Der nächste Schritt

Diese Saison stellt alles Dagewesene der letzten Jahre auf den Kopf. Ich kann mich nur noch ganz schwach daran erinnern, das Niederrhein-Stadion Oberhausen mit einem Lächeln verlassen zu haben.

Was jucken mich die flachen Stufen in der Kanalkurve, wenn der Sieg hoch ausfällt?!

Oder war ich in Fürth? Sah jedenfalls so aus. Die RWOler zwar in Fisherman-Friends-Green. Doch am Ende zu schwach für die chilligen Rot und Weißen von der Hafenstraße 97A.

Gerne hätte ich den Auswärtsdreier mit mehr als schätzungsweise 4000 RWE-Fans gefeiert, doch für die Boykotteure dieser Partie habe ich vollstes Verständnis.

Im Nachhinein bin ich aber froh, live dabei gewesen zu sein. Alles ohne Strapazen und überaus bequem, dank „Ali bin Abholer“, dessen Bord-Crew, bestehend aus Super Driver, Hybrid-Hürthi sowie Sir Manni, vor Fachkompetenz nur so strotzte.

Hochqualifiziertes Personal schickte auch „Superhirn“ Christian Titz auf den Rasen. Einen sogenannten Stoßstürmer suchte man vergebens.

Kein Platzek, kein Selistha. Stattdessen schenkte Kautsch Titz, Jan-Lucas Dorow und Joshua „Tree“ Endres sein Vertrauen. Ein Versuch, aus der zweiten Reihe die Hünen in der Oberhausener Hintermannschaft in Verlegenheit zu bringen? Tippe ich mal.

Kapitän Kehl-Gomez durfte wieder von Beginn an ran, der doch ziemlich holprig, von beiden Seiten nervös ablief.

Nach gut einer viertel Stunde Spielzeit deutete RWE an, was gehen könnte. Der erneut überragende Kevin Grund bediente den völlig freistehenden Kehl-Gomez von rechts, doch der Kapitän zirkelte den Ball aus kurzer Distanz über das Tor. Kein Vorwurf, der Ball tickte kurz vorher leicht auf, war sehr schwer zu kontrollieren. Die Szene konnten wir ausnahmsweise glasklar verfolgen.

RWO für eine Heimmannschaft ziemlich verhalten. Mehr Langholz, als Ballstafetten. Gefährlich wurden sie lediglich dank tatkräftiger Unterstützung der Essener. Immer wieder unterliefen den Gästen haarsträubende Abspielfehler. (Endres Heber).

Glück für Rot-Weiss, als Oubeyapwa nach einer halben Stunde an Lenz vorbei zum 1:0 für die Hausherren einschob. Abseits! So entschied jedenfalls Schiri Steffens.

Videobeweise gibt es in der Regio nicht. Laut verschiedenen Quellen, eine Fehlentscheidung. Ich halt mich erstmal zurück bei der Beurteilung dieser Szene.  So blieb es zunächst beim torlosen Unentschieden.

Praktisch mit dem Pausenpfiff fast noch der Führungstreffer für RWE, doch Endres verdaddelte aus kurzer Entfernung.

Zweite Halbzeit, neue Taktik. Neues Drehbuch.

Wirtz macht den Joker. Sauerland (mittelprächtige Leistung) nimmt auf der Bank Platz.

Die dollen zehn Minuten aus Essener Sicht beginnen. Endres – Pfosten. Wirtz drückt das Spielgerät aus dem Gewühl über die Linie. 1:0 für Essen!

Drei Minuten später köpft Enzo Wirtz den Ball völlig freistehend in die Maschen. 2:0!

Wo waren eigentlich die langen Kerls der Oberhauseneraner?

Soll mir egal sein. Dem RWE-Anhang sowieso. Der Jubel kannte keine Grenzen.

Dagegen zeigten die Rot-Weissen, der Terranova-Elf ihre spielerischen Grenzen auf. Die gesamte zweite Halbzeit dominierte NUR DER RWE.

