Auf Wiedersehen und Tschüss

Tschüss Reinhard Grindel, Goodbye Rot-Weiss Essen.

Während ich das Ausscheiden des Ethik-Funktionärs (hahaha) mit großer Freude vernommen habe – seine Zeit war trotz Luxus-Uhr schon lange abgelaufen – zerrt das Pokal-Aus von RWE deutlich heftiger an meinen Nerven, als gedacht.

Denn irgendwie bin ich es leid, wenn Pokalspiele eine verkorkste Saison retten sollen. Funktioniert nicht mehr. Und doch, als ich auf der „West“ stand, die silbernen und roten Fähnchen (Danke an die Initiatoren von der „Westtribüne“) zu „Adiole“ geschwungen wurden, überkam mich dieses unbeschreibliche Kribbeln. Der RWE-Virus ist einfach unkaputtbar. Aber dieser Verein macht ebenso kirre.

Bereits nach 6 Minuten der erste Dämpfer. Fehlpass Benny Baier – Beisters Schuss wurde abgefälscht – Heller dadurch auf den falschen Fuß erwischt, der Ball sprang von seiner Brust nach vorne – Aigner staubte ab.

0:1 – Fakt.

Publikum und Mannschaft ließen sich nicht beirren. Essen mit mehr Spielanteilen und auch guten Torchancen. Scepanik´s Schuss lenkte Gäste-Keeper Benz um den Pfosten. Wirtz verpasste denkbar knapp. Riesenglück für Uerdingen, als Verteidiger „Arche“ Noah nur die Latte traf.

In der für mich stärksten Phase der Essener, tauchte der KFC zwei, dreimal brandgefährlich vor dem von Robin Heller gehütete Tor auf. Zunächst scheiterte Beister im Duell Mann gegen Mann, später verzog er knapp.  

Die Entscheidung bereits in der 40. Minute. Heller nahm einen Rückpass von Zeiger auf, zögerte und wollte den heraneilenden Aigner ausspielen, was in die Hose ging. Beister schob die Kugel an den Pfosten. Den Abpraller verwertete Krempicki.

0:2 – Fakt!

Auch ohne Rot-Weiss Brille auf, in dieser Szene hätte Schiedsrichter Heien gut und gerne auf Foul entscheiden können. Es ändert aber nichts daran, dass der Treffer Robin Heller angekreidet werden muss. Völlig unnötige Aktion von ihm.  

Nach dem Seitenwechsel passierte nichts dramatisches mehr. Uerdingen im Verwaltungsmodus, die Neitzel-Elf redlich bemüht, aber ohne jeglichen Biss, ohne Zug zum Tor. Ich bin felsenfest davon überzeugt, ein jämmerliches Törchen hätte das Stadion zum Beben gebracht. Die Partie noch zu drehen, war keineswegs utopisch.
Leider reichten die Mittel dafür nicht aus.

Pokalfight geht anders.

Schade, ärgerlich, aber es ist, wie es ist.

Diese Saison ist nicht mehr zu retten. Ich muss es akzeptieren. Wenn die Mannschaft wenigstens noch einige gute und erfolgreiche Meisterschaftsspiele absolviert, dann bin ich schon zufrieden. Mehr kann man nicht (mehr) erwarten, mal ganz emotionslos betrachtet.

Hoffnungen beruhen u.a. auf solche Gönner wie dem neuen Haupt- und Trikotsponsor HARFID, welcher Rot-Weiss Essen finanziell tatkräftig die nächsten zwei Jahre unterstützen wird. Wie tatkräftig ist allerdings nicht bekannt. So oder so, herzlichen Dank, Herr Hadrovic!  Sicherlich wird auch die Vermarktungsagentur Lagardère Sports, an diesem Engagement mitverdienen. Sind ja keine Ehrenamtler.

Jetzt trink ich erstmal eine weitere Tasse Kaffee, denn ganz hab´ ich den Kaffee trotzdem noch nicht auf.

