Drei Punkte mehr – mehr auch nicht

Liebe RWE-Gemeinde, liebe Uralte, liebe Bar-BesucherInnen,

gerade zurück aus der Hölle von Bergisch-Gladbach. Leicht angetrunken, zugegebenermaßen, aber mit drei Punkten im Gepäck. RWE-Herz, was willst Du mehr?

Gute Frage.

Meine Antwort:
Der Auswärtssieg tut gut, war extrem wichtig und unter dem Strich auch verdient.  Trotzdem will bei mir so recht keine Freude aufkommen. Denn es war nicht nur ein hartes Stück Arbeit, es war auch zeitweise schwer verdauliche Kost, was die Titz-Elf heute ablieferte.

Ich behaupte jetzt einfach mal, gegen einen etwas stärkeren Gegner, als die sich tapfer wehrenden Bergisch-Gladbacher Amateure, hätte RWE an diesem Tag und mit dieser Leistung, das Spiel nicht gewonnen.

Dabei lief es so gut an.
Schon in der 6.Minute konnten die geschätzt 1100 RWE-Fans jubeln. Daniel Heber stocherte den Ball nach einer Ecke über die Torlinie.
Alles lief nach Plan und nach Wunsch der Essener.

Trotz der vorherigen drei Niederlagen, ich war sicher; hier gewinnt nur eine Mannschaft und das ist Rot-Weiss Essen!

Was dann folgte, ist für mich unerklärlich.

Anstatt konsequent ein weiteres Tor erzielen zu wollen, die spielerisch limitierten Gastgeber unter Druck zu setzen, sah ich Breitwandfußball, ohne Speed, ohne Emotionen. Vielleicht auch ohne Selbstvertrauen?

Keine Ahnung.

Der Tabellenletzte wurde förmlich dazu ermutigt, mehr Initiative zu ergreifen. Das hatte für mich nichts mit taktischer Finesse zu tun. Aber ich bin ja auch nur Laie.

So plätscherte die Begegnung ohne große Höhepunkte bis zum Halbzeitpfiff dahin.

Jedenfalls erinnere ich mich nicht an Szenen, die mich vom Sitz gerissen hätten, am wenigsten das spröde Kölsch im Ausschank.

Einzig die Auswechslung von „Adiole“ Adetula ist erwähnenswert. Keine Frage, der talentierte Flügelflitzer bot bis dahin eine schwache Vorstellung, konnte nicht ansatzweise für Gefahr sorgen. Seine Auswechslung ist auf jeden Fall gerechtfertigt. Trotzdem, der Zeitpunkt (32.) wird an seinem Selbstvertrauen nagen.

Dass die Halbzeitführung verdient war, dürfte unstrittig sein. Ein Marketingmanager würde wahrscheinlich was von einer hohen Effektivität faseln.

Bergisch-Gladbach kämpfte zwar aufopferungsvoll, hielt den Favoriten aus Essen auf Distanz, ohne allerdings selbst für Torgefahr zu sorgen.

Für mich war es eine Frage der Zeit, wann die Kräfte der „Hausherren“ nachlassen würden.

Als Florian Bichler in der 52.Minute zum 2:0 aus Essener Sicht einschob, schien der Drops gelutscht zu sein.

Kurz darauf musste Hahn verletzungsbedingt den Platz verlassen. Dennis Grote, der Lenker und Denker der ersten Saisonspiele, kam in die Partie.

RWE nun mit mehr Drang zum gegnerischen Tor. Bichler verpasste nur knapp. Überhaupt „Flori“, er war für mich einer der wenigen Aktivposten bis dato. Sein Arbeitstag endete nach ungefähr 75 Minuten.

Dafür bekam der Ex-Wuppertaler Jonas Erwig-Drüppel Gelegenheit, sich zurück in die Stammelf zu spielen. Vier Tore im Testspiel gegen den Oberligisten Baumberg und engagierte Trainingsleistungen waren Empfehlung genug für Kautsch Titz, ihn zu bringen. Er machte seine Sache nicht schlecht, hätte sogar fast mit einem Flachschuss das wohl entscheidende 3:0 erzielt.

