Geisterspiel gegen Ahlen begeistert nicht

Ob es wirklich das letzte Geisterspiel in dieser Saison war? Ich glaube nicht.
Es war zwar nicht das Letzte, was ich da gestern im verwaisten Stadion Essen miterleben durfte, musste, aber sicherlich ein ganz schwacher Auftritt der Hausherren.

Sven Höveler, Kapitän von Rot-Weiss Ahlen hatte im Vorfeld der Partie angekündigt, RWE ärgern zu wollen. Ich sag mal, Ziel erreicht.

RWA abzuschlachten (O-Ton Höveler), davon war RWE weit entfernt, so wie Schlachtgesänge bei Geisterspielen.

Perfekt platziert

Überraschendes bereits vor dem Anpfiff. Kevin Grund und Felix Backzat schafften es noch nicht einmal in den Kader. Für Cedric Harrenbrock mittlerweile Routine.

Spielt Backzat nicht, dann ist der Weg für Dennis Grote frei. Denkste. Der Quarterback nahm Platz auf der Ersatzbank.

Dafür erhielt „Fußballgott“ Platzek von Beginn an die Chance zu zeigen, dass auch er Tore erzielen kann. Immer noch!

Hier die Aufstellung:

Davari – Plechaty, Heber, Hahn, Herzenbruch (80. Neuwirt) – Endres (74. Dorow), Kehl-Gomez, Condé, Kefkir (74. Pronichev) – Engelmann, Platzek (89. Futkeu)

Irgendwie unwirklich, als der Anpfiff durch den guten Schiri Fuchs ertönte.  

Fangesänge waren nicht zu hören, dafür ohrenbetäubende, ätzende Anfeuerungsrufe der Ahlener Mannschaft. Wenn das zur Taktik gehörte, dann Respekt. Es nervte nicht nur mich extrem, unterstrich allerdings auch, wie motiviert die Gäste zu Werke gingen.

RWE ließ es dagegen ruhig(er) angehen. Nach fünf Minuten war es mit der Ruhe vorbei.

Es hieß 0:1. Ein Konter, schnell und zielstrebig zu Ende gespielt, Anschauungsunterricht für Essens Defensive.

Hybrid-Hürthi, der im gebührenden Abstand neben mir saß, schüttelte ungläubig den Kopf.

Spielerisch lief nicht viel. Alles wirkte behäbig, keine Tempowechsel, ideenlos.

Doch Standarts können die Neidhart-Schützlinge. Freistoß Kefkir auf Platzek´s Kopf. 1:1.

Corona-Fäuste wurden geschwungen.

Nach neun Minuten eher ereignisarmen Minuten der nächste Rückschlag. Hahn patzte und Ahlens Nebi bestrafte diesen Fehler umgehend. Unfassbar, es stand 2:1 für den Aufsteiger.

Der Gesichtsausdruck von Hybrid-Hürthi sprach Bände.

Bis zum Halbzeitpfiff ergaben sich erneut kaum nennenswerte Szenen, obwohl Essen nun druckvoller agierte und Ahlen keine Entlastungsangriffe mehr fahren konnte.

Nach dem Seitenwechsel blieb zunächst alles beim Alten. Auch „Kautsch“ Neidhart korrigierte seine Aufstellung nicht.

Dann die 49.Minute.

Der verbesserte Kefkir konnte nur per Notbremse am Eindringen in den Strafraum gestoppt werden. Rot für Eickhoff.

Zwei Zeigerumdrehungen später bereits der Ausgleich. Kapitän Kehl-Gomez vollendete eine Ecke per Kopf.

Durchatmen!

Den Gästen schien die Puste auszugehen. RWE nun Herr im Hause, doch ohne klare Torchancen.

Erst mit der Hereinnahme von Pronichev und Dorow für Kefkir und Endres, zeigte der Favorit, was möglich wäre.

Eine Anmerkung zu Endres. Die Kritik an seiner Person wird lauter. Sicherlich sind seine Leistungen ausbaufähig, aber er taugt nicht als Begründung, wenn gewisse Erwartungen nicht erfüllt werden. Gestern hatte er mehrere gute Szenen.

Die beste Szene des Abends lieferte unstrittig Amara Condé ab. Aus über 20 Metern drosch der Dribbelkönig den Ball unhaltbar für Ahlens Keeper Schipmann in die Maschen. Ein Wahnsinnstreffer.

3:2 für Essen.

Die Corona-Fäuste wurden nun intensiver geschwungen. Auch Hybrid-Hürthi bekam eine sichtbar gesündere Gesichtsfarbe.

Drei Tore und immer noch keines von Engelmann?
Das wollte der Goal-Getter nicht auf sich beruhen lassen, traf aber freistehend vor dem Gehäuse der Gäste nur das Außennetz.

Ahlen rappelte sich nochmals auf. Kompliment!

Essen konnte sich bei Davari bedanken, als dieser einen strammen Schuss ins lange Eck, abgefeuert durch den pfeilschnellen Aboagye (Namen habe ich nachgelesen), entschärfte.

Höhepunkt des Abends für mich allerdings der Angriff von RWE in der 91.Minute. Drei Mann Überzahl im Sechszehner von Ahlen. Mehrere Optionen standen offen, doch Pronichev vertändelte kläglich. Das Videomaterial dürfte in Endlosschleife für die Analyse durch den Trainerstab herangezogen werden.

Trotzdem muss ich den Ex-Herthaner in Schutz nehmen. Ihm fehlt Spielpraxis, er wollte das Tor machen. Es ging schief. Unübersehbar aber seine spielerischen Qualitäten. Die besitzt auch Neuzugang Plecharty, keine Frage. Gestern allerdings unterband sein quirliger Gegenspieler meist die gefährlichen Ausflüge in die gegnerische Hälfte.

Am Ende des Spiels überwog Erleichterung. Drei Punkte sind drei Punkte. Trotzdem fühlte sich der Sieg fast wie eine Niederlage an.

Vielleicht sollte eine neue Trainerumfrage gestartet werden, wer denn aktuell als Top-Favorit auf den Regio-Meistertitel gilt. Ich glaube, Rot-Weiss wird die Poolposition los sein.

Anscheinend kommen sie mit dieser Bürde nicht zurecht. Ich weiß es nicht. Die Ansprüche sind hoch, doch diesmal wurde die Latte durch den Verein sehr hoch gehangen. Das ist kein Vorwurf, aber Fakt.

Jedes Spiel, jeder Gegner wird der Neidhart-Truppe alles abverlangen. Da müssen sie jetzt durch, die Spieler. Allerdings glaube ich nicht, 40 Spieltage. Corona ist unberechenbar.

Und Geisterspiele machen keinen Spaß.

Streaming anscheinend noch weniger.

Es kann und es wird besser werden. Schon in Lippstadt.

Nur der RWE

P.S. Danke an „Benserman“ Tommy für die vorbildliche Bannerpflege!!!

Dauergast / 1 Kasten Stauder

Geschrieben von Happo

Auf einen Psyhopathen mehr oder weniger, kommt es nicht an.

Thekengespräch mit Christian Neidhart

Das Dutzend ist voll – Na dann Prost!