Nur einmal unterbrochen, als Steinmetz mit einem Heber versuchte, Keeper Lenz zu überlisten. Doch der ließ sich nicht überraschen.

Stattdessen schraubte RWE das Ergebnis in die Höhe. Der eingewechselte“ Adiole“ Adetula vollendete mit einem strammen Schuss ins lange Eck zum 3:0.

Deckel drauf – Sieg!

Die Überlegenheit in der zweiten Hälfte wäre durch mögliche Treffer von Kefkir und Wirtz in den Schlussminuten auch zahlenmäßig fast noch deutlicher ausgefallen.

Nach so einem Auswärtssieg fällt es mir schwer, auf die Euphoriebremse zu treten. Wenn ich was zu meckern habe, dann ist es die unverhältnismäßig hohe Fehlerquote bei den Abspielen. Gib Bruder Leichtsinn keine Chance!

Aber wer will schon Perfektion? Wir reden hier immer noch von Rot-Weiss Essen! Von einem Viertligisten. Ist eh schon alles unheimlich, was aktuell abgeht.

In der Haut des Pokalgegners aus Uerdingen möchte ich jedenfalls nicht stecken.

Bis baldigst, bis spätestens Freitag.

Projekt Rückholaktion

Manchmal gehen Wünsche tatsächlich in Erfüllung.

Jahr für Jahr erhoffte, nein sehnte sich die gesamte RWE-Fangemeinde nach einem gelungenen Start in die Saison. 

Und Nu? Nu erleben wir geradezu einen Traumstart der neu zusammengestellten Mannschaft von der Hafenstraße 97A.

Über 12.000 Menschen – die obligatorische 07 am Ende einer offiziellen Zahl, darf natürlich nicht fehlen – waren sich einig: Der RWE wieder da! Da, wo er nach Meinung der Anhängerschar hingehört, nämlich ganz weit oben!

Es spricht sich langsam herum, im Stadion Essen kannst Du Fußball pur erleben. Alte Leidensgenossen erinnern sich, pilgern nach und nach wieder zu ihrem Verein. Projekt “Rückholaktion” ist im vollen Gange.

Spitzenreiter, Spitzenreiter – Heroes, just for one day? 

Eine schöne Momentaufnahme. abgerechnet wird zum Schluss.

Doch es läuft (fast) alles nach Plan. Eine Menge Pläne scheint Kautsch Titz parat zu haben. In jedem Spiel überrascht er nicht nur mich aufs Neue.

So auch diesmal, als die Aufstellung für die Partie gegen den Nachbarn aus Bochum 6 verkündet wurde.  Neuzugang David Sauerland anstelle von Kapitän Marco Kehl-Gomez in der Startelf. Erstaunlich, auch vor dem Hintergrund, weil der bisher eher unsicher wirkende Daniel Heber eine weitere Chance bekam, sich auszuzeichnen. Und er tat es, überzeugte seinen Trainer und auch die Zuschauer.

Essen legte los wie die Feuerwehr, presste früh, ließ Wattenscheid keine Zeit für Gegenangriffe. Kefkir verursachte früh einen Jubelsturm, doch sein Schuss traf lediglich das Außennetz. Die erste Stauder-Dusche war trotzdem fällig.

Wenige Zeigerumdrehungen weiter, zirkelte Kefkir den Ball nach blendender Vorarbeit von Josuha Endres, unhaltbar zur 1:0 Führung in die linke untere Ecke des Wattenscheider Gehäuses. Keeper Kraft war chancenlos. Wattenscheid insgesamt bis dahin ebenfalls.

Nun begann eine Phase, die verdeutlicht, wie unterschiedlich das Geschehen auf dem grünen Rasen bewertet wird.  Für die einen agierte Rot-Weiss wie eine Spitzenmannschaft, gekonnt, ruhig, kontrolliert, jederzeit bereit, blitzschnell auf Angriff umzuschalten. Andere wiederum bemängelten, dass die Heimelf mit „angezogener Handbremse“ zu werkeging, das Tempo nicht mehr so hochhielt. 