Hadder aber nicht, denn der Ball ging knapp am BG-Gehäuse vorbei.

Stattdessen der Anschlusstreffer. Hill (den Namen habe ich nachgelesen) zog aus gut 30 Metern ab. Golz, der überraschend für Marcel Lenz das Essener Tor hütete, stand weit vor dem Kasten. Zu weit. Es hieß nur noch 1:2. Dem jungen Keeper kann man aber keinen Vorwurf machen. Er spielte seinen Part ansonsten ruhig und sicher, wurde allerdings kaum ernsthaft geprüft.

Als es darauf ankam, war “Richi Golz sein Sohn” zur Stelle, entschärfte kurz vor dem Abpfiff noch einen Flachschuss.

Schiri Braun beendete die Partie nach gut 93 Minuten.
Ein Segen.

Immerhin gewonnen. Auch dafür gibt es drei Punkte.

Bin ich, sind wir, zu vermessen, zu unrealistisch, zu anmaßend oder einfach nur ahnungslos? Doch die Stimmung auf der Hinfahrt nach Bergisch-Gladbach im hochkarätig besetzten Kleintransporter von Dirty Harry, war um einiges lockerer und gelöster, als nach dem Auswärtssieg.

Klingt bescheuert, ist aber die reine Wahrheit.

Das solls erstmal von meiner Seite aus gewesen sein. Wenn wir Glück haben, schreibt „Hybrid-Hürthi“ morgen noch einen fachlich weitaus hochwertigeren Spielkommentar.

So oder so, nach Düsseldorf fahre ich auf jeden Fall.

Denn ich vertraue diesem Kader und unserem Trainerstab – trotz aller Bedenken – noch Einiges zu. Auch einen weiteren Auswärtsdreier.

In diesem Sinne,

Nur der RWE!

 

 

Foto by MKK, die leider hier nicht abgebildet ist

Aufgenommen auf einem Rastplatz, wo Barde Sandy und Fan-Vertreter Dirk Kindsgrab zum Fotoshooting dazustießen

 

Foto hab ich geschossen (MKK war Brötchen kaufen) :mrgreen: 

Goldener Oktober oder doch Goldene Ananas?

Etwas mehr als ein Drittel ist der Oktober 2019 alt.

Vieles deutet auf eine weitere „Murmeltiersaison“ von Rot-Weiss Essen hin. Die Goldene Ananas kann bei RWE einfach keinen Staub ansetzen. Diese Trophäe scheinen die Roten für sich gepachtet zu haben.

Dagegen wirbelten die drei letzten Niederlagen in Serie eine Menge Staub innerhalb der Fangemeinde auf. Mit Schwamm drüber ist es nicht getan.

Die Heimniederlage gegen Fortuna Köln habe ich nicht live miterleben dürfen bzw. müssen. Befand mich auf einer Insel. Für die Insel scheinen ´ne Menge RWEler nach dem Freitagspiel ebenfalls reif zu sein.

Es versteht sich von selbst, dass ich zum Spielverlauf keine Stellung nehmen kann und werde. Die Kommentare dazu sprechen für sich und sind, was den Ablauf der Partie angeht, fast identisch.

Problematisch wird die Suche nach den Gründen des Leistungsabfalles, der natürlich auch tabellarische Konsequenzen nach sich gezogen hat. Der Punkteabstand zu Platz Eins wird schleichend größer. Für die Vereinsverantwortlichen nicht das Thema.

Ein Blick auf das Torverhältnis sollte allerdings schon thematisiert werden. Vorne wie hinten sind die Defizite offenkundig, durch „nackte“ Zahlen belegt.