Auf RWE, auf nach Aachen.

Strategie geht auf

Olly Kahn kann einpacken, von wegen „Eier, wir brauchen Eier“. An der Hafenstraße 97A haben wir jetzt Supapimmel! Dazu die nächsten zwei Jahre jeweils mindestens eine Million Euronen. Eine Menge, Menge Geld, gerade für einen Viertligisten. Und für mich erstmal.

In diesem Zusammenhang fällt mir der Transfer von Hernandez zu Bayern München ein. Sascha Peljhan, großzügiger Strategischer Partner, müsste 80 Jahre lang Rot-Weiss Essen im gleichen Maße wie angekündigt unterstützen, dann könnte sich der Verein auch so einen Spieler leisten. Vorausgesetzt, man rührt das Geld nicht an. Was für ein Irrsinn, was für Auswüchse, dieses heutige Fußballgeschäft.

Sei´s drum. Es ist eine richtig gute Nachricht für den Verein und das Umfeld.

Sascha Peljhan sei Dank!

Er hat in seinem bisherigen Berufsleben bewiesen, dass er sich durchsetzen kann. Mutig, ehrgeizig, zielstrebig und frech. Welche Eigenschaften man ansonsten noch mitbringen muss, um im Haifischbecken Modebranche zu überleben, weiß ich nicht.

Ich weiß nur, was mir vorgesetzt wird.  Und ich weiß auch, dass RWE-Fan Peljhan, als Geschäftsführer der PI Verwaltung GmbH aufgelistet ist.

Wie und was er mit seinem Geld macht, geht mich eigentlich nichts an, aber viel bessere Gründe, als es in den Verein zu stecken, fallen mir spontan nicht ein.

Wohlmöglich ist der Kontakt zu Markus Uhlig über die „Essener Chancen“ hergestellt worden. Dort sitzt Sascha Peljhan im Beirat. Nur mal so nebenbei.

Ein strategischer Partner ist allerdings kein Sponsor. Ein kleines Türchen hat sich der umtriebige Geschäftsmann offengelassen. Ist RWE erfolgreich, fließt wenigstens ein Teil des investierten Geldes zurück in seine Hände. Ein fairer Deal, wobei das Risiko einseitig auf seinen Schultern lastet.

Weitere Details der Partnerschaft sind bisher nicht an die Öffentlichkeit gedrungen. Ungewöhnlich bei diesem Club. Nicht nur die Insekten, auch Maulwürfe scheinen vom Aussterben bedroht zu sein.

Die weiteren Aussichten:

Trikot-Sponsor

Sportlicher Leiter

Liest sich sehr gut. Das Wetter wird auch besser. Fürs Wetter kann er nix, aber hinter den Kulissen scheint Markus Uhlig mit seinem Team richtig gute Arbeit zu leisten.

Bekloppt machen lasse ich mich von all den positiven Schlagzeilen trotzdem nicht. Wichtig ist immer noch auf´n Platz!

Zum Schluss, DANKE an alle sogenannten „Klein-Sponsoren“ und Fans von Rot-Weiss Essen. Ohne Euch gäbe es den Verein gar nicht mehr.

Wir sehen uns anne Hafenstraße 97A. Wenn´s geht, bereits am Samstag gegen die kleinen Fohlen!

Wochenrückblick

Montage – ich meine den Wochentag – mögen nicht viele Menschen, vor allen Dingen Berufstätige nicht.  Und Post vom DFB bedeutet in der Regel auch nichts wirklich Erfreuliches.

Doch diesmal war alles anders, Von wegen Blauer Montag, er stand voll und ganz im Zeichen von Rot und Weiß.

RWE erhielt für seine hervorragende Arbeit im Jugendbereich, nach „eingehender Prüfung“ von externen Experten des DFB, einen Stern verliehen. Außergewöhnlich für Vereine unterhalb der dritten Liga. Ein solcher Stern ist umgerechnet 25.000€ wert. Soweit der finanzielle Aspekt. Für die Außendarstellung des Vereins sicherlich um einiges wertvoller. Danke an alle Beteiligten.

