Meisterschaft oder Pokal – egal

Was derzeit an der Hafenstraße abgeht, ist der helle Wahnsinn. Größenwahnsinnig wird die Mannschaft ganz sicher nicht, dafür werden die Herren an der Außenlinie schon sorgen: Essens Trainerstab. Manche behaupten gar, es wäre ein Zauberstab.

„Magier“ Christian Titz fand endlich von Beginn an die richtige Taktik und brauchte während des Spiels nicht wie üblich, entscheidende Änderungen vornehmen. Kleiner Scherz am Rande. Ich schreib´s lieber extra mal hinterher. Man weiß ja nie….

Erneut eine imposante Kulisse im Stadion Essen. Fast 11000 Zuschauer wollten sich den von vielen Experten erwarteten Pokalfight nicht entgehen lassen, trotz TV-Liveübertragung von irgend so einem Länderspiel mit Deutscher Beteiligung. 

Niemand brauchte sein Kommen bereuen, selbst die Krefelder-Anhänger nicht, denn sie wurden Zeugen eines hervorragenden, hart umkämpften Fußballspiels, welches vor allen Dingen in der ersten Spielzeithälfte hin und her wogte.

RWE im September 2019. Eine Mannschaft, die vor Selbstbewusstsein nur so strotzt, frei nach dem Motto, besser mit breiter Brust auflaufen, als mit einem Großkreutz. Nebenbei bemerkt, der Kevin ist mir lieber, als diese handelsüblichen, stromliniengetreuen Phrasendrescher. Geschmackssache halt.

Essen startete mutig, auch wenn sich brandgefährliche Torszenen erst nach gut einer Viertelstunde ergaben. Endres scheiterte am Uerdinger Keeper Königshofer. Die Gäste trafen in der 22.Minute nur das Außennetz.
Der bis dahin unauffällig agierende Oguzhan Kefkir, sorgte für den nächsten Aufreger. Erneut konnte Königshofer klären.

Wenige Zeigerumdrehungen weiter, war er aber machtlos. Diesmal zielte Kefkir genauer. Mit einem wahren Kunstschuss beförderte er den Ball in den rechten oberen Winkel.

Ich hab gar nicht mitgekriegt, dass der Torschütze keine Jubelarien vorführte (Respekt). Dafür ging es auf den Rängen einfach zu herzlich zu. Wildfremde und altbekannte Leute lagen sich in den Armen. Die obligatorischen Stauder-Duschen prasselten auf das schüttere Haupthaar.

Scheiß egal. So spielt man Fußball in Essen!

Rot-Weiss ließ die Kugel gekonnt laufen. Der KFC musste den Gegentreffer erstmal verdauen.
Die letzten 10 Minuten vor dem Pausentee verlagerte sich das Geschehen allerdings mehr und mehr in die Hälfte der Essener.
Konter wurden nicht mehr gefahren.

Gefährlich vom Spielstand her, glücklicherweise waren die Angriffsbemühungen der Gäste nicht ganz so gefährlich. Mehr als „Halbchancen“ sprangen nicht heraus.

Halbzeitpfiff. Von Beifallsstürmen und Gesängen begleitet, verließen die Akteure den bestens bespielbaren Rasen.

Keine Ahnung, ob Krefelds Mäzen und 1.Vorsitzender, Mikhail Ponomarev, sich gefährlich der Gästekabine näherte, die Spieler des KFC kehrten jedenfalls verdammt früh auf das Spielfeld zurück.

Essen nun mit dem Vorteil, auf ihre WEST zu spielen. Das setzt meist nochmals, ein paar Prozente mehr an Offensivepower frei.

Dennis Grote schien es besonders zu beflügeln. Der ruhende Pol im Essener Mittelfeld, wechselte in die Rolle des torhungrigen Stürmers. Gleich dreimal sorgte er für Torgefahr, leider ohne zählbaren Erfolg.

Die spielerische Überlegenheit wurde mit zunehmender Spielzeit immer deutlicher. Doch das zweite Tor wollte nicht fallen.

In der 68.Minute war es dann soweit. Dorow, mit einer Energieleistung, spielt auf den freistehenden Enders, der trocken zum 2:0 vollendet.

Clever reiße ich meinen Kopf mit geöffnetem Mund nach hinten, und Jubel-Stauder füllt den Gaumen.Unbeschreiblich, was sich auf den Rängen abspielt.