Ich tendiere eher zu dem Erstbeschriebenen. Wie aus dem Lehrbuch wurden einige Konter gefahren. Ein weiterer Treffer lag nicht nur einmal in der Luft. Doch Dorow´s Stärken liegen halt nicht in der Luft, er ist nun mal kein Kopfballungeheuer. Da auch der ansonsten ungeheuer fleißige Platzek kein Schussglück besaß, musste man zum Ende der ersten 45 Minuten trotz Überlegenheit froh sein, nicht den Ausgleich kassiert zu haben. Zwei Großchancen (unter anderem ein Pfostentreffer durch Yesilova) kurz vor dem Halbzeitpfiff, hätten den Spielverlauf auf den Kopf stellen können.

Haben sie aber nicht.

Nach dem Wiederanpfiff sortierten sich beide Teams neu, schalteten in den Abwarte-Taktik-Modus. Vor und in den Strafräumen tat sich äußerst wenig. Wattenscheid hielt dadurch die Partie offen.

CT versuchte neuen Schwung einzuwechseln. Bichler für Endres und Dahmani für Platzek. Diesmal änderte sich am Spielgeschehen nicht wirklich viel.

Doch alle guten Dinge sind Drei. In der 75.Minute durfte Marco Kehl-Gomez mitwirken und keine zwei Minuten später erzielte der Abwehrrecke das vielumjubelte 2:0. Aus dem Gewühl heraus stocherte er die Kugel über die Torlinie.

Diesmal fiel die Stauder-Dusche um einiges ergiebiger aus.

Fast wäre dem Kapitän ein weiterer Treffer gelungen. Ob sein Kullerball im vollen Umfang die Torlinie überschritten hatte, konnte von der WEST aus betrachtet, nicht glaubwürdig behauptet werden.

Die Gäste hätten ihrerseits den Anschlusstreffer erzielen können, doch Lenz konnte die Eins gegen Eins Situation für sich entscheiden. Ein großartiger Safe, wie der Eishockey-Fan zu sagen pflegt.

Viel Aufregendes passierte dann nicht mehr. In der 93. Minute ein ernsthafter Pfiff von Schiri Ernst und der Sieg der Rot-Weissen war perfekt, die Fans aus dem Häuschen. Nur nach Hause wollten sie nicht.

Solche Erfolgserlebnisse müssen einfach ausgekostet werden.

Spieler des Tages für mich Kevin Grund, Daniel Heber sowie erneut Dennis Grote. Einen wirklichen schwachen Spielerauftritt konnte ich nicht ausmachen, wohl aber eine zeitweise zu passive Spielweise. Das hat mir nicht gefallen, weil sie die zwar tapfer mitspielenden, aber dennoch unter dem Strich harmlosen Wattenscheider die Chance ließ, einen Punkt mitzunehmen.

Vielleicht bin ich aber auch schon zu verwöhnt.

Die Mannschaft und der Trainer wurden zurecht gefeiert. „Titz, Titz, Titz, schallte es aus tausenden Kehlen durch das Stadion.

Wer von denen wird irgendwann mal „Titz raus“ schreien? Ich hoffe, niemand.

 

 

Man kann nicht immer gewinnen

Wo ist Kachelschlampe Karpi?

Dieser Weg, wird kein leichter sein. Jeder der siebenköpfigen Reisegruppe im „Dirty Harry-Luxus-Liner“, war sich darüber im Klaren.

Kein Wunder, bei über 400 Jahren Lebenserfahrung, davon mindestens 300 Jährkes RWE-Fan-Dasein.

Mittlerweile wissen die Rot-Weiss Anhänger, wo die Spielstätte dieses aufstrebenden, aber unsympathischen Verein, zu finden ist. Selbst wenn das Navi streikt. Ich habe vollstes Verständnis für das Navi.

Rödinghausen und seine Eingeborenen sind mir einfach zu arrogant. Warum, weiß der Henker oder der Häcker.