Für mich allerdings hat dieses Gütesiegel keine große Bedeutung, wie fast alles, was von dem dubiosen Verband kommt. Anstelle eines DFB-Sternes, hätte ich lieber einen U19-Stern am Fußballhimmel, der für RWE im Seniorenbereich leuchtet. Außerdem würde ich Jürgen Lucas und Vincent Wagner liebend gerne an der Seumannstraße wirken sehen. Sie wissen, wie RWE tickt und vor allen Dingen, wie erfolgreiche Nachwuchsarbeit geht.

„Wir sind aktuell dabei, die Pflöcke für diesen Plan einzuschlagen“. Worte von Frank Kurth, der nächste Saison das Projekt U23 federführend betreuen wird. Back tot he Roots, sozusagen.

Die Entscheidung klingt sympathisch, wird im Umfeld überwiegend positiv, teilweise gar begeistert, aufgenommen. Ich bin da skeptischer, vor allen Dingen, was die Durchführung angeht. Aufstiege sind auch in unteren Klassen keine Selbstläufer. Sicher ist nur, sie kosten Geld, Personal, geeignete Trainingsmöglichkeiten. Haben wir, hat der Verein davon genug in petto?

Vielleicht kann Marcus Uhlig das beantworten. Eines muss ich dem Vorstandsvorsitzenden lassen, er versucht derzeit alles, um gegen die negative Stimmung, gegen die Tristesse auf und neben dem Rasen anzukämpfen, will eine Aufbruchstimmung erzeugen. Unstrittig ist ihm bereits gelungen, RWE wieder in die Schlagzeilen zu hieven. Der Spannungsbogen wird garantiert noch bis zum 28. März hochgehalten, denn an diesem Tag, ab 19.07Uhr, soll der Name des Strategischen Partners, den anwesenden Sponsoren sowie der Öffentlichkeit verraten werden. Mein Favorit, Hochtief, scheint aus dem Rennen zu sein.

Wen interessiert da noch das Regio-Spiel im „Stadion“ an der Römerstraße zu Straelen?

Naja, immerhin gut 400 Rot-Weiss Fans, plus circa 1400 Einheimische und Zugereiste. Hoffentlich wird die Partie nicht so übel, wie es riecht, ging es mir kurz vor dem Anpfiff durch den Kopf. Gülle, Gülle, Gülle!

Kalle Neitzel musste die VERLierer-Elf notgedrungen ändern. Benny Baiers Muskel war noch geschlossen, dafür rückte Nico Lucas in die Startelf. Platzek und Wegner zum ersten Mal gemeinsam im Sturmzentrum.

Es sah zwar nicht alles, aber doch überwiegend gut und erfolgversprechend aus, was RWE in den ersten 45 Minuten ablieferte. Keeper Hellers Gehäuse kam so gut wie gar nicht in ernsthafte Gefahr.

Dagegen musste Straelens Schlussmann Ishibashi, mehrfach sein Können unter Beweis stellen. Wenn die Redensart, „er wächst an seinen Aufgaben“, seine Berechtigung hat, dann für den kleinen Japaner.

Lediglich bei Max Wegners Kopfball (39.) nach mustergültiger Flanke vom überzeugend spielenden Neuzugang „Arche“ Noah Korczowski, war Ishibashi machtlos.

Auch zu Beginn der zweiten Spielzeit änderte sich am Kräfteverhältnis auf dem Platz nichts Entscheidendes. Eine Vorentscheidung hatte der Torschütze zum 1:0 auf dem Fuß. Seine wohl verrutschte Ballabgabe landete am Querbalken, der Ball sprang von dort aus Scepanik vor die Füße, dessen Schuss jedoch geblockt wurde.