Jedes Spiel unserer Mannschaft – das ist sie für mich auf jeden Fall immer noch – besaß einen riesengroßen Unterhaltungswert. Abwehr- wie Abschlussschwächen blieben trotzdem nicht unentdeckt. Doch solange die Ergebnisse stimmen, drückt man schon mal eher ein Auge zu. Es war einfach ein unglaubliches Gefühl, diesen Jungs zuzuschauen. Fußball mit Herz und Spaß.  Wie lange haben wir auf solche Momente verzichten müssen?! Endlich wieder eine sieggeile Truppe an der Hafenstraße.

Die Fans (ich eingeschlossen) schwebten auf Wolke Sieben, als wären sie neu verliebt. Doch jede (r) von uns weiß, dieses Gefühl hält nicht ewig an. Es verändert sich. Den Alltag meistern, gemeinsam, das ist die schwierigste Aufgabe.

An diesem Punkt ist RWE meiner Meinung nach angelangt.

Jetzt wird sich zeigen, wie es mit dem Zusammenhalt bestellt ist.

Die Voraussetzungen sind nach wie vor hervorragend. Nach drei Niederlagen darf man niedergeschlagen sein, aber „wir“ sind noch nicht abgeschlagen.

Vielleicht ist die Mannschaft mental noch nicht soweit, die Favoritenrolle zu bekleiden. Als Jäger lässt es sich aber auch gut leben. Wichtig ist doch nur, das Ziel nicht aus den Augen zu verlieren. Für mich heißt das:  Angriff auf Platz Eins.

Das ist keine Forderung und soll auch nicht so verstanden werden, als wäre alles andere als die Qualifikation zu den Aufstiegsspielen, einem Misserfolg gleichzusetzen. Als Fan möchte ich nur spüren, dass ernsthaft JEDE sich bietende Chance in die Dritte Liga zu kommen, genutzt wird.

Von Fünf, Vier- oder Zweijahresplänen halte ich persönlich reichlich wenig. Gerade der Fußballsport ist für Überraschungen und Unvorhersehbares berühmt-berüchtigt. Bei wem stand z.B. auf der Wahrscheinlichkeitsrechnung, dass es für einen Sieg gegen Wattenscheid 09 keine Punkte gibt?  Oder ist bekannt, welcher Verein nächste Saison absteigt oder unbedingt aufsteigen will?

Es reicht also nicht, sich nur mit sich zu beschäftigen. Doch wem sag ich das?

Einem ausgewiesenen Fachmann wie Christian Titz oder unserem Sportdirektor Jörn Nowak auch nur ansatzweise Ratschläge erteilen zu wollen, ist lachhaft, obwohl ich jederzeit zu Scherzen aufgelegt bin. Wovon ich allerdings abrate, sind Statements nach Niederlagen, die mit der Aufbau- und Findungsphase der Mannschaft begründet werden und suggerieren, später wird alles besser. Wartet mal ab, was im zweiten Jahr nach dem Neubeginn abgeht.

Da sag ich nur, arme Spieler. Diesen Druck möchte ich jedenfalls in der nächsten Saison nicht aushalten müssen. Zum Glück bin ich ja kein Spieler.

Der überwiegende Teil der Fans will keinen Druck auf die Mannschaft ausüben. Davon bin ich überzeugt. Vermutlich machen sich die Spieler selbst zu viel Druck.

In der Regionalliga West ist kein Spiel leicht zu gewinnen, auch nicht das kommende gegen Schlusslicht Bergisch Gladbach. Doch wenn die Titz-Elf ihre Leichtigkeit zurückgewinnt, wird sie diese Auswärtspartie gewinnen.

Jede Wette!

Der Oktober wird zwar kaum noch golden glänzen, aber die Rot-Weisse Zukunft, sehe ich rosarot.

Entzaubert

Warum soll ich eine Nacht drüber schlafen, nur um einen sachlichen Kommentar zum heutigen Spiel in Rheydt zu veröffentlichen? Was raus muss, muss raus.