Der guten Laune tat das keinen Abbruch. Auch die strengen, zähen Sicherheitskontrollen konnten daran nichts ändern. Im Gegenteil, der Spaßfaktor erhöht sich um einiges, wenn man trotzdem ein komplettes Essbesteck – also inclusive Messer – mit ins „Stadion“ schmuggeln kann. Sowas schafft unser Dirty Harry mit Links. Okay, dafür schleuste er anstelle seines, den äußerlich nicht voneinander zu unterscheidenden Turnbeutel von Super Driver auf die Stehgerade. Aus diesem Stoffsack, zauberte Harry keinen Knüppel oder UU-Banner heraus, sondern eine modisch schicke, anschmiegsame rote Regenjacke. Es kommt also doch auf die inneren Werte an, manchmal jedenfalls. 

Schadenfreude ist die schönste Freude. Ich hab mich jedenfalls köstlich beömmelt. Kachelschlampe Karpi, Pidder Dahl. Immerwiederrwe Arnd, Sir Manni, Super Driver Achim sowie Steuermann Harry, hör- und sichtbar nicht minder. Es hing zwar kein Banner am Zaun, aber ein Pferdehalfter an der Wand. Darauf kommts an, das ist wichtig, wie auf´n Platz!

RWE  in der Anfangsphase mit deutlich mehr Ballbesitz und Spielanteilen.Das war trotz eingeschränktem Sichtfeld, deutlich zu erkennen. Die Heimelf zog ein dichtes Abwehrbollwerk auf, lauerte auf Fehler der Essener, um dann ihr gefürchtetes Konterspiel durchziehen zu können.

RW Essen fand keine Lücken, jegliche Offensivbemühungen wurden im Keim erstickt. Das schnelle Umschaltspiel der Rödinghauseraner blieb zwar zunächst ohne zählbaren Erfolg, sorgte aber dafür, dass Essen vorsichtiger auftrat.  Man war gewarnt.

Lenz parierte nach gut 20 Minuten einen Schuss bravourös. In der 24. Minute war er machtlos. Engelmann zog eiskalt und platziert den Ball ins lange Eck. Ein Tor der Marke gekonnt, wenn auch unter tatkräftiger Mithilfe der Essener Hintermannschaft.

Lediglich eine einzige Torchance in der ersten Hälfte blieb mir in Erinnerung. Ein strammer Schuss von Condé, verfehlte nur denkbar knapp das Tor des SVR. Mehr war da nicht. Ich will nicht meckern, aber ich fand den Auftritt insgesamt dürftig.

Die Maßnahme, Kefkir nicht in die Startelf zu beordern, korrigierte Christian Titz in der Halbzeitpause. Essens neuer Publikumsliebling fiel wohl taktischen Überlegungen zum Opfer. Nach hinten arbeiten, gehört halt (noch) nicht zu seinen Stärken.

Der Spielstand und die offensichtliche Harmlosigkeit vor dem Strafraum, zwangen unseren Kautsch zum Handeln. Bereits nach 2 Minuten zahlte sich die Einwechslung aus. Im Stile eines Könners, bugsierte Kefkir den Ball unhaltbar an Heimann vorbei, zum 1:1 Ausgleich.

Riesenjubel beim Essener Anhang. Ein Käfig voller freudetrunkener und friedlicher Narren. Keineswegs negativ gemeint.

RWE nun die tonangebende Mannschaft. Auf den Rängen sowieso. Hartumkämpft war die Partie, keine Frage. Hauptsächlich spielte sich das Geschehen allerdings zwischen beiden Strafräumen ab.

Essen ließ kaum noch etwas anbrennen. Trotzdem wäre der Schuss fast nach hinten losgegangen, doch Marcel Lenz bewies einmal mehr, warum er aktuell die Nummer Eins im Kasten der Roten ist. Mit einem hervorragenden Reflex verhinderte der den zweiten, möglicherweise spielentscheidenden Treffer für Rödinghausen. Meyer scheiterte.

Als sich Amara Condé kurz vor Ende der Partie das Leder zurechtlegte, um den Freistoß aus aussichtsreicher Position auszuführen, dachte nicht nur ich an das Spiel gegen den BVB II. Doch diesmal verfehlte er das Ziel um wenige Zentimeter.