RWE in der Folgezeit weiterhin mit Feldvorteilen, doch nach vorne lief es nun nicht mehr so zwingend. Die Fans waren sich einig, noch sind die drei Punkte nicht in trockenen Tüchern.

Die Nachspielzeit hatte es in sich, der Ausgleichstreffer lag förmlich in der Luft. Gleich zweimal rettete Robin Heller den Auswärtsdreier, entschärfte die beiden Hundertprozentigen. Eine erstklassige Torhüterleistung!

Fazit: Es war sicherlich kein überragendes, doch zufriedenstellendes Auswärtsspiel der Essener.  Neben Heller, ragte Philipp Zeiger (nicht nur wegen seiner Körpergröße) aus einer insgesamt geschlossenen Mannschaftsleistung, heraus. Luft nach oben ist selbstredend reichlich vorhanden.

P.S. Kurz nach Beginn der Begegnung, verließ ein Teil der aktiven Essener Fan-Szene die Spielstätte. Zwei ihrer Kumpels wurde der Einlass verwehrt, weil angeblich die mitgeführten Fahnenstangen die erlaubten Höchstmaße überschritten haben sollen. Diese Angaben sind ohne Gewehr.

Kurz vor der Rückfahrt nach Essen versicherte mir ein Polizist, es sei alles friedlich verlaufen. Das ist das Wichtigste, für mich jedenfalls.

Foto geklaut von Kampfroboter Siggi Radschun

VERLierer

Wer, wie, was, wieso, weshalb, warum?  Wer nicht fragt bleibt dumm! Oder Du fragst den Grindel, dann bleibste auch dumm. Der antwortet halt nicht auf alle Fragen.

Für mich als RWE-Fan, ist das eigentlich egal. Wir spielen eh ganz andere Liga. Aber Fragen stelle ich mir auch, und zwar reichlich.

Z.B., warum tue ich mir sowas überhaupt an?

Woche für Woche, Monat für Monat, Jahr für Jahr, Jahrzehnt für Jahrzehnt.

Es gießt wie verrückt, eigentlich geht es um gar nix. Ist doch schnuppe, ob Platz sechs, sieben oder neun am Ende rausspringt. Aber da war ja letzte Woche der Auswärtssieg in Lippstadt. Klasse Leistung.
Wer weiß, vielleicht lohnt sich der Aufwand ja doch. Die Mannschaft ist garantiert heiß, den nächsten Dreier einzufahren.

Fast 5000 Menschen haben wohl ähnliche Gedanken, sich aufgerafft, um ihrem Lieblingsverein beizustehen.

Aufatmen schon vor dem Anpfiff bei Stadionsprecher Christian. Gästespieler Jonas Acquistapace fehlt verletzungsbedingt. Dagegen flutscht ihm der Name von RWE-Neuzugang „Arche“ Noah Korczowski geschmeidig und unfallfrei über die Lippen. Gekonnt ist gekonnt.

Anfangs sieht es auf dem nassen, aber insgesamt doch gut bespielbaren Rasen gar nicht so übel aus. Einsatz, Körpersprache, Laufbereitschaft, viel zu meckern gibt es nicht. Je länger allerdings das Spiel läuft, umso mehr passt sich die Geschehen dem trüben Wetter an.

Richtig gefährlich wird es nicht wirklich. Wie so häufig in dieser Saison, der letzte Pass kommt unpräzise, die Entschlossenheit vor dem Tor fehlt, die Angriffe werden nicht konsequent zu Ende gespielt.

Verl beschränkt sich überwiegend darauf, das eigene Tor zu verteidigen. Wenn ich es richtig in Erinnerung habe, so geriet das Essener Gehäuse nur einmal in Gefahr, als Verls Torjäger Yildirim (habe ich nachgelesen), abzog, Keeper Robin Heller aber auf dem Posten war und den Schuss entschärfte.