Das Ergebnis – 2:3 aus Essener Sicht – liest sich datenmäßig äußerst spannend und dramatisch. Klingt nach einem heißen Fight. Dem war aber nicht so.

RWE dominierte zwar die ersten 20 Minuten ganz im Stile einer Spitzenmannschaft, überspielte das engmaschig aufgezogene Abwehrbollwerk der Gastgeber ein ums andere Mal mit schnellen, im Training einstudierten Spielzügen.

Die mitgereisten Fans aus dem Pott waren zufrieden, feuerten ihr Team lautstark an.

Torjubel brandete in der 7.Minute auf. Essens Nummer 10, Jan-Lucas Dorow, zirkelte das Spielgerät gekonnt und unhaltbar in die Maschen.

Rot-Weiss blieb tonangebend, ein weiterer Treffer schien nur eine Frage der Zeit.

Kaum jemand dachte mehr an die Niederlage gegen Verl. Zu dominant trat der Gast auf.

Doch nach gut 20 Minuten war es vorbei mit der Glückseligkeit. Das Spiel wurde in die Breite gezogen, der direkte Weg zum gegnerischen Tor nicht mehr gesucht.

Keeper Lenz hatte in dieser Phase, wenn nicht sogar über das gesamte Spiel gesehen, die meisten Ballkontakte aller Akteure.

Genörgel anstelle Anfeuerungsrufe auf der Sitztribüne waren die Folge. Der harte Kern der Westtribüne wurde dagegen nicht müde, RWE anzufeuern.

Geholfen hat beides nicht, denn Mönchengladbach bekam einen Elfmeter zugesprochen. Ob berechtigt oder nicht ist für mich im Nachhinein völlig Latte. Den Ausgleich kurz vor dem Pausenpfiff muss sich die Mannschaft durch ihre Spielweise ankreiden lassen.

Wer darauf hoffte, dass sich RWE in der zweiten Hälfte auf ihre in dieser Saison mehrfach zelebrierten Tugenden, wie Torgeilheit, Kampfkraft und Siegeswillen besann, sah sich getäuscht.

Im Gegenteil, was da auf dem Rasen abging, erinnerte eher an längst vergessene, erfolgslose Zeiten.

Die Borussen aus Mönchengladbach änderten ihre Taktik, spielten nun forscher nach vorne, wurden mutiger.

Arie van Lent machte den Titz.

Der eingewechselte Stürmer Steinkötter traf gleich zweimal. (58./63.)

Alles deutete auf einen erneuten, gebrauchten Tag hin.

Es war ja nicht so, dass RWE keinerlei Bemühungen erkennen ließ, die Partie noch zu drehen, doch die Mittel waren nachweislich unbrauchbar. Keine Überraschungseffekte, alles vorhersehbar.

Dann ein erneuter Elfmeterpfiff. Angeblich wurde Sauerland (für mich sehr schwach) im Sechzehner gefoult. Kefkir überwand im zweiten Versuch Gladbachs Torwächter Olschowsky.

Als sich Amara Conde´ in der 90.Minute den Ball in aussichtsreicher Position nach einem Freistoßpfiff zurecht legte, dachte ich unweigerlich an das Spiel eins gegen den BVB II zurück. Doch diesmal ging sein Kunstschuss nicht ins, sondern knapp neben das Tor.

Die Niederlage war perfekt. Und verdient.

Rot-Weiss agierte viel zu ideenlos, zeitweise stupide und „hinten“ unsortiert. Für mich die schlechteste Saisonleistung.

Natürlich bin ich enttäuscht.

Enttäuscht bin ich aber auch vom Verhalten einiger Fans. Nach zwei Niederlagen halte ich die aufkeimende Kritik am Spielsystem, an den taktischen Vorgaben sowie Personalentscheidungen für völlig überzogen und unangemessen.

Noch vor nicht einmal zwei Wochen wurde Christian Titz als Houdini bezeichnet, als Magier, als Glücksfall schlechthin. Wie schnell sich doch Meinungen drehen.

