungen gab, stellte gleichzeitig aber klar:

„Wir, ich, bin mit dem derzeitigen Kader voll und ganz zufrieden.“

Apropos HSV. „Kennst Du Marc Fascher persönlich?“

„Ja“.

„Okay, nur so“.

Christian Titz ist übrigens seit dem Jahr 2004 im Besitz der Trainerlizenz, gemeinsam u.a. mit Ralf Außem, Heiko Bonan, Sven Demandt und einem gewissen Herrn Wrobel, drückte er die DFB-Schulbank.

Zufall? Christian Titz verneint meine Theorie, ob wohlmöglich „Waldi“ Wrobel seinen Wechsel zur Hafenstraße 97A mit eingestielt hat.

Ein Blick auf die Digitaluhr verriet, es war mittlerweile bereits 14.35 Uhr. Vor 5 Minuten hätte das offizielle Training bereits anfangen sollen.

Ganz ehrlich, so einen Pauker hätte ich früher liebend gerne gehabt. Und auch das Fach „Fußball“ fehlte auf den Stundenzetteln der Schulen.

Als kleines Dankeschön überreichte ich unserem Kautsch im Namen der Uralt-Ultras noch ein Original UNKAPUTTBAR-Shirt.

Christian Titz (links) :mrgreen: 

Big Titz nahm es dankend entgegen, verabschiedete sich hustend von mir, nicht ohne einen Gruß an alle RWE-Fans zu bestellen.

„Ich hoffe, wir sehen uns zahlreich in Wanne-Eickel!“

Danke Christian Titz für die Lehrstunde, Danke Tilmann Radix fürs Vermitteln.

Man liest und sieht sich.

Nur der RWE!

Essen vernascht Printen

An (Spiel)-Tagen wie diesen, ist es das Größte, Rot-Weiss Essen Fan zu sein.

Ein Blick kurz vor dem Anpfiff über die Tribünen hinweg genügt, und Du vergisst völlig, hier wird Viertliga-Fußball geboten. Unglaublich!

Nach dem Abpfiff ist RWE gefühlsmäßig längst in Liga Eins angekommen. Einfach Wahnsinn.

Wer von knapp 90 Minuten mindestens 70 Minuten den Gegner beherrscht und dabei drei Tore erzielt, selbst keines fängt, wer nicht nur gegen 11 Aachener, sondern auch noch gegen den Anti-Heimschiedsrichter ankämpfen muss, der darf zurecht nach dem Schlusspfiff feiern und gefeiert werden.

Einzig die Zuschauerzahl (13025) ist ein wenig enttäuschend. Jaja, ich weiß, ich soll mir mal die Zahlen von Drittliga-Begegnungen anschauen. Trotzdem….

Immerhin brachten die Alemannen über 1200 Fans mit nach Essen. Gut für die Atmosphäre und für die Vereinskasse von RWE.

Trainer Kilic hatte vor der Begegnung zwar erkannt, dass Rot-Weiss schlagbar sei – stimmt, dafür gibt’s sogar Belege – nur eben nicht am 16.11.2019. Diesmal war Essen zu stark für Aachen, die ihre beste Phase zwischen der 20. Und 40. Minute hatten.

Vermutlich hatte Herr Kilic die rechte Abwehrseite der Roten als Schwachstelle auserkoren. Heber und Sauerland bekamen eine Menge Arbeit, die sie mit zunehmender Spielzeit hervorragend erledigten.

Nur zwei, dreimal enteilten die Gästestürmer ihren Gegenspielern. Brandgefährlich wurde es, als Heber von Batarilo (nachgelesen) überlaufen wurde, doch zum Glück verpasste der freigespielte Vincent Bösen denkbar knapp. Ich kann ihm nicht böse sein. 😊

Zu diesem Zeitpunkt lag RWE bereits mit 1:0 in Führung. Nicht zum ersten Mal in dieser Saison waren Jan-Lucas Dorow und Joshua „Tree“ Endres an einem Tor für Essen, maßgeblich beteiligt. Dorow steckte wunderbar auf Endres durch, der trocken und unhaltbar vollendete.  Der Lärmpegel erreichte Werte von Rock-Konzerten.