Kurz vor dem Pausenpfiff, Essens beste Torchance, aber Wegener passt überhastet im Sechzehner in die Beine des gegnerischen Abwehrspielers.

Halbzeitpfiff.

Naja, man hat schon schlimmere Auftritte an der Hafenstraße miterleben dürfen.

Aber es gibt ja noch eine zweite Halbzeit.

Bereits nach wenigen Minuten spürt der gemeine Fan, die Verler haben ihre Marschroute geändert, stehen nun höher, attackieren früh. Im gleichen Maße verringert die Neitzel Elf ihre Angriffsbemühungen. Das liegt meiner Meinung nach nicht alleine an der offensiveren Spielweise der Gäste. So wuchtig werden die Angriffe nun auch nicht vorgetragen. Auch die verletzungsbedingte Auswechslung von Kapitän Baier reicht als Begründung für den Bruch (wenn man es gut meint) im Spiel der Rot-Weissen nicht aus, jedenfalls nicht für mich. Bichlers Fehlen macht sich da schon eher, auf die gesamte Spieldauer gesehen, bemerkbar.

Es kommt, wie befürchtet. Keine Ahnung wie, aber in der 71.Minute liegt der Ball hinter der Essener Torlinie. Genau gesehen habe ich den Treffer nicht, wohl aber die sich anbahnende Niederlage.

Meine Hand ins Feuer lege ich auch nicht, ob der Elfmeterpfiff in der 83.Minute gerechtfertigt ist. Yildirim fällt im Strafraum – hat ihn Korczowski überhaupt berührt?  –  der Gefoulte oder Gestolperte verwandelt sicher. Es steht 2:0. Das ist Fakt.

Remmo und Platzek können die Wende auch nicht mehr erzwingen.

Die Heimpleite ist beschämend. Der Auftritt, vor allen Dingen in den zweiten 45 Minuten, erschreckend schwach.

Wütend war ich nur kurz. Kann diesen Auftritt nicht so recht in Worte fassen.

So langsam resigniere ich. Ist DAS wirklich der Verein, dem ich jetzt jahrzehntelang die Treue halte. Wo mich Leute in der U-Bahn wegen meiner RWE-Kluft, wie einen Außerirdischen anstarren?

Ich lass es jetzt lieber. Hau mich in die Falle, träume von alten Zeiten, wo auch längst nicht alles Gold war, was glänzte. Im Gegenteil.

Aber es war immer was los, wenigstens das.

Die Reise nach Lippstadt

Anfang September 2018, Hinspiel gegen Aufsteiger Lippstadt. Schluss mit lustig.  

Betriebsunfall, Ausrutscher, dachte man. Falsch gedacht. Der Anfang vom vorläufigen Ende. Es kam damals viel zusammen, unglückliche Umstände, wie man zu sagen pflegt. Hebers frühe Verletzung, frühes Slapstick-Gegentor, Prögers Platzverweis, Baiers verschossener Elfmeter in der 90. Minute. Das Wichtigste sollte aber nicht unerwähnt bleiben:  Lippstadt war die bessere Mannschaft. So hab´ ich es gesehen.

Ohne große Erwartungen und ohne Erwig-Drüppel, der wochenlang wegen eines Sehnenteilriss im Oberschenkel den Rot-Weissen fehlen wird, trat ich die Reise Richtung Sauerland……ähh, Ostwestfalen im Loddar-Fan-Bus an, der mit großen und kleinen Persönlichkeiten auf den Sitzen und in zahlreichen Kästen besetzt war.

Trotz der tabellarischen Bedeutungslosigkeit dieser Regio-Partie, trotz der April-Wetter-Kapriolen, offiziell 1300 Fußballfans – darunter gut 400 RWEler – wollten sich das Kräftemessen in der Liebelt Arena Lippstadt nicht entgehen lassen.