Apropos, Dorow und Endres. Hat sich da etwas ein Pärchen gefunden? Nicht zum ersten Mal bewiesen sie, wie gut sie harmonieren.

Ähnlich wie in Halbzeit eins, drosselte die Titz-Elf gegen Ende hin, ihre Angriffsbemühungen. Gewollt oder ungewollt, kann ich nicht beurteilen.

Krefeld bemühte sich zwar redlich, mehr als der Anschlusstreffer ihres Holländischen Neuzuganges, Tom Boere, gab es aber an der Hafenstraße (diesmal) nicht zu holen.

RWE zieht verdient in die nächste Pokalrunde ein. Sie waren spielerisch (!!!) und auch läuferisch dem Drittligisten überlegen. Besonders freue ich mich für Daniel Heber, der eine bärenstarke Partie ablieferte. Manchmal zahlt sich Vertrauen eben aus.

Danke, dass ich dabei sein durfte! 

Fazit: Die drei Punkte können noch entscheidend werden 😊

Hackerangriff aus Uerdingen?

Wenige Tage vor dem brisanten Niederrheinpokalduell zwischen dem Viertligisten Rot-Weiss Essen und dem klassenhöheren KFC Uerdingen, steht ein ungeheurer Verdacht im Raum:

Russische Hacker versuchten Taktikvorgaben von Titz zu erbeuten

RWE Vereinsboss Marcus Uhlig will sich derzeit dazu nicht öffentlich äußern, versicherte in einem Telefonat allerdings, die Vorwürfe umfassend zu prüfen und ggfs. juristische Schritte einzuleiten.

Aufsichtsratsvorsitzender André Helf erbost: „Sollte sich der schlimme Verdacht bestätigen, werden wir umgehend Anklage erheben, damit den ….ich sag bewusst, K R I M I N E L L E N, die volle Härte unseres Rechtsstaates zu spüren bekommen“.

Aufgeflogen ist die Sache während der Partie der Rot-Weissen in Oberhausen.

Auf der Tribüne sitzend, funkte Co-Trainer Lars Fleischer seine Auffälligkeiten zur Essener Trainerbank.

„Die Tonverbindung war ungewöhnlich schlecht, um es deutlicher zu sagen, unter aller Sau war sie. Meine Durchsagen kamen, wenn überhaupt, nur lückenhaft an. In der Halbzeitpause spielte mir Assi André Kilian mein Gestammel vor. Erschreckend. Jetzt war mir klar, weshalb Christian nicht vorher reagierte und keine taktischen Veränderungen vornahm.“

Nach Encodierung und Nachbearbeitung der Tonspuren, legte man dem Cheftrainer die wichtigsten Informationen stichwortartig vor, so dass praktisch mit dem Wiederanpfiff doch noch entsprechende Maßnahmen erfolgen konnten.

Besser wurde die Verbindung zunächst nicht. Erst als sich der Nebenmann des eingefleischten Vegetarier Lars Fleischer von seinem Sitzplatz entfernte, stand die Leitung in gewohnt hervorragender Qualität.

Fleischer: „Ich bin mir sicher, dass es sich bei dem mysteriösen Sitznachbarn um den Präsidenten vom KFC Uerdingen, Herrn Porno…äh, …. Pommo …. äh,…. Ponomarev handelte“.

Der Beschuldigte will sich zu den Vorwürfen öffentlich nicht äußern, lässt über seine Anwälte allerdings verkünden, seinerseits gegen jede einzelne verleumderische Beschuldigung nicht nur juristisch vorzugehen. „Wir werden eine einstweilige Unterlassungsverfügung erwirken“, so Rechtsbeistand Knüppel-Fallenbäck.

Dem ehemaligen Sicherheitsbeauftragten der Uralten, Sir Manni, wurde ein Foto zugespielt, das den „Täter“ entlarven soll.

Wer kennt diesen Mann? Handelt es sich tatsächlich um die von Lars Fleischer beschuldigte Person?

 

Hinweise, die zur Sicherung von Beweisen und zur Verurteilung des Täters führen, bitte per Brief an die Unkaputt-Bar oder an jede Polizeidienststelle senden.  Zur Belohnung ist eine „Pokal-Runde-Weiter“ ausgelobt worden.

 

 

Der nächste Schritt

Diese Saison stellt alles Dagewesene der letzten Jahre auf den Kopf. Ich kann mich nur noch ganz schwach daran erinnern, das Niederrhein-Stadion Oberhausen mit einem Lächeln verlassen zu haben.

