Lehrstunde mit “Kautsch” Christian Titz

Es ist gerade mal ein paar Tage her, da löcherte ich Christian Titz schriftlich mit einigen unhaltbaren Behauptungen, die der Chef-Kautsch problemlos und locker auskonterte.

Dass ich lästiges Insekt trotzdem eine Einladung für ein persönliches Gespräch erhielt, ist mehr als nur eine Randnotiz wert, zeigt diese Geste doch, CT redet nicht nur über Fannähe, er lebt sie auch.

Im Vorfeld hatte ich mir Gedanken gemacht, was man noch großartig fragen soll. Gerade in letzter Zeit erschienen zahlreiche Artikel mit und über ihn. Dazu Pressekonferenzen, wo er ne Menge über seine Spielphilosophie, über taktische Vorgaben und Trainingseindrücke preisgab. Einfach mal überraschen lassen, soll ja auch mehr ein „Kennenlern-Treffen“ sein.

Tilmann Radix erwies sich einmal mehr als äußerst entgegenkommend, holte mich von der Geschäftsstelle ab und gemeinsam schlenderten wir in einen der VIP-Räume. Es roch mal nicht nach Stauder, doch auch frischgemahlener Kaffee regt die Sinne an.

Lange warten musste ich nicht. Christian Titz gesellte sich wenige Minuten später zu uns. Er wirkte ziemlich verschnupft, zum Glück nicht wegen mir. Was Bakterielles.

Unter uns, ich hätte mir wahrscheinlich eine Auszeit verordnen lassen.

„Krankenschein? Für mich ein Fremdwort“. Eine Aussage, beispielhaft für seine Arbeitseinstellung.

Als Belohnung spendierte ich einige Tüten Aachener Printen.

„Nein, mit meinen Schwiegereltern habe ich keinen Ärger bekommen, im Gegenteil, die waren und sind von Rot-Weiss Essen begeistert. Wie überhaupt meine gesamte Familie.“

Ja, Rot-Weiss Essen hat es ihm angetan. Dazu brauchte ich keinen Lügendetektor anschließen. CT´s Worte gingen wie Öl runter.

„Dieser Verein ist etwas Besonderes. Diese Atmosphäre, diese Leidenschaft der Fans, einmalig. Auch deshalb bin hierhin gekommen“.

Sofort stellte ich die Frage aller Fragen, nämlich die nach seiner beruflichen Zukunft, obwohl mir bewusst war, keine verbindliche Antwort zu erhalten.

Eines kam glasklar rüber: Cristian Titz fühlt sich pudelwohl an der Hafenstraße. Er brennt für die Aufgabe, will hier mit der Mannschaft den Erfolg und wird alles dafür tun, die Vereinsziele zu erreichen.

Mehr Treuebekenntnis kann man nicht verlangen. Auch im Privaten legt er höchsten Wert auf Verlässlichkeit, wies zudem darauf hin, dass es auch in die andere Richtung gehen kann, sprich: Beurlaubung, Entlassung. Wie zuletzt beim HSV.

Bis zu seinem Engagement bei Rot-Weiss war er zwar ohne Trainerjob, aber keinesfalls beschäftigungslos.

Keine Überraschung, in dieser Zeit drehte sich beruflich ebenfalls fast alles um Fußball, u.a. hospitierte er bei einem Dänischen Erstligisten oder hielt Vorträge in seiner Eigenschaft als Mitglied im Trainerlehrstab beim Fußballverband Mittelrhein.

Was mir neu war, Digitalisierung ist für “Big Titz” nicht nur im Trainerberuf unverzichtbar geworden, er nutzt sie auch für weitere, erfolgreiche Betätigungsfelder. So ist er Gründer und Inhaber von CoachingZone, einem Internetportal für Trainingslehre und Spielkultur. Wer sich da mal einliest, erfährt ne Menge über den modernen Fußball mit all seinen Nebenschauplätzen, lässt erahnen, wie sehr RWE von seinem Wissen, von seiner Erfahrung, profitieren kann. Auch als (E-)Book-Autor macht Essens Chef-Kautsch eine erstklassige Figur. Klickst Du HIER

Zur Klarstellung: Selbstredend ist er derzeit fast rund um die Uhr mit Rot-Weiss Essen beschäftigt!

Nicht, dass da ein falscher Eindruck entsteht.