Beherrschendes Thema unter der Woche war die Meldung, Rot-Weiss Essen hat einen Strategischen Partner gefunden. Welche Strategie “Kautsch” Kalle Neitzel seinen Mannen gegen die zuletzt erfolgreichen Lippstädter mit auf den Weg gab, war ebenso noch offen, wie der Name des Unterstützers.

Geredet wurde genug, vor allen Dingen die Rot-Weiss Anhänger, egal ob zu Hause oder im Stadion, wollten endlich Taten sehen. Und sie bekamen eine Menge zu sehen.
Von Beginn an drückte die Neitzel-Elf aufs Tempo, ließ den Gastgeber erst gar nicht ins Spiel kommen.

Die Digitaluhr der Liebelt Arena (vielleicht eine Spende von Karl-Heinz Rummenigge?) zeigte erst die 7.Spielminute an, da landete der Ball bereits im Gehäuse der Lippstädter. Kapitän Benny Baier stand goldrichtig am zweiten Pfosten und erzielte den umjubelten Führungstreffer.

RWE ließ nicht nach in seinen Bemühungen, presste, ging hart, aber fair in die Zweikämpfe, suchte den Torerfolg. Und wurde belohnt. Boris Tomiak schob die Kugel unaufgeregt aus kurzer Distanz nach einer Ecke zur 2:0 Führung über die Torlinie.
Riesenfreude im Essener Lager.

Nicht nur wegen des Vorsprungs, vielmehr auch für den jungen Abwehrrecken, der lediglich aufgrund der Sperre von Philipp Zeiger in die Startelf rückte, Boris hat sich die Chance redlich verdient, er hat sie genutzt. Ich würde sofort mit ihm verlängern, aber mich fragt ja Keiner. Tippe, das neue Arbeitspapier ist bereits unterschriftsreif angefertigt worden.

Allerdings stellt sich die Frage, warum Winterneuzugang „Arche“ Noah Korczowski, erneut keine Berücksichtigung fand. Ich will das nicht kritisieren, interessiert mich nur mal so am Rande. Apropos am Rande, das frühe verletzungsbedingte Ausscheiden von Robin Urban, ist ein Wermutstropfen, beim an sich hervorragenden Auftritt der Rot-Weissen.

Nach dem Pausentee versuchte der Gastgeber seinerseits den Druck zu erhöhen. Es entwickelte sich ein kampfbetontes Spiel mit hoher Laufbereitschaft auf beiden Seiten. Doch irgendwie spürten die Zuschauer, heute geht nicht viel beim SV Lippstadt. Zwei, dreimal geriet das von Keeper Heller gehütete Tor in Bedrängnis. Das war´s aber schon.

Spätestens als Sturmtank Enzo Wirtz zum 3:0 abstaubte, war der Fisch gegessen. Naja, das Sprichwort mit dem Pferd vor der Apotheke ging dem einen oder anderen Essener Fan schon noch durch den Kopf.

Die Zweifel wurden in der Folgezeit spürbar kleiner, RWE spielte einfach zu dominant. Essens Anhang auf der Haupttribüne riss es förmlich von den Sitzen. Okay, hauptsächlich, weil sie die volle Breitseite der Sturmböen von Hagel, Regen und was weiß ich noch alles, abbekamen. Da hatten wir es auf der Steh besser und auch preiswerter.

Fazit: Alles richtig gemacht.

Wenn so die Essener Lösung aussieht, dann bitteschön.

Warum nicht immer so? Auch diese Frage ist berechtigt.

Man sieht es häufig im Pokalwettbewerb. Die vermeintlich schwächere Mannschaft wirft den hohen Favoriten aus dem Rennen. Fußballspielen können sie (fast) alle, aber wer Qualität mitbringt, kann Spitzenleistungen über einen längeren Zeitraum abliefern. Spitzenclubs, Spitzenspieler über die gesamte Saison hin.

Vielleicht ist das eine von mehreren Antworten?!

Der Sieg in Lippstadt tat gut. Die Probleme sind damit nicht verschwunden, aber man darf sich ja mal einfach so freuen dürfen.

