Hybrid-Huerthis Gedanken zur abgelaufenen Saison

Am Ende der nervenaufreibenden Saison 2020/21 steht der Glückwunsch an die U 23 des BVB für ihre herausragende sportliche Leistung mit nur einer einzigen Saisonniederlage.

Dennoch sei es mir gestattet, einige Assoziationen, die mir während der Spielzeit zu dieser Mannschaft durch den Kopf gingen, zu Papier zu bringen.

Den Bock haben sie ja schon im wahrsten Sinne des Wortes vor der Saison geschossen, indem sie RWE den designierten Co-Trainer abwarben und damit den Psychokampf eröffneten. Ihr Trainer verstand es sehr schnell, eine Wagenburgmentalität zu schaffen. Mogelpackung und Trojanisches Pferd habe ich auch des Öfteren gedacht, weil sie – und damit meine ich die Verantwortlichen – erst sehr spät anfingen, mit offenem Visier zu kämpfen.

Das Ziel Aufstieg in die Dritte Liga, für das sie die Truppe und den Trainerstab zusammengestellten, verfolgten sie von Anfang an mit einer unglaublichen Intensität und allen erlaubten (?) Mitteln, sei es der permanente Wechsel des Spielorts, das Abweichen vom Standardspieltag, um möglichst wenig zeitgleich mit der Ersten zu spielen, der spontane Wechsel des Heimrechts, das ständige aggressive Agieren der Bank, gegen das die Schiedsrichter so gut wie gar nichts unternahmen. Das wenig transparente Verhalten während der Quarantäne zum Ende der Saison bleibt außen vor, weil es für Außenstehende nur schwerlich zu beurteilen ist. Zumindest ein Geschmäckle hat es jedoch allemal.

Vielleicht hat RWE etwas zu spät die Konsequenz der Dortmunder, ihren Weg zu verfolgen, erkannt, der Spielplan tat sein Übriges dazu, dass die Roten sowohl in der Hin- als auch in der Rückrunde punktemäßig etwas hinterherhinkten. Der BVB hätte sicherlich auch mehr Probleme bekommen, wenn die Gegner wie zum Ende beispielsweise Homberg und der WSV sie mit der gleichen Intensität bekämpft hätten wie unsere Mannschaft während der kompletten Spielzeit.

Aber das liegt wohl in der DNA von RWE, dass die Gegner gegen die Roten über ihre Grenzen hinausgehen. Das muss jedem Spieler, der an der Hafenstraße unterschreibt, bewusst sein, und danach muss auch der Kader zusammengestellt werden. In guten Zeiten kann die Kulisse an der Hafenstraße und bei Auswärtsspielen diesen Umstand kompensieren, was diese Spielzeit leider nicht möglich war.

So genug zum Mitbewerber und zum eigentlich Wichtigem:

Unsere Mannschaft hat, wenn man es wettbewerbsübergreifend betrachtet, eine großartige Saison absolviert und uns unvergessliche Glücksmomente beschert. Allein die Pokalsiege gegen Bielefeld, Düsseldorf und Leverkusen und natürlich auch in Oberhausen waren überragend und haben RWE wieder in das Bewusstsein von Fußballdeutschland gerückt. Das konnte man auch an den Reaktionen in der Diaspora außerhalb des Ruhrgebiets spüren. Eigentlich hätten wir permanent in Der-RWE-ist wieder-da-Trikots durch die Gegend laufen müssen.

Die Gesamtleistung in allen Spielen inkl. Pokal ist nicht hoch genug einzuschätzen und toppt die der Schwarz-Gelben aus meiner Sicht bei Weitem. Eine grandiose Heimbilanz, ungeschlagen in der Meisterschaft, lediglich mit zwei Pokalniederlagen, steht eine zum Ende hin etwas durchwachsene Auswärtsbilanz entgegen, wobei RWE besonders im März an Boden verloren hat.

Da muss eine so erfahrene Mannschaft sich kritisch hinterfragen, warum sie drei Auswärtsspiele in Folge verloren hat.