Überraschend kommen solche Reaktionen allerdings nicht, wohl aber der Zeitpunkt. 

Erfolg schweißt zusammen. Was Misserfolg bewirkt, ist an der Hafenstraße 97A bestens bekannt.

Das Schaulaufen ist beendet.

Ab nächste Woche Freitag wird sich zeigen, ob der neue RWE, wirklich neu ist.

P.S. Danke an Dirty Harry für die ausgezeichneten Lenkungsmanöver. Auch die Reisegesellschaft hat eine tadellose Leistung abgeliefert

 

Essen kommt wieder – VERLasst euch drauf

Erste Saisonniederlage, Heimnimbus dahin, kein Tor eines Auswechselspielers, Sauerland verletzt.

Dazu noch dieses miese Regenwetter. Und unten machte Verls Goalgetter Yildrim unsere Abwehrspieler nass.  Solche Tage gibt’s halt, da läuft nicht viel, obwohl ich der Mannschaft läuferisch keinen Vorwurf mache.

Wenn man zu Hause 1:4 verliert, dazu noch gegen einen Mitkonkurrenten um Platz Eins, dann stellt sich die Frage nach dem Warum? Wer ist schuld an der vom Ergebnis her deutlichen Niederlage?

War RWE so schwach oder der SC Verl so stark?

 Hätte “Mad-Mathe-Prof-Malocher-DJ-Verlinker-Oppa-Maddin” sein Unkaputtbar-Shirt in Ägypten nicht anziehen dürfen oder trägt Sicherheitslegende “Sir Manni” Schuld, weil er und sein Erfolgstrikot arbeitsbedingt fehlten? Ich könnte ja mal bei Ferdinand von Schirach nachfragen oder besser direkt den Chefkautsch, Christian Titz.

Dieser fand kurz nach Spielende bereits deutliche Worte, sprach von einem gebrauchten Tag. Recht hadder.

Ich selbst hatte die Ehre und das Vergnügen, Stewinho mit auf die Rahn zu begleiten. Von dort aus hat man eine ganz andere Sicht auf das Spielgeschehen, viel übersichtlicher, als auf der WEST. Dafür muss man Stimmungstechnisch einige Abstriche machen.

Keine Ahnung warum, irgendwie hatte ich ein mulmiges Gefühl. Schade, dass „nur“ etwas mehr als  10000 Zuschauer das Spitzenspiel live verfolgten.

Essen war gewarnt. Auch den Verlern war der Respekt vor den Rot-Weissen anzumerken. Beide Mannschaften gingen zunächst kein großes Risiko ein.

Schnell wurde klar, dass wird ´ne ganz harte Kiste. Kleinigkeiten werden mitentscheidend sein und diese Unterschiedsspieler, also Könner wie z.B. die Verler Offensivkräfte Janjic und Yildirim es sind.

Letzterer bewies seine Klasse (auf Viertliganiveau bezogen) bereits in der 5. Spielminute. Verl eroberte im Mittelfeld den Ball, Pass zu Yildirim, der marschierte Richtung Strafraummitte und zog flach ab. Lenz war gegen den Schuss in die linke Ecke machtlos.

Dabei hatte Christian Titz mehrfach auf die Gefährlichkeit des Torschützen hingewiesen. Einen direkten Gegenspieler habe ich nicht entdecken können.

Sah alles ziemlich unsortiert aus, was die Roten defensiv ablieferten. Auch nach vorne gelang nicht viel. Die Ostwestfalen störten Essens Spielaufbau tief in deren Hälfte mit drei, vier Mann. Amara Conde´ verhedderte sich mehrfach, Sauerlands Aufgaben konnte ich nicht deuten.

Wenn´s spielerisch nicht funktioniert, dann muss halt ein Standard her. So wie in der 22.Minute. Der ansonsten schwache Dennis Grote wurde im Sechzehner gefoult. Kefkir eiskalt. 1:1.
Nun war Stimmung inne Bude.