Praktisch mit dem Pausenpfiff schlug ein anderes Duo eiskalt zu. Kevin Grund suchte und fand Marcel Platzek. Per Kopf versenkte der wiedererstarkte Goalgetter zum vielumjubelten 2:0.

Kautsch Christian Titz scheint ein weiteres Erfolgsrezept kreiert zu haben. Er setzt wohl auf starke Partnerschaften, denn auch Kehl-Gomez harmoniert mittlerweile blendend mit Alex Hahn. Dazu die starken Individualisten, Kefkir und Condé.

Ein weiteres Plus: Im Kasten kann sich die Mannschaft auf ihre neue Nummer Eins, Jakob Golz, verlassen. Bis auf eine Szene, als er zu sorglos im Fünfmeterraum den Ball vertändelte, seinen Fehler aber so eben noch ausbügeln konnte (31.).

Die Kritik wäre garantiert heftiger ausgefallen, wenn das Spiel dadurch gekippt wäre.

Ist es aber nicht. Im Gegenteil. In der zweiten Hälfte demonstrierten die“ Roten“ eindrucksvoll ihre Überlegenheit.  Ein weiterer Treffer für die Hausherren lag in der Luft.

In der 61. Minute stieg das Phantom dann wieder in die Höhe, köpfte eine Ecke von Grund zum vorentscheidenden 3:0 ein. „Marcel Platzek, Fußballgott“, schallte es von den Rängen. Ich kenne keinen RWE-Fan, der ihm dieses Comeback nicht vom Herzen gönnt. Wir wissen, Marcel ist bodenständig, der hebt nicht ab und wenn, dann only im Strafraum.

Auch danach ließ Essen nicht locker, wollte den Sieg noch deutlicher gestalten. In zwei Situationen roch es nach Elfmeter. Doch der Schiri pfiff nicht, dafür die Fans umso lauter.

Ein glanzvoller Fußballnachmittag ging zu Ende.  RWE überzeugte mit einer geschlossenen Mannschaftsleistung, aus der ich keinen Spieler herausheben möchte.

Ein Blick auf die „Bank“ verdeutlicht, was da noch an Qualität auf Einsatzzeiten brennt. Welches Team kann es sich erlauben, einen Strategen wie Dennis Grote nicht einzusetzen?

Nächste Woche geht es weiter in Wanne-Eickel. Im Mondpalast werden wir bestimmt eine weitere Sternstunde von Rot-Weiss Essen erleben. Ich sach´ mal, Schalke 0:4!

Kommt gut durch die Woche!

Affengeiles Ende in Wuppertal

Kommt mal bitte näher heran. Noch ein bisschen. JAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAAA!!!

WAHNSINN!!!

So in etwa hab´ ich nach dem Siegtreffer durch unseren Alpenbomber Selishta gebrüllt. „Selishta, oho, Selishta, ohohoho“. Joaquim Phönix als Joker ist extrem klasse, aber Essens Joker, Hedon, mindestens ebenbürtig.

Völlig irre, wie die gesamte Mannschaft nach dem Tor über das Feld zu ihren Fans auf der anderen Seite stürmte.

Als der Schlusspfiff dann endlich ertönte, hielten sich Jubel und Erleichterung bei mir die Waage.

Es war ein hartes Stück Arbeit. RWE kriegt nichts und von niemanden etwas geschenkt, höchstens zu Weihnachten.

Ein Feuerwerk brannten die Mannen von Christian Titz auf dem schweren Geläuf im Wuppertaler Zoo-Stadion nicht ab. Das erledigten Teile der „aktiven Fanszene“ vor Abfahrt ins Bergische Land, bei dortiger Ankunft und als der neue Luxusliner mit drei Punkten mehr im Gepäck zur Hafenstraße zurückkehrte.

Jaja, ich weiß, der Begriff „aktive Fanszene“ sorgt bei einigen für Plaque. Keine Ahnung, woher der Begriff stammt, und überhaupt, wer hat´s erfunden? Die Schweizer garantiert nicht. Mir ist das auch ziemlich schnuppe. Für mich ist jede und jeder, der irgendetwas für seinen Verein tut, ein aktiver Fan. Wir ollen Säcke sollten einfach lockerer damit umgehen.

Niemand hat uns daran gehindert, in Wuppertal für Stimmung zu sorgen. Hand aufs Herz, so ganz ist uns das nicht gelungen. Phasenweise ja, Situationsabhängig. Im Grunde genommen passte sich der Support der ca. 1200 Rot-Weissen der dargebotenen sportlichen Qualität an. Und die war mittelprächtig.

