Herzlake(n) – Am Ende des Tages

Ein Trainingslager ohne Fans., wann hat es das zuletzt gegeben? Das gibt’s doch gar nicht.

Selbst Super-Undercoveragent Black Berry gelang es nicht, dieses hermetisch abgeriegelte Trainingsgelände in Herzlake zu betreten. Sämtliche Versuche scheiterten, trotz kreativster Verkleidungskünste.  

Der Top-Favorit aus dem Essener Norden vermied alles, was den Aufstieg auch nur ansatzweise gefährden könnte. Corona wurden die Grenzen aufgezeigt.

Gestern Abend dann der Durchbruch. Black Berry ergatterte sich einen Aushilfsjob als Servicekraft. Zufälligerweise wurde er für die Bewirtung der Präsidentensuite eingeteilt.

Leider nur für kurze Zeit, so dass sein Lagebericht aus Herzlake äußerst knapp ausfällt. Trotzdem schnappte er einige hochinteressante Wortfetzen auf, die er mir auf die Schnelle per frisiertem Mofa-Kurier (Seitenscheitel) soeben zukommen ließ.

„Hola Happo,

ich sag Dir, Heiligendamm war ein Freizeitpark gegenüber der Samtgemeinde Herzlake.

Das Hotel, die Trainingsmöglichkeiten, zum Zunge schnalzen. Alles nur vom Feinsten!  

Der Hotelmanager stand unter Druck, Personalausfälle, musse wissen. Ich also Kellner Kluft an, kurz ein paar Formalitäten erledigt und schon wurde ich mit einem Tablett voll diverser hochprozentiger Getränke in die Präsidentensuite geschickt.

An einem mächtigen, rechteckigen Tisch aus Eiche erkannte ich vorne Marcus Uhlig, bewaffnet mit einem Kelch Rotwein, rechts davon saß Jörn Nowak, beide Hände tief in der XXXL-Chipstüte mit Chilli-Geschmack rührend, links zog Christian Neidhart gerade genüsslich an einer Cohiba Esplendidos, während Dr. Andre´ Helf, gegenüber dem Vorstandsvorsitzenden platziert, sich einem Glas Whiskey mit Eis widmete.

Selten bekam ich für meine Arbeit so viel Anerkennung in Form von Schulterklopfen und Daumen hoch, als ich die Kostbarkeiten auf die deutlich sichtbar befleckte Tischplatte stellte.

„Wir feiern schon mal unseren Aufstieg“ prustete ein glückseliger Marcus Uhlig erklärend in meine Richtung.

Sofort wurden Gläser hochgeschwungen und ansatzlos geleert.

Dabei fiel ein Packen Papiere auf den nicht mehr ganz so glänzenden Parkettboden.

„Jörn, sind das die Aufhebungsverträge?“.

Gelächter, Schenkelklopfen.

Mittlerweile hatten die Herren vergessen, dass ich mich noch im Raum befand.

„Der Titz mit seiner scheiß Klage“, murrte Uhlig.
„Damit hab´ ich auch nicht gerechnet, Marcus“, meldete sich Jörn Nowak kopfschüttelnd. „Es ist seit Ewigkeiten kein böses Wort zwischen uns gefallen“
.

Uhlig: „Kein Wunder, ihr redet ja seit Ewigkeiten nicht mehr miteinander, haha“.

„Sag mal Christian, Du hast doch letzte Woche noch mit dem anderen Christian telefoniert. Hadder da schon was angedeutet?“, will Dr.Helf von Neutrainer Neidhart wissen.

„Im Gegenteil. Hab ihn gefragt, wie geht es Dir, Christian? Und Christian hat gesagt, er kann nicht klagen“.

„Siehste, siehste,“, wetterte Marcus Uhlig.

„Wir müssen uns damit abfinden“.

Über Funk wurde ich leider nach unten beordert. Ärgerlich, denn just in dem Moment fiel der Name Conde´.

Der Gruppenchef teilte mich kurzerhand für die Club-Lounge ein, wo sich einige Lokalpolitiker zu einem Gedankenaustausch eingefunden hatten.

Ruckzuck fühlte ich eine enge Verbindung mit der „Null-Bock-Generation“ und verpieselte mich lautlos aus dem Hotel. Mit meiner Nachtsichtkamera schoss ich immerhin noch ein Foto vom hochmodernen Trainingsgelände.

Geschützt von einer hohen Hecke, bot sich mir ein freier Blick in den Konzertsaal.

Kurz vor Mitternacht dann ein denkwürdiger Auftritt der Präsidentensuite-Besatzung.

Muss los. Ich glaub, der Wachhund muss pinkeln“.

Dauergast / 1 Kasten Stauder

Geschrieben von Happo

Auf einen Psyhopathen mehr oder weniger, kommt es nicht an.

Also, ich seh´das so…

Und jetzt Bielefeld – das gibbet doch nicht!