RWE mit mehr Ballbesitz, doch Verls robustes Auftreten hinterließ Spuren. Nicht nur auf den Schienbeinschonern.

In der 32.Minute dann der erneute Rückstand. Langer Ball auf Janjic, der verlängerte ungehindert per Kopf auf Hecker. Lenz erneut machtlos. 1:2.

Bis zum Pausentee änderte sich nicht viel am Spielgeschehen. Essen bemüht, aber ungefährlich.

Dass Christian Titz nicht nur einen Plan, sondern mehrere Varianten in der Schublade hat, ist mittlerweile bekannt. Selishta kam für Hahn, später dann Bichler für Grund. Rot-Weiss versuchte nun mehr Druck aufzubauen, doch glasklare Tormöglichkeiten blieben Mangelware.

Die größte Chance besaß Dorow (62.) Sein gefährlicher Direktschuss entschärfte Brüseke mit einer herausragenden Fußabwehr. Ein Monster-Save, würden die Eishockeyfreunde sagen.

10 Minuten später dann der Genickschlag. Missverständnis zwischen Grote und Heber, Yildirim schaltete am schnellsten. 1:3.

CT versuchte erneut von der Bank aus, das Ding noch zu drehen, wechselte Dahmani und Adetula für Dorow und Endres ein, doch diesmal blieben diese Maßnahmen wirkungslos.

Zu allem Übel musste Sauerland verletzungsbedingt den Platz verlassen. Mit zehn Mann gegen elf starke Verler, einen Zwei-Tore-Rückstand aufzuholen, schien mir an diesem Tag ein Ding des Unmöglichen.

So fiel der Treffer zum 1:4 nicht wirklich überraschend. Yildirim wurde auf die Reise geschickt, visierte die rechte untere Ecke an – Tor! Lenz hatte erneut das Nachsehen. Ein weiteres, großzügiges Gastgeschenk der Rot-Weissen.

Der SCV war keineswegs um zwei Tore stärker. Lange Zeit war es ein Spiel auf Augenhöhe. RWE erspielte sich diesmal allerdings nicht so viele Torchancen. Das lag natürlich auch am Gegner, der zudem die Schwächen der Essener auszunutzen wusste. Man muss die Leistung der von ihrem Coach Guerino Capretti hervorragend eingestellten Gäste neidlos anerkennen.

Die Rot-Weiss Fans erkannten den Einsatz ihres Teams lautstark an. Nicht alle, denn einige Besucher verließen nach dem 1:4 fluchtartig das Stadion. „Wir halten zusammen, scheiß auf Liga vier“. Wäre zu wünschen.

Donnertag, am Tag der Deutschen Einheit, können wir beweisen, dass wenigstens Rot-Weiss Essen zusammenhält.

Das Leben ist kein Ponyhof. Wird schwer genug werden, die wiedererstarkten Fohlen im Zaum zu halten. Aber machbar ist das allemal.

Erste Risse?

Vor dem richtungsweisenden Spiel gegen den Tabellenzweiten SC Verl, kam es während der Mannschaftssitzung zu einem Eklat.

Nachdem Chef-Kautsch Christian Titz die Kandidaten für die Stammelf bekannt gab, meldete sich Abwehrrecke Alexander Hahn gereizt zu Wort: „Trainer, warum soll immer ich von Beginn an ran? Immer ich!“

„Und ich auch, Herr Tietz“, brüllte RWE-Urgestein Kevin Grund in die Runde.

„Titz, Kevin, Titz. Man spricht meinen Namen kurz aus. So, wie man ihn auch schreibt“, stellte der Übungsleiter ruhig, aber bestimmt klar.

Kevin Grund, ansonsten kein Mann großer Worte und großer Klappe, schüttelte abwehrend seinen Kopf. „Scheiß was drauf, Alex hat recht. Warum sollen immer die Gleichen in die Startelf“.

„Selbst Oguzhan und Marco durften schon später rein“.