So blieb es beim gerechten Unentschieden.

Damit kann, damit muss ich leben. Rödinghausen war unangenehm zu spielen. Die werden bis zum Ende oben mitmischen. Davon bin ich überzeugt. Die Mannschaft ist auf jeden Fall besser, als das Umfeld.

RWE hat nicht enttäuscht, aber auch nicht begeistert.

Begeistert war ich von der Fahrt an sich. Alles stimmte. Fahrzeugführer Harry fuhr wie an der Schnur gezogen, von Karpis und Bratkartoffelverhältnis Birgit ihnen ihre Frikadellen schwärmen selbst Vegetarier. Super Drivers Schokoküsse (Achim, wie heißen die Dinger nochmals in voller Länge? 😊 ), waren fast so süß, wie der “Rudolph Moshammer-Gedächtnis- Riesen-Pudel” auf dem Rastplatz. Mit Dogs kennt sich Pidder Dahl aber besser aus.

Insgesamt eine herausragende Reise. Gemeinsam sind wir stark. Das gilt natürlich auch für Rot-Weiss Essen.

Freitag wird das Flutlicht wieder eingeschaltet. Wer kann da schon widerstehen?

 

Hauptsache immer einmal mehr

Es gibt Spiele, wo man besser erstmal eine Nacht drüber schlafen sollte, bevor man seine Fan-Meinung der Allgemeinheit präsentiert. Gilt vor allen Dingen nach Niederlagen oder miserablen Darbietungen seines Teams.

Heute muss es sofort raus, ich will nicht länger warten.

DIESE ZWEITE HALBZEIT, WAR DAS BESTE SEIT JAHREN, WAS ICH VON ROT-WEIS ESSEN GESEHEN HABE!

Sollte irgendwann mal wieder die Frage gestellt werden, was stellst Du Dir unter Hafenstraßenfußball vor, dann antworte ich: Zieh Dir die zweite Hälfte vom Spiel gegen die verdammt starken Kölner U21 rein.

Dieser unbändige Siegeswille, diese Lauf- und Kampfbereitschaft und auch dieses Glück, praktisch mit dem Schlusspfiff erneut für ein Happy-End zu sorgen, das ist RWE, das ist Hafenstraße pur.

Danach sah es allerdings zunächst gar nicht aus.
Erste kleine Enttäuschung, die Zuschauerresonanz. Okay, für ein Viertligaspiel sind 9200 Besucher eine echte Hausnummer. Das ist Jammern auf hohem Niveau. Ich weiß. Doch nach den beiden Auftaktsiegen und einem keineswegs unattraktiven Gegner, waren 10.000 plus von die meisten Anhänger vorhergesagt worden. Schade, dass ich mit meiner Prognose richtig lag. Gel Sir?! 😊

Die ersten Spielminuten neutralisierten sich beide Mannschaften zwischen den Strafräumen. Die Zweikämpfe wurden allerdings von Beginn an hart, manchmal auch überhart geführt. U-Mannschaften wollen halt nicht mehr nur spielen.

Essens Kapitän Kehl-Gomez nahm den Kampf an, foulte nach Meinung von Schiri Scheper allerdings gelbwürdig.

Das 0:1 in der 14.Minute ging zu 50% auf die Kappe von Daniel Heber. Er vertändelte den Ball, die Kölner nutzten den Schnitzer eiskalt und konsequent aus. Özcan vollendete per Flachschuss.

Schon jetzt war klar, nur mit bedingungslosem Einsatz, könnte ein Sieg eingefahren werden. Mit angezogener Handbremse zu spielen, würde gegen diesen starken Gegner nicht ausreichen. Von daher nahm Kautsch Titz vorsichtshalber seinen verlängerten Arm vom Feld, bevor es der Schiedsrichter tat. Meine Vermutung. Für ihn kam Bichler. Wenige Minuten später tauschte er noch Dorow für den bis dato schwachen Marcel Platzek.