In diesem Sinne,

Nur der RWE!

Foto geklaut von Reviersport, aber selbst bearbeitet. Das zweite, offizielle Uralt-Ultras-Banner kam aufgrund von Sturmwarnungen aus sicherheitstaktischen Gründen nicht zum Einsatz. “Die Verantwortung dafür kann ich nicht übernehmen”, erklärte Bannerbeauftragter Dirty Harry. Übrigens, die Uralt-Ultras gibt es noch. Lediglich meiner Einer ist kein Mitglied mehr.

Rot-Weisser Stammtisch

Der Montag ist mein Sonntag. An diesem Tag ruhe ich, manchmal auch in mir. Doch die aktuelle Lage um Rot-Weiss Essen lässt mir keine Ruhe, sie nervt, macht mich nachdenklich.

Gut, dass man Freunde hat. Also lade ich kurzerhand meine Stammgäste Salander, Gigolo, Anarcho und Gauda in die Unkaputt-Bar ein.

Motto: Ohh, RWE!

Noch lange vor den üblichen 19.07 Uhr sitzt die Theken-Mannschaft am rot und weiß geschmückten Stammtisch, wartet auf den Startschuss für die Gesprächsrunde.

„Freunde, ich will mal Eure Meinung zur aktuellen Lage von RWE wissen. Warum befindet sich der Verein augenscheinlich in einem desolaten Zustand? Lasst mal hören, wo liegt der Hase begraben?

Ich will die Welle, Gigolo fängt an!“

Mit diesen Worten eröffne ich die Fragerunde.

Gigolo:

Wo der Hase begraben liegt, fragst Du? Ganz einfach, weil die Mannschaft Angsthasenfußball spielt! Muss das relativieren, mittlerweile spielt sie so. Anfangs war die Lust am Fußballspielen zu spüren, die Jungs waren richtig heiß auf den Sieg. Sie wollten Tore erzielen. Davon ist rein gar nix mehr übriggeblieben. Aktuell erinnert das alles an Traben-Trabach. Pflichterfüllung. Nach dem Motto, vielleicht kriegen wir das irgendwie durch. Die Mannschaft scheint nicht mehr an sich zu glauben oder ist sie nicht mehr motiviert?“.

Anarcho:

„Wir haben nach der erfolgreichen Insolvenz versäumt, den eingeschlagenen Weg mit jungen, hungrigen Spielern weiter zu gehen. Für mich war der Knackpunkt, als man sogenannte Drecksäcke wie Wingerter, Knappmann und Co verpflichtete. Ein falsches Signal. Als das nicht klappte, ging man in die Vollen, holte mit Uwe Harttgen einen sportlichen Fachmann mit vermeintlich guten Verbindungen zum DFB, an die Hafenstraße. Dachte ich. Bis er Steinzeittrainer Fascher anheuerte. Als Fehler stellte sich auch seine übergroße Machtfülle heraus. Der besaß doch einen Blankoscheck für all seine Entscheidungen. Mit dem Norddeutschen Duo entfernte sich der Verein von seiner Basis. Die weitere Entwicklung hängt für mich unmittelbar damit zusammen. Es war ein verdammt teurer Fehlgriff, mit fatalen Folgen für Rot-Weiss“.

Gauda:

„Alter, wenn, dann musst Du mindestens 40, 50 Jahre zurückblicken. Das einzige, was konstant bei RWE ist, sind Fehlentscheidungen, getroffen von Selbstdarstellern, von echten Luftpumpen. Aber hilft ja jetzt nicht. Genauso wenig wie der tausendfache Hinweis auf die Deutsche Meisterschaft oder den Pokalsieg. Drauf geschissen, so schön die Erfolge auch waren. Ich nehme jetzt nur mal die letzten Trainer. Was haben Siewert, Demandt und Gianakis gemeinsam? Eben, keinen Erfolg! Aber es lag ja nicht nur an denen. Winkler und Lucas durften ihr Praktikum als Sportliche Leiter bei ihrem Stammverein absolvieren. Für mich wurde das Pferd von hinten aufgezäumt. Zuerst die Infrastruktur, dann erst kam das Sportliche. Eines muss ich klarstellen: Jürgen Lucas hat dazugelernt! Gemeinsam mit Kalle Neitzel hat er diese Saison gute Leute verpflichtet. Bichler, Scepanik, Wirtz, Heber, das sind schon mehr als durchschnittliche Viertligaspieler. Eine erfolgreiche Mannschaft kam trotzdem nicht dabei raus. Die Tabelle lügt nicht!“

Salander:

„Rot-Weiss hat die Zeichen der Zeit nicht rechtzeitig erkannt. Heutzutage kann man keine Mannschaft mehr zusammenwachsen lassen. Jeder gute, bessere Spieler wird sofort weggekauft oder durch Berater weggelobt. Man ist gezwungen, praktisch von Saison zu Saison denken. Rein Kadermäßig, meine ich. Finanziell muss der Verein natürlich langfristig denken, um entsprechend agieren zu können, wenn geeignetes Personal auf dem Markt ist. Habe ich keinen solventen Geldgeber, dann muss ich eben mein „Geschäftsmodell“ anpassen. Es widerspricht eigentlich meiner Grundeinstellung, aber Spieler sind Geldanlagen. Jeder erfolgreiche Verein kauft preiswert ein, um teuer zu verkaufen. Ich überleg´ gerade, welcher Vereinswechsel hat RWE in den letzten Jahren überhaupt ein paar Euronen an Ablösesumme eingebracht? Soukou, jetzt Pröger. Sonst noch wen? Ach ja, Avci. Aber nur, wenn die “Türken” die 100.000€ tatsächlich gezahlt hätten. Ich mein ja nur, das ist ein Indiz für schlechte Einkaufspolitik. Wegen der ach so tollen Fans, kommt doch Keiner mehr nach Essen. Und ob die Fans noch kommen, darauf sollte man sich auch nicht verlassen“.

Das muss ich alles erstmal sacken lassen.
„Schon interessant, was ihr da vom Stapel gelassen habt“, finde ich lobende Worte für die Theken-Truppe.

„Jezz erzähl DU mal, was muss, was sollte sich bei Rot-Weiss ändern?“, will Lisbeth Salander wissen.

Happo, also ich:

Jeder von euch hat irgendwie Recht. Es ist wohl die Summe von allem, was ihr da aufgeführt habt. Geld ist mit das wichtigste, da mache ich mir nichts vor. Da wird sich in nächster Zeit auch was tun. Weiß ich aus ganz sicherer Quelle.

Doch was nützt alles Geld der Welt, wenn es aus dem Fenster geworfen wird?! Also muss ein Fachmann her, der nicht nur mit Geld, sondern auch mit Menschen umgehen kann. Fußballsachverstand und Netzwerk sind Grundvoraussetzung. Das ist aber Zukunftsmusik.

Die Saison ist noch nicht zu Ende, es kann noch weiter bergab gehen mit dem Verein. Damit meine ich nicht nur in der Tabelle. Kalle Neitzel muss es schaffen, dass die Mannschaft sich wieder als Mannschaft präsentiert, einer für den anderen kämpft. Das war anfangs so. Vielleicht darf auch mal das Mittelfeld komplett neu aufgestellt werden?!. Jeder Spieler sollte eine faire Chance erhalten, sich zu empfehlen, für wen auch immer. Aber sie sollten auch daran denken, von wem sie aktuell bezahlt werden.

In diesem Sinne, die Getränke bezahl ich, selbstredend“.

Wer Bock hat, kann gerne seine Gedanken mitteilen oder auch mir seine Meinung geigen. Aber nur, wenn er/sie musikalisch ist.