Trotz dieser zeitweiligen Rückschläge hat die Mannschaft sich stets wieder herangekämpft und niemals aufgegeben. Die Moral der Mannschaft war ungebrochen und bewundernswert. Das ist sicherlich nicht zuletzt auch auf die Mannschaftsführung durch den Trainerstab und die Rückendeckung von Vorstand und sportlicher Leitung zurückzuführen.

Die Verpflichtung von Christian Neidhart war ein Glücksgriff für RWE, von Barcheffe Happo als „The Rock“ tituliert, war er der wahre Fels in der Brandung in stürmischen Zeiten, an dem die Mannschaft und das Vereinsumfeld sich jederzeit orientieren konnte.

Von Saisonbeginn an gab er der Mannschaft sehr schnell ein funktionierendes Gefüge, die sog. Achse. In diesem Spielkonstrukt konnten sich jüngere Spieler wie Plechaty, Harenbrock, Young u. a. sehr gut entwickeln, wobei der Ausfall gerade von Plechaty bei gleichzeitiger Verletzung von Sauerland meines Erachtens ein großer, schwer zu kompensierender Rückschlag war.

Christian Neidhart wird unter Federführung von J. Nowak – das ist keine Frage – für die kommende Saison einen noch schlagkräftigeren Kader zusammenstellen, der mit Sicherheit auch mehr als der aktuelle ebenfalls seine Handschrift tragen wird.

Der Kader wird sich verändern, weil durch den entgangenen Aufstieg vermutlich einige Vertragsoptionen nicht greifen. Den schon bekannten Abgängen werden weitere Spieler folgen, wobei ich die Entscheider in solchen Personalfragen nicht beneide.

Andererseits zeigt das Beispiel Daniel Heber, dass RWE selbst in der Regionalliga gute Argumente hat, umworbene Spieler an den Verein zu binden. Hoffentlich gelingt es, mit den Spielern, die man behalten will, zu verlängern. Beeindruckend ist auch trotz des Werbens seines Heimatvereins Braunschweig das Bekenntnis von Neidhart, den begonnenen Weg mit RWE fortzusetzen.

Die Mannschaft muss fraglos verjüngt werden; allein schon, um die U-23-Regel zu erfüllen, müssen junge Talente verpflichtet werden, die nach Möglichkeit auch Startelfoptionen darstellen, und meines Erachtens muss neben Willensstärke auch der Faktor Schnelligkeit ein entscheidendes Kriterium sein.

Eine Einzelbewertung der Spieler erübrigt sich, weil die Mannschaft als Kollektiv hervorragend funktioniert hat und einige Spieler aufgrund von nur geringen Einsatzzeiten gar nicht beurteilt werden können. Überragend sicherlich die Abwehr als kompletter Block mit einem herausragenden Schlussmann hinter sich.

Sehr verbessert gegenüber den letzten Spielzeiten agierte das zentrale Mittelfeld, was sich nicht zuletzt auch an der sehr guten Torquote dieses Mannschaftsbereichs zeigt. Schon lange hatten wir nicht mehr einen so zuverlässigen Torgaranten, wie Simon Engelmann. Wünschenswert und absolut notwendig wäre eine Ergänzung/Alternative für unseren “Regler” und mehr Torgefahr durch die offensiven Außenbahnspieler, was als Konsequenz auch mehr taktische Variationen ermöglicht.

Mit Holzweiler und Langesberg sind schon erste vielversprechende Spieler verpflichtet worden. Die nächsten Wochen werden sehr viel Spannung mit sich bringen. Mit jeder Personalie wird sich unsere Vorfreude auf die kommende Spielzeit steigern, versprochen.

Letztendlich kann man auch als Spieler, Trainer, sportliche Leitung und Vorstand im Scheitern am selbst gesetzten Ziel wachsen und sich weiterentwickeln, das ist meine Hoffnung, aber auch Gewissheit für die kommende Spielzeit. Vor allem, wenn man auf eine solche Saison wie die abgelaufene aufbauen kann.

Am Schluss sei mir noch ein Wort in eigener Sache gestattet: Wie freue ich mich darauf, wieder ins Stadion zu ziehen, Euch alle wiederzusehen und die Mannschaft gemeinsam zum Sieg zu schreien. Noch eine weitere Saison mit Übertragungen auf dem iPad würde mir sehr, sehr schwerfallen.

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Geschrieben von Happo

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