Zwei Maßnahmen, die sich mitentscheidend auf den Ausgang der Partie auswirkten. Kann man so sehen, wird wohl auch so sein. Zur Ehrenrettung der Vorgänger von CT, darf aber nicht unterschlagen werden, dass auf der Auswechselbank, so gut wie keine Optionen vorhanden waren.

Das bis zu diesem Zeitpunkt Dargebotene, erinnerte stark an zahlreiche Auftritte der letzten Jahre. Keine einzige Torchance wurde herausgespielt. Fehlpässe zu Hauf, ziemlich unattraktives Gekicke.

Doch eine einzige Szene änderte alles in diesem Spiel.

Dorow passte auf den in der Mitte freistehenden Endres. Ausgleich!

Sofort setzten die Essener nach. Köln wackelte. Der Halbzeitpfiff stoppte den Elan der Heimelf.

Nach dem Wiederanpfiff folgte das, was weiter oben geschrieben steht. Eine beeindruckende Energieleistung des neuen Spitzenreiters der Regionalliga West. Lediglich gegen Ende der Partie konnten sich die Gäste von dem Druck der Rot-Weissen ein wenig befreien.

Der bärenstarke Alex Hahn ließ zwischenzeitlich per Freistoß die Latte des Kölner Gehäuses erzittern, das Stadion zum Beben brachte dann Jan-Lucas Dorow, der nach einer Ecke irgendwie an den Ball kam und zum 2:1 Sieg einnetzte.

Dieser erneute Last-Minute Sieg fühlt sich einfach mega geil an. Spitzenreiter für einen Spieltag? Kann sein, wichtig ist am Ende der Saison.

Die Ergebnisse der Konkurrenten sind Warnung genug. Verl und Rödinghausen im DFB-Pokal, Wuppertal und RWO in der Liga. Was kann, was wird das für eine Hammer spannende Saison.

Ich hab nix dagegen. Im Gegenteil

Schau mal einer an

Die Schauinsland-Reisen-Arena in Duisburg bietet Platz für über 30000 Menschen. Deshalb ist es nicht nachvollziehbar, warum teilweise chaotische Zustände vor Spielbeginn herrschten, bevor die schätzungsweise 3600 RWE-Fans ihre bezahlten Plätze einnehmen durften. Dass die „Roten“ nach ihrem Auftaktsieg ihre Mannschaft auch gegen den VfB Homberg siegen sehen wollten, geschah nicht wirklich überraschend. Persönlich hatte ich eher mit noch mehr Gästefans gerechnet.

Aber gut, Schwamm drüber. Ein Auswärtsdreier stimmt gnädig.

Immerhin konnte ich den Einmarsch der Mannschaften mit weiteren zehn Gefährten und Gefährtinnen aus dem Uralt-Ultras Dunstkreis verfolgen.

Prächtige Stimmung im Essener Block, mit Vorfreude auf den Anpfiff. Soll ja auch mal anders gewesen sein, irgendwann mal. Behaupten die Älteren.  😊

Schnell deutete sich an, mit welchen taktischen Mitteln der Aufsteiger aus dem Duisburger Stadtteil Homberg gegen den Favoriten aus Essen wenigstens einen Teilerfolg erzielen wollte. Man zog sich wie erwartet in die eigene Hälfte zurück.

Marcel Lenz durfte mehr oder weniger zwangsläufig seine Doppelfunktion als Ballhalter und Verteiler ausüben und wohl auch verinnerlichen. Heutzutage ist es falsch zu schreiben, bei Essen steht Marcel Lenz im Tor. Ein Gewöhnungseffekt hat sich bei mir noch nicht eingestellt. Noch nicht!

Siege helfen natürlich, den Vorgaben und Plänen von Kautsch Titz zu vertrauen.

Torraumszenen fehlten lange Zeit, doch immer wieder gab es nette Ballstafetten zu bestaunen. Lediglich der letzte Pass kam zu ungenau.

