Nullnummerus Klausus

Nur wenige Kilometer liegen zwischen dem berühmt, berüchtigten Tönnies-Hauptquartier und dem kleinen, bescheidenen Jahnstadion. Heimspielstätte des Regionalligisten und Herausforderer des aktuellen Tabellenführers, Rot-Weiss Essen.

Dank meiner temporären Assistenzanstellung bei Sportredakteur Ralf Wilhelm von der Funke Medien Gruppe, kam ich in den Genuss, den Rückrundenauftakt unseres Teams live verfolgen zu dürfen.

Einer der wenigen Auserwählten sozusagen. Wobei, als RWE zuletzt in Wiedenbrück gastierte, waren auch nicht viel mehr Zuschauer anwesend. Damals war die Saison bereits gelaufen. Die Zeiten haben sich entscheidend geändert. In vielerlei Hinsicht.

Christian „The Rock“ Neidhart beorderte Amara Condé anstelle von Cedric Harenbrock in die Startelf. Kefkir blieb in Lauerstellung.

RWE von Beginn an dominant. Es sah so aus, als ob der Tabellenführer den Gastgeber spielerisch und taktisch zerlegen wollte und das auch umsetzen konnte. Noch war die Spielfläche in einem einigermaßen guten Zustand.

Kurz- – aber nicht hemdsärmelig gingen die Essener zu Werke.

Hochkarätige Tormöglichkeiten waren die Folge, vorgetragen überwiegend über die linke Angriffsseite. Besonders Joshua Endres wusste in dieser Phase zu gefallen. Young und vor allen Dingen Simon Engelmann hätten sich ohne weiteres in die Torjägerliste eintragen können, doch ein Mann hatte etwas dagegen. Marcel Hölscher.

Der 183cm große, langjährige Stammkeeper des SCW wuchs förmlich über sich hinaus. Selbst vom Elfmeterpunkt war er nicht zu bezwingen. Der Regler ist halt auch nur ein Mensch.

„Ui, jui, jui, die haben einen Torwart, ui, jui, jui, Hölscher, wunderbar“, klang es in meinen Ohren. Lieber wäre mir, es hätte im Tor der Wiedenbrückerraner geklingelt.

Nach gut einer halben Stunde befreite sich der Gastgeber mehr und mehr aus der Umklammerung, versuchte eigene Akzente zu setzen. 

Glück für Rot-Weiss, als ein Kopfball knapp am Essener Gehäuse vorbeistrich. Kurz vor dem Halbzeitpfiff fast doch noch der Führungstreffer für die Gastgeber. Pech für die Ostwestfalen, doch Stürmer Pudel erwies sich sehr zur Freude der “Roten” keinesfalls als eiskalter Hund. Freistehend bugsierte er den Ball an den Außenpfosten.  

Am Spielstand änderte sich also nichts, auch nicht am Fazit. RWE war die bessere Mannschaft, versäumte lediglich, einen oder mehrere Treffer zu erzielen.

In den zweiten 45 Minuten wurde die Partie etwas ausgeglichener. Wiedenbrück kämpfte verbissen, aufopferungsvoll sowie extrem lautstark. Den zwei Schreihälsen hätte ich gerne den Hals umgedreht. Scheiß was auf „Give Peace a Chance“. 😊

Chancen ergaben sich für RWE nach Wiederanpfiff nur noch wenige. Engelmann und vor allen Dingen Alex Hahn mit einem Kopfball nach Freistoß Grund, konnten den Sechs-Arme-Mann Hölscher nicht überwinden.

Angriffsbemühungen seitens der Gastgeber blieben Mangelware. Sie spielten ihre Rolle als Underdog trotzdem perfekt.

Erst mit der Hereinnahme von Harenbrock, Platzek und Kefkir setzte Kautsch Neidhart auf Offensive. Vielleicht zu spät?

Zumal Dennis Grote lange Zeit „Manni, den Libero“ mimte.

Die Rechnung ging letztendlich nicht auf, vor allen Dingen, weil Hölscher einen Sahnetag erwischte Selbst „Platzos“ fulminaten Schuss fischte er irgendwie aus dem Winkel.

„Hölscher hätte sich besser seine Fingernägel schneiden lassen“, bemerkte Christian Neidhart nach dem Spiel süffisant. Damit traf er meiner Meinung den Nagel auf dem Kopf.

Zwei Punkte verloren oder einen Punkt gewonnen?

Rot-Weiss ist 2021 noch ohne Torerfolg und ohne Sieg.

Oder ungeschlagen und ohne Gegentor?

Das liegt im Auge des Betrachters.

Ein Null zu Nulll ist sicherlich nur ein suboptimales Ergebnis, aber kein Grund, lange darüber zu hadern.

In diesem Sinne, Bonn kann kommen.

Geschrieben von Happo

Auf einen Psyhopathen mehr oder weniger, kommt es nicht an.

Aktion: Darauf fährt Essen ab

Keine Neun, aber Drei Punkte