„Jaaaa uuuuund, ich bin ja auch der Käpt´n und hab nen Doppelnamen“, wiegelte Marco Kehl-Gomez ab.

Daraufhin schaltete sich Sportdirektor Jörn Nowak ein. „Sagt mal, was ist denn mit euch los? Jeder ist doch froh, wenn er von Beginn an ran darf“.

Alexander Hahn ergriff das Wort: „Ich will auch mal eingewechselt werden und Torprämien kassieren!“. „Ich auch!“, rief Kevin und brüllte „Ich reg mich doch nicht ohne Grund so auf“, hinterher.

Jörn Nowak zuckte mit den Achseln. „Schaut doch bitte mal in euren Verträgen nach, ob ihr überhaupt eine Torprämie ausgehandelt habt“.

Alex Hahn und Kevin Grund stutzen, legten ihre Stirn in Falten und sendeten deutliche Signale, den Besprechungsraum umgehend zu verlassen.

„Wo wollt ihr hin?“, fragte Jörn Nowak.

„Ja wohin wohl? Nach Hause, nachsehen, was in meinem Vertrag steht“, begründete Kevin Grund seine Fluchtmotive.

Christian Titz blickte derweil finster drein. Nichts erinnerte mehr an den höflichen Mann von vorhin. Von wegen, Augenaufschlag wie ein Klodeckel.

Schweigend kritzelte er grüne wie rote Pfeile in seinen Taktikblock. Immer schneller und hastiger, bis das Blatt den Widerstand aufgab und Risse aufwies.

„Alex, wer die Tore schießt, da kräht doch hier kein Hahn nach“, zischte er den Omsker an.

Zwischenzeitlich war auch Ente Lippens watschelnd hereingekommen. Ein Videodreh mit Presssprecher Tilmann Radix stand an. Willi nutzte die kurze Pause, zückte eine Gelbe Karte aus dem Ärmel und hielt sie den beiden Aufmüpfigen vor die Nase.

„Ich verwarne Ihnen“.

Ob der Vorfall Konsequenzen nach sich zieht, darf gespannt abgewartet werden. Tilmann Radix wiegelt ab: „Von Vereinsseite ist die Sache erledigt. Es ist Strafe genug, von Ente abgewatscht zu werden“.

Kämpfen und siegen – auch in Lippstadt

Geschenkt kriegste in der Regionalliga nichts. Soviel steht fest. Lippstadt machte da keine Ausnahme. Mit angezogener Handbremse Siege einfahren, funktioniert nicht.

Ob die Handbremse in unserem voll besetzten ukrainischen 70ziger Jahre Retro-Bus funktionierte, will ich gar nicht mehr wissen. Besser ist das. Ist ja alles gut gegangen, auch auf dem Rasen.

Überraschenderweise gab es diesmal keine großen Überraschungen bei Verkündung der Startelf. Lediglich Bichler musste für Sauerland weichen.

Etwas mehr als 2300 Zuschauer in der kleinen Liebelt-Arena – davon gut die Hälfte RWE-Fans – sahen eine hart umkämpfte Partie mit hohem Unterhaltungswert.

Lippstadts Trainer Felix Bechtholt hatte seine Hausaugaben gemacht. Essens linke Seite, bisher die Schokoladenseite dieser Saison, wurde komplett zugestellt.  Der Gastgeber versteckte sich keineswegs, suchte immer wieder den direkten Weg zum Tor.

Rot-Weisse Angriffsbemühungen erfolgten nur halbherzig und nicht mit letzter Konsequenz.

So fiel der Führungstreffer für die 08ter keineswegs ohne Vorwarnung. Albrecht spurtete völlig alleingelassen auf Lenz zu, und netzte kaltschnäuzig ein.

Lippstadt, 19.12Uhr, Vollmond, es war zum Heulen.

Viel änderte sich zunächst nicht am Geschehen auf dem schwer bespielbaren Grün, obwohl RWE jetzt mehr Initiative nach vorne ergriff. Fast der Ausgleich, doch Dorow scheiterte aus kürzester Distanz am guten Keeper Balkenhoff.