Was jucken mich die flachen Stufen in der Kanalkurve, wenn der Sieg hoch ausfällt?!

Oder war ich in Fürth? Sah jedenfalls so aus. Die RWOler zwar in Fisherman-Friends-Green. Doch am Ende zu schwach für die chilligen Rot und Weißen von der Hafenstraße 97A.

Gerne hätte ich den Auswärtsdreier mit mehr als schätzungsweise 4000 RWE-Fans gefeiert, doch für die Boykotteure dieser Partie habe ich vollstes Verständnis.

Im Nachhinein bin ich aber froh, live dabei gewesen zu sein. Alles ohne Strapazen und überaus bequem, dank „Ali bin Abholer“, dessen Bord-Crew, bestehend aus Super Driver, Hybrid-Hürthi sowie Sir Manni, vor Fachkompetenz nur so strotzte.

Hochqualifiziertes Personal schickte auch „Superhirn“ Christian Titz auf den Rasen. Einen sogenannten Stoßstürmer suchte man vergebens.

Kein Platzek, kein Selistha. Stattdessen schenkte Kautsch Titz, Jan-Lucas Dorow und Joshua „Tree“ Endres sein Vertrauen. Ein Versuch, aus der zweiten Reihe die Hünen in der Oberhausener Hintermannschaft in Verlegenheit zu bringen? Tippe ich mal.

Kapitän Kehl-Gomez durfte wieder von Beginn an ran, der doch ziemlich holprig, von beiden Seiten nervös ablief.

Nach gut einer viertel Stunde Spielzeit deutete RWE an, was gehen könnte. Der erneut überragende Kevin Grund bediente den völlig freistehenden Kehl-Gomez von rechts, doch der Kapitän zirkelte den Ball aus kurzer Distanz über das Tor. Kein Vorwurf, der Ball tickte kurz vorher leicht auf, war sehr schwer zu kontrollieren. Die Szene konnten wir ausnahmsweise glasklar verfolgen.

RWO für eine Heimmannschaft ziemlich verhalten. Mehr Langholz, als Ballstafetten. Gefährlich wurden sie lediglich dank tatkräftiger Unterstützung der Essener. Immer wieder unterliefen den Gästen haarsträubende Abspielfehler. (Endres Heber).

Glück für Rot-Weiss, als Oubeyapwa nach einer halben Stunde an Lenz vorbei zum 1:0 für die Hausherren einschob. Abseits! So entschied jedenfalls Schiri Steffens.

Videobeweise gibt es in der Regio nicht. Laut verschiedenen Quellen, eine Fehlentscheidung. Ich halt mich erstmal zurück bei der Beurteilung dieser Szene.  So blieb es zunächst beim torlosen Unentschieden.

Praktisch mit dem Pausenpfiff fast noch der Führungstreffer für RWE, doch Endres verdaddelte aus kurzer Entfernung.

Zweite Halbzeit, neue Taktik. Neues Drehbuch.

Wirtz macht den Joker. Sauerland (mittelprächtige Leistung) nimmt auf der Bank Platz.

Die dollen zehn Minuten aus Essener Sicht beginnen. Endres – Pfosten. Wirtz drückt das Spielgerät aus dem Gewühl über die Linie. 1:0 für Essen!

Drei Minuten später köpft Enzo Wirtz den Ball völlig freistehend in die Maschen. 2:0!

Wo waren eigentlich die langen Kerls der Oberhauseneraner?

Soll mir egal sein. Dem RWE-Anhang sowieso. Der Jubel kannte keine Grenzen.

Dagegen zeigten die Rot-Weissen, der Terranova-Elf ihre spielerischen Grenzen auf. Die gesamte zweite Halbzeit dominierte NUR DER RWE.

Nur einmal unterbrochen, als Steinmetz mit einem Heber versuchte, Keeper Lenz zu überlisten. Doch der ließ sich nicht überraschen.

Stattdessen schraubte RWE das Ergebnis in die Höhe. Der eingewechselte“ Adiole“ Adetula vollendete mit einem strammen Schuss ins lange Eck zum 3:0.

Deckel drauf – Sieg!

Die Überlegenheit in der zweiten Hälfte wäre durch mögliche Treffer von Kefkir und Wirtz in den Schlussminuten auch zahlenmäßig fast noch deutlicher ausgefallen.

