Niederlage gegen Rödinghausen – Kommentar von Hybrid-Hürthi

Festung Hafenstraße – dass ich nicht lache

Habe mein normales Pensum vor sogenannten großen Spielen meines RWE an der heimischen Hafenstraße in den letzten Jahren abgespult. Eine gute Stunde Hinfahrt voller Vorfreude, zusätzlich noch heiß gemacht durch Gespräche und Telefonate. Eine gute Stunde Rückreise voller Frust und Enttäuschung.

Geradezu zum Hohn musste ich noch dem Rödinghausener Bus bei der Abfahrt vom Stadion hinterherschauen und auf der Rückseite lesen: Rödinghausen, wo der Fußball zu Hause ist. Ja, so weit ist es gekommen mit der Festung Hafenstraße, die uns vor der Saison versprochen worden war.

 Nach gut einer Minute war es vorbei mit der gesamten Herrlichkeit von RWE. Ohne einmal richtig an den Ball gekommen zu sein, stand es 0:1 für die Gäste durch einen Spieler namens Engelmann, der nach einem Freistoß aus dem Halbfeld und dem folgenden Durcheinander im Essener Strafraum frei einschießen konnte.

Engelmann, war da nicht was, schon erstaunlich, wie viele Freiheiten der gefährlichste Torschütze der Liga nicht nur in dieser Szene hatte.

Dieser Rückstand war meines Erachtens der Knackpunkt des Spiels, war er doch eine schwere Hypothek, die die Roten das gesamte restliche Spiel mit sich rumschleppten und von der sie sich nicht mehr befreien konnten. Rödinghausen dagegen spielte die Führung voll in die Karten. Angeführt von dem erfahrenen Daniel Flottmann, so etwas wie der verlängerte Arm des Trainers, spulten sie konzentriert und routiniert ihr Pensum runter, zeigten, dass sie eine gewachsene, robuste Truppe mit einer gut funktionierenden Achse sind.

Richtig torgefährlich wurde Rot-Weiss in den gesamten 90 Minuten nur selten. Und wenn, dann meistens eingeleitet von Lucas Dorow, der in der ersten Halbzeit zweimal sehenswert auf Endres durchsteckte, der einmal Wirtz bediente, der an Heimann scheiterte, und beim zweiten Mal frei auf Heilmann zulaufend knapp am langen Pfosten vorbeizielte.

Analog dazu spielte Dorow Endres kurz nach der Halbzeit frei, der wiederum an der langen Ecke vorbeischoss. Erwähnenswert allenfalls noch ein Getümmel im Rödinghausener Strafraum, als der Ball auch nicht ins Tor wollte.

Spätestens nach dem 0:2 nach gut einer Stunde war das Spiel endgültig entschieden, zum Schluss hätte die Heimniederlage noch höher ausfallen können.

Für mich war das Spiel die logische Fortsetzung der Begegnung in Köln. Die Dreierkette mit Hildebrandt als Mittelmann hat die Defensive etwas stabilisiert, allerdings auf Kosten der Durchschlagskraft in der Offensive.

Die beiden Stürmer spielen auf den Halbpositionen, die Flügel sind konsequent lediglich noch von Sauerland und Grund besetzt. Gerade Kevin Grund fehlt der offensive Mitspieler wie vorher Endres oder Kefkir, mit dem er über den Flügel kombinieren konnte. Wirtz ist mit dem Spiel auf der Halbposition überfordert. Erstaunlich, dass er gerade in Partien wie in Köln oder heute zum Einsatz kam, in Spielen wie z. B. gegen Fortuna Köln oder Homberg, wo er mit seiner Strafraumpräsenz hätte helfen können, keine Berücksichtigung fand.

 Aber das ist nur eine von vielen Fragen, die sich mir stellen und die ich nicht beantworten kann.

Nur kurz angerissen wären dies u. a.: Königstransfers Dahmani und Grote nur auf der Tribüne, das extrem weit auseinander, fast an den Seitenlinien Stehen der Innenverteidiger im Spielaufbau, womit M. Anfang in der Aufstiegssaison des FC Köln grandios scheiterte, der mittlerweile aufgeblähte Kader, wobei immer wieder neue Spieler in die Mannschaft rotieren und sich andere auf der Tribüne wiederfinden. Ob ein U-19-Spieler in so einem wichtigen Spiel bei Halbzeit eingewechselt werden sollte, sei dahingestellt.

Das extrem hohe Torwartspiel sollte sich durch die Umstellung auf Dreierkette in den meisten Spielen erübrigt haben. Nicht allein im heutigen Spiel war auffällig, dass durch Zustellen und Anlaufen der Rödinghausener die Spieleröffnung m. E. zu oft über Golz erfolgen musste.

Über Stürmer wie Engelmann, Janjic oder Yildirim, die unsere ostwestfälischen Konkurrenten stark machen, verfügen wir ebensowenig wie über einen Abwehrchef wie Flottmann. Null Punkte und 1:6 Tore in den Heimspielen gegen Verl und Rödinghausen sind ein deutliche Sprache.

Immerhin wurde mit Maxim Pronichev jetzt nach Platzek, Wirtz, Selishta der vierte Mittelstürmer verpflichtet, wobei Dorow wohl die meisten Spiele als falsche Neun auf der Position bestritten hat. Ist er der neue Heilsbringer?

Schön wär’s.

Diese Saison wird’s so oder so nicht mehr reichen.

Rödinghausen und Verl werden nicht entscheidend einbrechen, Oberhausen wird weiter konstant punkten. RWE hat diese Saison schon mehrere Chancen liegen gelassen, sich an der Spitze festzusetzen. Alles auf die kommende Saison zu projizieren ist fahrlässig, denn leichter wird es sicherlich auch nicht, Meister zu werden. Die Zuschauer haben alles gegeben, um ihrer Mannschaft den Rücken zu stärken, verdient haben sie so etwas wie den Gegentreffer nach wenigen Augenblicken am wenigsten.

Professionalität hat in allen Bereichen Einzug gehalten bei RWE, ein neuer kaum zu toppender Mannschaftsbus, ein Trainerstab beinahe in Mannschaftsstärke mit Verbindung zur Tribüne etc. Nur auf’m Platz, wo es bekanntlich entscheidend ist, leider am wenigsten.

Festung Hafenstraße, ich würde gern lachen, wenn es nicht so traurig wäre…

 

Dauergast / 1 Kasten Stauder

Geschrieben von Happo

Auf einen Psyhopathen mehr oder weniger, kommt es nicht an.

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