Der Gastgeber blieb gefährlich, setzte immer wieder Nadelstiche.

Christian Titz wurde es zu bunt, nahm Alexander Hahn (!) vom Platz. Ausgerechnet Alex. Der muss verletzt sein, dachte wohl nicht nur ich. Aber denkste. „Zu langsam“, war seine Begründung für den Personalwechsel. Das galt natürlich nur für dieses Spiel.

So bekam „Adiole“ Adetula eine weitere Bewährungschance. Und er nutzte sie eindrucksvoll. Kaum auf dem Feld, stocherte er den Ball zum 1:1 über die Linie. Wahnsinn!

Bis zum Halbzeitpfiff blieb es ein Duell auf Augenhöhe.

Kevin Grund, der ebenfalls nicht seinen besten Tag erwischt hatte, blieb draußen. Florian Bichler nahm seinen Platz ein.

Nicht zum ersten Mal kamen die Essener wie ausgewechselt aus der Kabine. Ein Feuerwerk entfachten aber zunächst nur einige RWE-Fans. Saisonpremiere für die Pyrotechniker.

Die Rauchschwaden waren kaum verzogen, da zog Josuha Endres aus gut 16 Metern ab und beförderte den Ball an Balkenhoff vorbei ins Gehäuse. Unhaltbar.

Langeweile kam nicht auf. Wenige Minuten später zappelte die Kugel im Essener Tor. Erneut war es Albrecht, der diesmal per Kopf traf.

Die Rot-Weissen ließen den Kopf aber nicht hängen, wollten umgehend die Führung zurückerobern.
Kefkir scheiterte erneut an Balkenhoff.

Vermutlich nicht wegen dieser vergebenen Tormöglichkeit, wechselte CT den Publikumsliebling aus, brachte – und das ist wieder eine Überraschung für mich gewesen – Hedon Selishta und nicht Enzo Wirtz.

Von nun an gings fast nur noch in eine Richtung. Es kam, was kommen musste. Der Eingewechselte traf.

Und wenn schon, warum nicht gleich nochmal.

Durch seine beiden Tore (68. Und 78.) sorgte der Alpenbomber für eine beruhigende Führung. Was für ein Einstand.

„Selischta, oho, Selischta, ohohoho“ schallte es von den Rängen.

Endres hätte das Ergebnis noch höherschrauben können, aber wir wollen ja nicht übertreiben. Es wäre auch zu viel des Guten gewesen, denn Lippstadt war ein verdammt unangenehmer, mutiger Gegner.  Am Ende gingen ihnen die Kräfte aus. Essen setzte sich dank besserer Qualität verdientermaßen durch.

Lobeshymnen über „unseren“ Trainer werden seit Wochen angestimmt. Was ist sein (Erfolgs)-Geheimnis? Wahrscheinlich hat er einfach nur ne Menge Ahnung vom Fußball und eine gute Menschenführung? Einige Fans sorgen sich um die steigende Zahl der Titz-Hunter. Die Gefahr sehe ich nicht. Nicht in dieser Saison.

Welchen Akteur soll man besonders hervorheben? Ich sag mal: das Team. Okay, für meinen Ostwestfälischen Freund Micha, war „Adiole“ Adetula, Man of the Match. Ich tu ihm mal den Gefallen. 😊

Mit bester Laune und voller Besatzung, ging es dann zurück Richtung Essen. Auch wenn der Uralt-Bus seine besten Tage hinter sich haben mag, wir haben unser Ziel erreicht.
Eine tolle Auswärtsfahrt mit tollen Leuten und drei Punkten mehr im Gepäck.

“Eins, zwei, drei, Oberkörper frei”.

Was für eine herrliche Fleischschau unserer Modellathleten.

Allen Mitfahrern nochmals Danke, dass ihr dabei wart.

Nur der RWE – egal wo!