Erst nach fast einer halben Stunde hatten die RWE-Fans den Torschrei auf den Lippen, doch der insgesamt glücklos spielende Marcel Platzek, vergab aus kurzer Distanz. Zu „mittig“, sein Abschluss.

Die Möglichkeiten häuften sich, weitere Hundertprozentige waren aber nicht dabei.

Mittlerweile tat auch der VFB Homberg mehr für die Offensive. Deren Mittelstürmer Rankl weiß, wo das Tor steht und er kennt eine Menge Kniffe, um eines zu erzielen.

Nach Wiederanpfiff stockte kurz der Atem. Lorch vergibt freistehend, und nur wenige Zeigerumdrehungen weiter versucht der Homberger Koenders (nicht Kanders) den Ball aus 50 Metern Entfernung ins verwaiste Essener Gehäuse zu befördern. Doch Lenz kann auch Sprint.

Die Titz-Elf schien den Ernst der Lage begriffen zu haben, übernahm wieder die Initiative und erhöhte nun merklich den Druck auf das Tor der Gastgeber.

Endres war für den von seiner Bestform noch ein ganzes Stück weit entfernten Dahmani eingewechselt worden. Endres selbst agierte verbessert als noch gegen den BVB II, Luft nach oben ist aber auch bei ihm noch vorhanden.

Kefkir entschied die Partie durch seinen Doppelpack. Beide Tore wurden sehenswert herausgespielt. Vorbereiter waren Condé und Florian Bichler. Überhaupt Bichler – für „Adiole“ Adetula ins Spiel gekommen – deutete an, dass er in die Startelf zurückwill. Eine überzeugende Leistung von Flori.

Anders als in den letzten Jahren, kann durch Einwechslungen tatsächlich noch was bewirkt werden. Eine gute Bank ist halt besser, als eine Bad-Bank.

Homberg schien geschlagen. Sie machten nicht den Eindruck, an eine Wende zu glauben. Doch dann der Treffer in der 89. Minute durch Jafari.
Ein Wirkungstreffer, denn nun schwamm die Essener Hintermannschaft. Der VfB wollte mehr. Im Sechszehner wurde es unübersichtlich. Mit Glück und Einsatz überstanden die Rot-Weissen diese kurze Phase der Orientierungslosigkeit unbeschadet.

Am Ende ging es aus, wie das Homberger Schießen. Oder wie hieß der Ort nochmal?

Der Auswärtssieg war trotzdem mehr als verdient. Essen tonangebend, auf dem Platz und auf den Rängen.

Neben dem ständigen Unruheherd Kefkir, war Dennis Grote für mich „Man of the Match“.

Diese Mannschaft hat das Potential, uns Fans zu begeistern. Umgekehrt sind die Spieler von den Fans begeistert.

 

Ich freu mich jetzt schon auf ein Wiedersehen am kommenden Sonntag, im Stadion Essen, wo mit dem saustarken Kölner Unterbau, ein echter Härtetest auf die Titz-Elf wartet.

Bis dahin,

der Happo

Auftaktsiege sind schön

Tooooooor, Tooooooor, Toooooor!!!

Nein, Deutschland ist kein Weltmeister. Nein, das zwar nicht, aber Rot-Weiss Essen hat ein Regionalligaspiel gegen Borussia Dortmunds Zweite Mannschaft gewonnen. Ist doch fast das Gleiche, oder?

Ohrenbetörender Lärm, Umarmungen mit jubelnden, glückseligen, schweißgebadeten Menschen. Es gab kein Halten mehr, als Alexander Hahn in der 92.Minute einen Foulelfmeter zum 2:1 Sieg trotz extremer Schwüle, eiskalt verwandelte.  Dortmunds Keeper Oelschlägel war ebenso chancenlos, wie sämtliche Deos dieser Welt. Es roch nach Hafenstraßen-Fußball.

Das Spiel an sich hatte den Charakter eines Pokalfightes.

Essen begann verhalten, abwartend. Obwohl der Kader mit einigen technisch versierten Spielern verbessert wurde, unterliefen den Akteuren eine Menge Stockfehler.  Der letzte Ball kam meist zu ungenau.