Nach gutem Beginn – mit einer Torchance von Kehl-Gomez – schlichen sich erste Unsicherheiten im Spiel der Roten ein.

Einen Ballverlust von Condé (Foul?) nutzte der hochmotivierte Gastgeber für einen blitzschnell vorgetragenen Konter. Aus halbrechter Position knallte Marzullo den Ball freistehend, an Golz vorbei ins untere Toreck.

Die WSV-Fans waren aus dem Häuschen.

RWE lief nicht zum ersten Mal in dieser Saison, einem Rückstand hinterher. Kein leichtes Unterfangen gegen einen aufopferungsvoll kämpfenden Gegner.

Schäffkautsch Christian Titz reagierte, brachte Joshua Endres für den (nicht fitten?) Kevin Grund in die Partie.

Fast noch der Ausgleich vor der Pause, doch Kefkirs Schuss parierte Wuppertals Keeper Lübcke mit einer Glanzparade.

Nach dem Wiederanpfiff zunächst keine großen Aufreger.

RWE tat sich nach wie vor schwer, Tempo ins Spiel zu bringen. Das lag zum einen am ungenauen Passspiel, zum anderen an den zahlreichen Unterbrechungen, weil sich diverse WSV-Spieler „verletzungsbedingt“ auf dem Boden wälzten.

Okay, wer will es ihnen verdenken. Ist legitim und nachvollziehbar, vor allen Dingen, wenn man mit dem Rücken zur Wand steht. Da greift man nicht nur nach jedem Strohhalm, sondern auch auf solche Mittel zurück. Schön und fair ist das allerdings mitnichten.

Dahmani kam für den diesmal blassen Erolind Krasniqi. Rot-Weiss erhöhte den Druck.

Doch ein Standard musste herhalten, um den ersehnten Ausgleichtreffer zu erzielen. Ausgerechnet ein Standard, welche im bisherigen Spielverlauf kaum für Gefahr sorgten.

Ecke Kefkir – Platzek mit einer gekonnten Direktabnahme – 1:1.

Sing: „Der RWE ist wieder da“.

Essens Angriffe liefen fast ausschließlich über die rechte Seite. Wuppertal ackerte, verteidigte, versuchte jetzt im wahrsten Sinne des Wortes, krampfhaft, wenigstens einen Punkt zu retten.

Es sah auch nicht schlecht für sie aus. Großchancen sprangen trotz aller Bemühungen für RWE nicht heraus.

Im Gegenteil. Fast sogar noch der Siegtreffer für die Heimelf, als Heber erneut ausgespielt wurde und Wuppertals Stürmer nur den Außenpfosten traf. Was heißt nur, ein Segen!

Das Happyend habe ich anfangs beschrieben.

Wer solche Spiele gewinnt, dem ist alles zuzutrauen. Muss was dran sein, denn so viele Menschen tickern mir keine Fake-Meldungen per WhatsApp. ????

Dieser Last-Minute-Sieg ist garantiert 1000 Zuschauer wert. Ich freu mich schon mächtig auf den West-Schlager gegen die Alemannia. Möge das Stadion voll werden.

P.S. Gefreut habe ich mich auch für Philipp Zeiger. Endlich konnte er wieder „Kaderluft“ schnuppern. Wer weiß, vielleicht wird das Auslaufmodell bald schon auflaufen. Gerechnet habe ICH nicht mit dieser (positiven) Entwicklung.

Man sieht sich…

 

Fotos by Super-Knipser Achim

 

Christian Titz – Der Behauptungsentkräfter-Kautsch

Dass unser Kautsch, Christian Titz, ne Menge vom Fußball versteht, ist unstrittig. Und wenn man selbst keine Ahnung hat, muss man nicht unbedingt die Fresse halten (gel, Herr Nuhr), sondern fragt einfach mal nach.

Das habe ich getan. Wie sooft hat mich Tilmann Radix unterstützt und meine “Behauptungen” direkt an CT weitergeleitet.  Der ließ sich nicht lumpen und notierte seine Gedanken mundgerecht zubereitet auf einem Word-Dokument. 
So funktioniert optimale Arbeitsaufteilung. :mrgreen: 

Ich denke, RWE hat nicht nur einen besonderen Trainer an der Außenlinie, sondern auch einen besonders wertvollen Menschen verpflichtet.