Nach so einem Auswärtssieg fällt es mir schwer, auf die Euphoriebremse zu treten. Wenn ich was zu meckern habe, dann ist es die unverhältnismäßig hohe Fehlerquote bei den Abspielen. Gib Bruder Leichtsinn keine Chance!

Aber wer will schon Perfektion? Wir reden hier immer noch von Rot-Weiss Essen! Von einem Viertligisten. Ist eh schon alles unheimlich, was aktuell abgeht.

In der Haut des Pokalgegners aus Uerdingen möchte ich jedenfalls nicht stecken.

Bis baldigst, bis spätestens Freitag.

Projekt Rückholaktion

Manchmal gehen Wünsche tatsächlich in Erfüllung.

Jahr für Jahr erhoffte, nein sehnte sich die gesamte RWE-Fangemeinde nach einem gelungenen Start in die Saison. 

Und Nu? Nu erleben wir geradezu einen Traumstart der neu zusammengestellten Mannschaft von der Hafenstraße 97A.

Über 12.000 Menschen – die obligatorische 07 am Ende einer offiziellen Zahl, darf natürlich nicht fehlen – waren sich einig: Der RWE wieder da! Da, wo er nach Meinung der Anhängerschar hingehört, nämlich ganz weit oben!

Es spricht sich langsam herum, im Stadion Essen kannst Du Fußball pur erleben. Alte Leidensgenossen erinnern sich, pilgern nach und nach wieder zu ihrem Verein. Projekt “Rückholaktion” ist im vollen Gange.

Spitzenreiter, Spitzenreiter – Heroes, just for one day? 

Eine schöne Momentaufnahme. abgerechnet wird zum Schluss.

Doch es läuft (fast) alles nach Plan. Eine Menge Pläne scheint Kautsch Titz parat zu haben. In jedem Spiel überrascht er nicht nur mich aufs Neue.

So auch diesmal, als die Aufstellung für die Partie gegen den Nachbarn aus Bochum 6 verkündet wurde.  Neuzugang David Sauerland anstelle von Kapitän Marco Kehl-Gomez in der Startelf. Erstaunlich, auch vor dem Hintergrund, weil der bisher eher unsicher wirkende Daniel Heber eine weitere Chance bekam, sich auszuzeichnen. Und er tat es, überzeugte seinen Trainer und auch die Zuschauer.

Essen legte los wie die Feuerwehr, presste früh, ließ Wattenscheid keine Zeit für Gegenangriffe. Kefkir verursachte früh einen Jubelsturm, doch sein Schuss traf lediglich das Außennetz. Die erste Stauder-Dusche war trotzdem fällig.

Wenige Zeigerumdrehungen weiter, zirkelte Kefkir den Ball nach blendender Vorarbeit von Josuha Endres, unhaltbar zur 1:0 Führung in die linke untere Ecke des Wattenscheider Gehäuses. Keeper Kraft war chancenlos. Wattenscheid insgesamt bis dahin ebenfalls.

Nun begann eine Phase, die verdeutlicht, wie unterschiedlich das Geschehen auf dem grünen Rasen bewertet wird.  Für die einen agierte Rot-Weiss wie eine Spitzenmannschaft, gekonnt, ruhig, kontrolliert, jederzeit bereit, blitzschnell auf Angriff umzuschalten. Andere wiederum bemängelten, dass die Heimelf mit „angezogener Handbremse“ zu werkeging, das Tempo nicht mehr so hochhielt. 

Ich tendiere eher zu dem Erstbeschriebenen. Wie aus dem Lehrbuch wurden einige Konter gefahren. Ein weiterer Treffer lag nicht nur einmal in der Luft. Doch Dorow´s Stärken liegen halt nicht in der Luft, er ist nun mal kein Kopfballungeheuer. Da auch der ansonsten ungeheuer fleißige Platzek kein Schussglück besaß, musste man zum Ende der ersten 45 Minuten trotz Überlegenheit froh sein, nicht den Ausgleich kassiert zu haben. Zwei Großchancen (unter anderem ein Pfostentreffer durch Yesilova) kurz vor dem Halbzeitpfiff, hätten den Spielverlauf auf den Kopf stellen können.

Haben sie aber nicht.