Bei dieser Witterung sind diese „Den-Könnte-Ich-Vielleicht-Doch-noch-Erlaufen-Pässe“, der Horror, kosten unnötig Körner.

Dortmund agierte gefälliger. Sämtliche Spieler sind hervorragend ausgebildet, davon konnten sich sagenhafte 14500 Zuschauer im Stadion Essen live überzeugen. Die Schwarz-Gelben haben schon richtig gute Kicker in ihren Reihen. Auffällig vor allen Dingen deren Nummer 11, Joseph Boyamba. Kaum vom Ball zu trennen, dribbelstark und brandgefährlich. Nicht von ungefähr war er es, der den Dortmunder Unterbau die Führung bescherte. Nervenstark schob er völlig freistehend an Essens neue Nummer Eins, Marcel Lenz, vorbei.

Für mich verdient, zumal der Ball bereits vorher zweimal die Torlinie des Essener Gehäuse überschritt. Doch Schiedsrichter Ulankiewicz erkannte beide Treffer nicht an. Abseits?

Der Schiri ist immer ein Thema bei den Fans. Je nach Vereinszugehörigkeit, werden seine Leistungen bewertet. Viele Entscheidungen fielen zu Gunsten der Gäste aus, doch bei den wichtigsten, wie den Last-Minute-Elfmeter, pfiff er im Sinne der Rot-Weissen.

Nach Wiederanpfiff sahen die RWE-Fans eine höher verteidigende Heimelf, obwohl kein Personal gewechselt wurde.  Die Anziehungskraft der Westkurve tat ihr Übriges. An dieser Stelle ein ganz großes Kompliment und Dankeschön an die Initiatoren und Macher der beeindruckenden Choreo, bestehend aus hunderten Rot und Weißen Fahnen.

Auch die Spieler schienen die Zeilen auf dem Big-Banner „NIEMALS AUFGEBEN“ gelesen und verinnerlicht zu haben.

Es ist müßig darüber zu spekulieren, was wäre gewesen, wenn Führich in der 75.Minute zum 0:2 eingenetzt hätte.  Sing: „Ullalla, wir haben einen Torwart“.

Ab diesem Zeitpunkt spielte nur noch RWE, ein Eckball nach dem anderen war die Folge. Bis dato aber ohne Folgen für den BVB.

Wenns aus dem Spielgeschehen nicht klappt, muss halt ein Standard her. Freistoß in der 81.Minute. Torentfernung ungefähr 20 Meter. Amara Condé nimmt Maß, zirkelt per Kunstschuss die Kugel  unhaltbar ins Dortmunder Tor.

Aus den Lautsprechern und Kehlen erschall „Adiole“.

Was dann geschah, hab´ ich bereits geschildert.

Es war mehr als nur ein Viertligaspiel, auch aufgrund des äußeren Rahmens. Das lag auch an den Dortmunder Fans, die ihre Zwote eindrucksvoll unterstützten.

Was heißt Dortmunder? Ich tippe mal, die Hälfte der BVBler kam aus Essen. Diese werden jetzt nicht die Wappen wechseln und zu RWE-Fans konvertieren. Doch vielleicht lassen sie sich hin und wieder im Stadion ihrer Heimatstadt blicken. Regio-Fußball hat auch was, vor allen Dingen, wenn Rot-Weiss Essen spielt. Noch kann man kurzfristig zum Spiel und ins Stadion kommen, trotz der neuen Handscanner. Hatte eher das Gefühl, dass alles zügiger ablief. Meinen Schwerbehindertenausweis musste ich jedenfalls nicht zücken. Vielleicht sieht man es mir ja auch an, wer weiß.

Ein Auftakt nach Maß. Der Sieg wurde erzwungen. Nicht, weil die Mannschaft besseren Fußball als der Gegner spielte, sondern letztendlich den Sieg wollte. Diese Mentalität hat all die letzten Jahre gefehlt.

Der Rest ergibt sich von alleine.

Bis denne. Wir sehen uns in Duisburg.