So, genug gelabert, hier die Notizen von Christian Titz:

Behauptung:

Aufgrund des großen Kaders plus Trainingsgästen, wird man niemals die stärkste Elf herausfinden.

Die stärkste Elf herauszufinden ist mit das Schwierigste, da ein Kader aus mehr als 11 Spielern besteht mit verschiedenen Spielertypen und dies auch von der Tagesform abhängig ist. Wenn man dauerhaft als Mannschaft erfolgreich sein möchte, muss man in der Breite so aufgestellt sein, dass man Leistungsschwankungen und Verletzungen auffangen und nicht zuletzt auf die Stärken und Schwächen des Gegners eingehen kann. Ich bin aber ein Freund davon, auf ein gewisses Gerüst zu setzen und punktuell Dinge zu verändern.

 

Behauptung:

Torjäger brauchen besonders viel Vertrauen, gerade wenn sie länger nicht mehr getroffen haben. Bei RWE wird nicht danach verfahren.

Bei uns ist es in der Tat so, dass wir uns im Offensivbereich breit und gut aufgestellt haben. Für viele sind Torjäger nur der zentrale Stürmer. Wir spielen aber meist mit drei Spielern im Angriff. Wenn man dann sieht, wie viele Tore die Außenstürmer erzielt und vorbereitet haben, sind das gute Quoten. Dank unserer großen Auswahl in der Offensive können wir uns auch mal situativ nach dem Gegner ausrichten.

 

Behauptung:

Erst wenn Taktik und Personal unabhängig vom Gegner ausgewählt werden, sondern umgekehrt, ist RWE eine Spitzenmannschaft.

Wenn wir uns die Spiele dieser Saison anschauen, dann haben die Gegner gegen uns schon anders gespielt, als in den Spielen zuvor und wir haben versucht unser Spiel durchzubekommen. Ich finde es aber völlig legitim und sogar notwendig, sich auf die Stärken und Schwächen des Gegners vorzubereiten. Alles andere wäre fahrlässig. Es ist unser Job, uns vorher mit dem Gegner zu beschäftigen und unserer Mannschaft wichtige Hinweise mitzugeben, um die Wahrscheinlichkeit auf einen Sieg zu erhöhen.

 

Behauptung:

Aufstieg wird ernsthaft erst nächste Saison angestrebt.

Wer Fußball spielt, der möchte in dem Moment, in dem er rausgeht, immer das Maximum erreichen. Ich finde, dass wir bisher eine gute Saison spielen. Wir stehen unter den Top Vier der Liga und denke, dass wir positiv in die Saison gekommen sind. Einen Aufstieg zu planen, ist etwas sehr Schwieriges. Ich glaube, es gibt kein Team, das Nein sagen würde, wenn es in dieser Saison aufsteigt. Aber wir haben für uns gesagt, wir möchten in dieser Saison oben mitspielen und so viel aus der Saison herausholen, wie möglich. Wenn es für das Maximum reicht, wären wir alle mehr als zufrieden. Aber wir haben ganz klar gesagt, dass wir ein Team über zwei Transferperioden aufbauen.

Behauptung:

Da Du am 01.April geboren wurdest, bist Du zu Scherzen aufgelegt.

(Lacht) Mit den Jahren hat es sich gelegt, dass die Leute mich an meinem Geburtstag reihenweise veräppeln. Ich bin privat tatsächlich ein Mensch, der sehr gerne lacht. Wenn ich aber auf den Platz rausgehe, habe ich einen ganz guten Mix zwischen Lockerheit und Ernsthaftigkeit.

 

Fiese Tante Lotte

Sportfreunde und Lotte. Was passt da nicht zusammen?  Diese Frage dürften die über 8200 Live-Besucher der Begegnung, Rot-Weiss Essen gegen SF Lotte, problemlos beantworten können. 60 Lotte-Fans-Antworten fallen aufgrund der 5% Hürde unter dem Tisch.

Der Neu-Club von Timo Brauer (schöne orangene Schuhe) und Kevin Freiberger, spielte dreckigen Fußball, nutzte die großzügigen, überwiegend einseitigen Regelauslegungen von Schiri Hüwe volle Lotte aus. Heimschiedsrichter pfeifen anders.