Nach dem Wiederanpfiff sortierten sich beide Teams neu, schalteten in den Abwarte-Taktik-Modus. Vor und in den Strafräumen tat sich äußerst wenig. Wattenscheid hielt dadurch die Partie offen.

CT versuchte neuen Schwung einzuwechseln. Bichler für Endres und Dahmani für Platzek. Diesmal änderte sich am Spielgeschehen nicht wirklich viel.

Doch alle guten Dinge sind Drei. In der 75.Minute durfte Marco Kehl-Gomez mitwirken und keine zwei Minuten später erzielte der Abwehrrecke das vielumjubelte 2:0. Aus dem Gewühl heraus stocherte er die Kugel über die Torlinie.

Diesmal fiel die Stauder-Dusche um einiges ergiebiger aus.

Fast wäre dem Kapitän ein weiterer Treffer gelungen. Ob sein Kullerball im vollen Umfang die Torlinie überschritten hatte, konnte von der WEST aus betrachtet, nicht glaubwürdig behauptet werden.

Die Gäste hätten ihrerseits den Anschlusstreffer erzielen können, doch Lenz konnte die Eins gegen Eins Situation für sich entscheiden. Ein großartiger Safe, wie der Eishockey-Fan zu sagen pflegt.

Viel Aufregendes passierte dann nicht mehr. In der 93. Minute ein ernsthafter Pfiff von Schiri Ernst und der Sieg der Rot-Weissen war perfekt, die Fans aus dem Häuschen. Nur nach Hause wollten sie nicht.

Solche Erfolgserlebnisse müssen einfach ausgekostet werden.

Spieler des Tages für mich Kevin Grund, Daniel Heber sowie erneut Dennis Grote. Einen wirklichen schwachen Spielerauftritt konnte ich nicht ausmachen, wohl aber eine zeitweise zu passive Spielweise. Das hat mir nicht gefallen, weil sie die zwar tapfer mitspielenden, aber dennoch unter dem Strich harmlosen Wattenscheider die Chance ließ, einen Punkt mitzunehmen.

Vielleicht bin ich aber auch schon zu verwöhnt.

Die Mannschaft und der Trainer wurden zurecht gefeiert. „Titz, Titz, Titz, schallte es aus tausenden Kehlen durch das Stadion.

Wer von denen wird irgendwann mal „Titz raus“ schreien? Ich hoffe, niemand.

 

 

Man kann nicht immer gewinnen

Wo ist Kachelschlampe Karpi?

Dieser Weg, wird kein leichter sein. Jeder der siebenköpfigen Reisegruppe im „Dirty Harry-Luxus-Liner“, war sich darüber im Klaren.

Kein Wunder, bei über 400 Jahren Lebenserfahrung, davon mindestens 300 Jährkes RWE-Fan-Dasein.

Mittlerweile wissen die Rot-Weiss Anhänger, wo die Spielstätte dieses aufstrebenden, aber unsympathischen Verein, zu finden ist. Selbst wenn das Navi streikt. Ich habe vollstes Verständnis für das Navi.

Rödinghausen und seine Eingeborenen sind mir einfach zu arrogant. Warum, weiß der Henker oder der Häcker.

Der guten Laune tat das keinen Abbruch. Auch die strengen, zähen Sicherheitskontrollen konnten daran nichts ändern. Im Gegenteil, der Spaßfaktor erhöht sich um einiges, wenn man trotzdem ein komplettes Essbesteck – also inclusive Messer – mit ins „Stadion“ schmuggeln kann. Sowas schafft unser Dirty Harry mit Links. Okay, dafür schleuste er anstelle seines, den äußerlich nicht voneinander zu unterscheidenden Turnbeutel von Super Driver auf die Stehgerade. Aus diesem Stoffsack, zauberte Harry keinen Knüppel oder UU-Banner heraus, sondern eine modisch schicke, anschmiegsame rote Regenjacke. Es kommt also doch auf die inneren Werte an, manchmal jedenfalls. 

Schadenfreude ist die schönste Freude. Ich hab mich jedenfalls köstlich beömmelt. Kachelschlampe Karpi, Pidder Dahl. Immerwiederrwe Arnd, Sir Manni, Super Driver Achim sowie Steuermann Harry, hör- und sichtbar nicht minder. Es hing zwar kein Banner am Zaun, aber ein Pferdehalfter an der Wand. Darauf kommts an, das ist wichtig, wie auf´n Platz!

RWE  in der Anfangsphase mit deutlich mehr Ballbesitz und Spielanteilen.Das war trotz eingeschränktem Sichtfeld, deutlich zu erkennen. Die Heimelf zog ein dichtes Abwehrbollwerk auf, lauerte auf Fehler der Essener, um dann ihr gefürchtetes Konterspiel durchziehen zu können.

RW Essen fand keine Lücken, jegliche Offensivbemühungen wurden im Keim erstickt. Das schnelle Umschaltspiel der Rödinghauseraner blieb zwar zunächst ohne zählbaren Erfolg, sorgte aber dafür, dass Essen vorsichtiger auftrat.  Man war gewarnt.

Lenz parierte nach gut 20 Minuten einen Schuss bravourös. In der 24. Minute war er machtlos. Engelmann zog eiskalt und platziert den Ball ins lange Eck. Ein Tor der Marke gekonnt, wenn auch unter tatkräftiger Mithilfe der Essener Hintermannschaft.

Lediglich eine einzige Torchance in der ersten Hälfte blieb mir in Erinnerung. Ein strammer Schuss von Condé, verfehlte nur denkbar knapp das Tor des SVR. Mehr war da nicht. Ich will nicht meckern, aber ich fand den Auftritt insgesamt dürftig.

Die Maßnahme, Kefkir nicht in die Startelf zu beordern, korrigierte Christian Titz in der Halbzeitpause. Essens neuer Publikumsliebling fiel wohl taktischen Überlegungen zum Opfer. Nach hinten arbeiten, gehört halt (noch) nicht zu seinen Stärken.

Der Spielstand und die offensichtliche Harmlosigkeit vor dem Strafraum, zwangen unseren Kautsch zum Handeln. Bereits nach 2 Minuten zahlte sich die Einwechslung aus. Im Stile eines Könners, bugsierte Kefkir den Ball unhaltbar an Heimann vorbei, zum 1:1 Ausgleich.

Riesenjubel beim Essener Anhang. Ein Käfig voller freudetrunkener und friedlicher Narren. Keineswegs negativ gemeint.

RWE nun die tonangebende Mannschaft. Auf den Rängen sowieso. Hartumkämpft war die Partie, keine Frage. Hauptsächlich spielte sich das Geschehen allerdings zwischen beiden Strafräumen ab.

Essen ließ kaum noch etwas anbrennen. Trotzdem wäre der Schuss fast nach hinten losgegangen, doch Marcel Lenz bewies einmal mehr, warum er aktuell die Nummer Eins im Kasten der Roten ist. Mit einem hervorragenden Reflex verhinderte der den zweiten, möglicherweise spielentscheidenden Treffer für Rödinghausen. Meyer scheiterte.

Als sich Amara Condé kurz vor Ende der Partie das Leder zurechtlegte, um den Freistoß aus aussichtsreicher Position auszuführen, dachte nicht nur ich an das Spiel gegen den BVB II. Doch diesmal verfehlte er das Ziel um wenige Zentimeter.

So blieb es beim gerechten Unentschieden.

Damit kann, damit muss ich leben. Rödinghausen war unangenehm zu spielen. Die werden bis zum Ende oben mitmischen. Davon bin ich überzeugt. Die Mannschaft ist auf jeden Fall besser, als das Umfeld.

RWE hat nicht enttäuscht, aber auch nicht begeistert.

Begeistert war ich von der Fahrt an sich. Alles stimmte. Fahrzeugführer Harry fuhr wie an der Schnur gezogen, von Karpis und Bratkartoffelverhältnis Birgit ihnen ihre Frikadellen schwärmen selbst Vegetarier. Super Drivers Schokoküsse (Achim, wie heißen die Dinger nochmals in voller Länge? 😊 ), waren fast so süß, wie der “Rudolph Moshammer-Gedächtnis- Riesen-Pudel” auf dem Rastplatz. Mit Dogs kennt sich Pidder Dahl aber besser aus.

Insgesamt eine herausragende Reise. Gemeinsam sind wir stark. Das gilt natürlich auch für Rot-Weiss Essen.

Freitag wird das Flutlicht wieder eingeschaltet. Wer kann da schon widerstehen?

 

Hauptsache immer einmal mehr

Es gibt Spiele, wo man besser erstmal eine Nacht drüber schlafen sollte, bevor man seine Fan-Meinung der Allgemeinheit präsentiert. Gilt vor allen Dingen nach Niederlagen oder miserablen Darbietungen seines Teams.