Trotzdem – und weil er nicht wirklich anders konnte – sorgte sein Pfiff in der 81.Minute für eine Vorentscheidung. Der kleine Alex (Langlitz) senste den großen Alex (Hahn) von hinten rüde um. Für mich glatt Rot. Aber gut, mehr war nicht zu erwarten.

Lotte wurde nun „Opfer“ ihres unstrittig hohen Einsatzes. Die Kräfte schienen zu schwinden. Bezeichnend, dass sie in der Restspielzeit noch zwei weitere gelbe Karten kassierten. Insgesamt zückte der Referee siebenmal Gelb und einmal Gelb-Rot. Keine schlechte Quote für einen 94 Minuten-Job.

Ohne jetzt großartig die einzelnen Spielszenen zu schildern, RWE hatte große Mühe, die Lotteraner zu bezwingen. Ganz sicher wurde die Aufgabe nach dem Führungstreffer durch Kevin Freiberger (ausgerechnet) in der 10. Minute, nicht leichter.

Die Angriffe erfolgten mit geringem Tempo, oft zu kompliziert und ohne Zug zum Tor. Fast sogar das 0:2 durch den bis dahin brandgefährlichen Kevin Freiberger. Daniel Heber hatte vorher das Nachsehen.

Ein Fernvergleich der beiden Torjäger – hier Platzek, dort Freiberger – verbietet sich im Grunde genommen, weil der immer hinkt. Beide haben das gleiche Ziel, nämlich Tore zu erzielen, versuchen es aber auf verschiedene Art und Weise. Freiberger ist mehr der Knipser, Platzo´s Stärken liegen im Einsatz und in der Laufbereitschaft. Wohlmöglich hat sich Christian Titz deshalb für Marcel Platzek entschieden?

Ideal wäre eine Mischung aus beiden. Willkommen an der Hafenstraße, Marcel Freiberger.

Nach gut einer halben Stunde wendete sich das Blatt zugunsten der Essener. Rot-Weiss wurde überlegener, kämpfte verbissen, wenn auch noch ohne zählbaren Erfolg.

Der stellte sich kurz vor dem Halbzeitpfiff ein.

CT´s neue taktische Wunderwaffe heißt Eigentorerzwingen. Kehl-Gomez zog ab, Matthias Rahn fälschte den Ball ins eigene Tor. Bereits das dritte Tor durch Spieler der gegnerischen Mannschaft. Alle Achtung, erspart es dem Verein zudem, eine Torprämie auszuzahlen.

Als kurz nach dem Wiederanpfiff Marcel Platzek zum 2:1 einköpfte, wurde es richtig laut im Stadion Essen. RWE war Chef im Ring, drängte den Gast mehr und mehr in die eigene Hälfte, ohne dass dabei glasklare Torchancen heraussprangen.

Rot-Weiss versäumte in dieser Phase, den Sack zuzumachen. Ich versuchte es mit Zweckoptimismus. Wie es innen aussah, ging keinen etwas an. Ein Lattentreffer von Lotte war Warnung genug.

Dann endlich die Erleichterung. In der 90. Minute gelang der eingewechselte Joshua Endres das erlösende 3:1. Grenzenloser Jubel weitere drei Zeigerumdrehungen weiter. Dahmani zog trocken ab, Keeper Peitzmeier chancenlos. 4:1! Ein weiterer Treffer eines Einwechselspielers.

Es ist zurück. Das Glück, und das Händchen für die richtigen Maßnahmen von der Seitenlinie.

Gratulation an die Mannschaft, an das Trainerteam.

Bester Mann auf Seiten der Roten für mich, Käpt´n Marco Kehl-Gomez. Er tat alles, um seinem bezaubernden Töchterlein endlich wieder die Show-Bühne zu überlassen. Einfach köstlich!

Es ist November und RWE hat noch Tuchfühlung zur Tabellenspitze. Neun Punkte aus drei Begegnungen. Mehr geht nicht.

Besser Fußballspielen können sie, das haben sie bewiesen.
Ich bin sicher, nächsten Sonntag können wir uns davon in Wuppertal höchstpersönlich überzeugen.

Bis dahin,

Nur der RWE!