Heute muss es sofort raus, ich will nicht länger warten.

DIESE ZWEITE HALBZEIT, WAR DAS BESTE SEIT JAHREN, WAS ICH VON ROT-WEIS ESSEN GESEHEN HABE!

Sollte irgendwann mal wieder die Frage gestellt werden, was stellst Du Dir unter Hafenstraßenfußball vor, dann antworte ich: Zieh Dir die zweite Hälfte vom Spiel gegen die verdammt starken Kölner U21 rein.

Dieser unbändige Siegeswille, diese Lauf- und Kampfbereitschaft und auch dieses Glück, praktisch mit dem Schlusspfiff erneut für ein Happy-End zu sorgen, das ist RWE, das ist Hafenstraße pur.

Danach sah es allerdings zunächst gar nicht aus.
Erste kleine Enttäuschung, die Zuschauerresonanz. Okay, für ein Viertligaspiel sind 9200 Besucher eine echte Hausnummer. Das ist Jammern auf hohem Niveau. Ich weiß. Doch nach den beiden Auftaktsiegen und einem keineswegs unattraktiven Gegner, waren 10.000 plus von die meisten Anhänger vorhergesagt worden. Schade, dass ich mit meiner Prognose richtig lag. Gel Sir?! 😊

Die ersten Spielminuten neutralisierten sich beide Mannschaften zwischen den Strafräumen. Die Zweikämpfe wurden allerdings von Beginn an hart, manchmal auch überhart geführt. U-Mannschaften wollen halt nicht mehr nur spielen.

Essens Kapitän Kehl-Gomez nahm den Kampf an, foulte nach Meinung von Schiri Scheper allerdings gelbwürdig.

Das 0:1 in der 14.Minute ging zu 50% auf die Kappe von Daniel Heber. Er vertändelte den Ball, die Kölner nutzten den Schnitzer eiskalt und konsequent aus. Özcan vollendete per Flachschuss.

Schon jetzt war klar, nur mit bedingungslosem Einsatz, könnte ein Sieg eingefahren werden. Mit angezogener Handbremse zu spielen, würde gegen diesen starken Gegner nicht ausreichen. Von daher nahm Kautsch Titz vorsichtshalber seinen verlängerten Arm vom Feld, bevor es der Schiedsrichter tat. Meine Vermutung. Für ihn kam Bichler. Wenige Minuten später tauschte er noch Dorow für den bis dato schwachen Marcel Platzek.

Zwei Maßnahmen, die sich mitentscheidend auf den Ausgang der Partie auswirkten. Kann man so sehen, wird wohl auch so sein. Zur Ehrenrettung der Vorgänger von CT, darf aber nicht unterschlagen werden, dass auf der Auswechselbank, so gut wie keine Optionen vorhanden waren.

Das bis zu diesem Zeitpunkt Dargebotene, erinnerte stark an zahlreiche Auftritte der letzten Jahre. Keine einzige Torchance wurde herausgespielt. Fehlpässe zu Hauf, ziemlich unattraktives Gekicke.

Doch eine einzige Szene änderte alles in diesem Spiel.

Dorow passte auf den in der Mitte freistehenden Endres. Ausgleich!

Sofort setzten die Essener nach. Köln wackelte. Der Halbzeitpfiff stoppte den Elan der Heimelf.

Nach dem Wiederanpfiff folgte das, was weiter oben geschrieben steht. Eine beeindruckende Energieleistung des neuen Spitzenreiters der Regionalliga West. Lediglich gegen Ende der Partie konnten sich die Gäste von dem Druck der Rot-Weissen ein wenig befreien.

Der bärenstarke Alex Hahn ließ zwischenzeitlich per Freistoß die Latte des Kölner Gehäuses erzittern, das Stadion zum Beben brachte dann Jan-Lucas Dorow, der nach einer Ecke irgendwie an den Ball kam und zum 2:1 Sieg einnetzte.

Dieser erneute Last-Minute Sieg fühlt sich einfach mega geil an. Spitzenreiter für einen Spieltag? Kann sein, wichtig ist am Ende der Saison.

Die Ergebnisse der Konkurrenten sind Warnung genug. Verl und Rödinghausen im DFB-Pokal, Wuppertal und RWO in der Liga. Was kann, was wird das für eine Hammer spannende Saison.

Ich hab nix dagegen. Im Gegenteil