Keine Ahnung, ob das jetzt schon Schleichwerbung war oder nicht, doch das Fachwissen zeigte Wirkung. Mir wurde im Laufe des Gespräches ziemlich deutlich, wie wenig Ahnung ich vom Fußballsport an sich habe.

Was mich nicht hindern wird, weiterhin Spielkommentare aus Fan-Sicht zu verfassen und so zu tun, als verstünde ich das Spiel nicht nur ansatzweise. ????

Meine nächste Frage trug ich anschließend etwas weniger forsch vor: „Ich habe den Eindruck, Jakob Golz interpretiert die Torwartrolle etwas defensiver, als Marcel Lenz. Liege ich da richtig?“

„Nein, da irrst Du“. War ja klar, hatte keine andere Antwort erwartet.
„Es hat mit der Spielweise der Gegner zu tun. Sie stehen höher, greifen früher an“, erklärt er ohne jegliche Überheblichkeit in seiner Stimme.

„Das Torwartspiel an sich, sorgt in Fan-Kreisen zwar nicht mehr wie anfangs, doch nach wie vor bei vielen für einen erhöhten Blutdruck“, klärte ich ihn auf.

„Wie hoch ist die Wahrscheinlichkeit, dass ein Tor fällt, wenn der Torwart weit vor dem eigenen Gehäuse steht? Richtig, mehr als gering! Viel gefährlicher sind Anspiele im eigenen Sechzehner“.

Mir blieb nichts anderes übrig, als zustimmend zu nicken. Der Faktencheck gibt ihm recht.

Nach dem super Spiel gegen Aachen, meinte ich erkannt zu haben, es liege auch an der Duo-Bildung (Grund/ Kefkir, Dorow/Endres, Hahn/Kehl-Gomez).

CT hatte Erbarmen, erklärte mit einfachen Worten, dass es sich um „Partnerschaften“ handelt, Bereiche, in dem sie Verantwortung übernehmen müssen. So ist z.B. Kevin Grund auch für die Innenverteidigung und seinem offensiveren Partner „zuständig“, wer immer auch diese Position bekleidet.

Sowas kann man trainieren, es braucht allerdings eine gewisse Zeit, bis solche Mechanismen von den Akteuren verinnerlicht werden. Auch andere taktische Vorgaben können nicht von heute auf morgen umgesetzt werden. Deswegen auch immer der Hinweis an die Fans, etwas Geduld zu haben und der Mannschaft beizustehen, wenn es mal nicht wie gewünscht läuft.

Der Entwicklungsprozess sei noch lange nicht abgeschlossen. Im Fußball gibt es einfach zu viele Unwägbarkeiten, Strategien müssen mehrfach angepasst oder auch geändert werden.

Ein Vorteil der beiden derzeitig ärgsten Konkurrenten um Platz Eins, Verl und Rödinghausen, ist deren gewachsene Mannschaftstruktur. „Die können eine Durststrecke einfach besser wegstecken“.

Großen Wert legt Christian Titz auf gesunde Ernährung und geistige Beweglichkeit. Da helfe ein Blick auf andere Sportarten. Profitiert hat er u.a. vom Erfahrungsschatz des ehemaligen Hockey-Nationaltrainers, Bernhard Peters.

Meine Frage nach einem Trainer-Vorbild, verneinte er.

„Allerdings inspirierten mich Johan Cruyff als Trainer beim FC Barcelona, sowie Marcello Bielsa mit seiner Chilenischen Nationalmannschaft, wie und was für eine Art Fußball sie spielen ließen“.

Stichwort Zu- und Abgänge zur Winterpause.

Hier ist aktuell niemand in der Verlosung. Auch ist bisher noch kein Spieler an ihn oder Jörn Nowak herangetreten, um einen Wechsel zu erfragen. Allerdings ist ihm in seiner langjährigen Trainertätigkeit keine Winterpause in Erinnerung geblieben, wo es keine personellen Veränderungen gab, stellte gleichzeitig aber klar:

„Wir, ich, bin mit dem derzeitigen Kader voll und ganz zufrieden.“

Apropos HSV. „Kennst Du Marc Fascher persönlich?“

„Ja“.

„Okay, nur so“.

Christian Titz ist übrigens seit dem Jahr 2004 im Besitz der Trainerlizenz, gemeinsam u.a. mit Ralf Außem, Heiko Bonan, Sven Demandt und einem gewissen Herrn Wrobel, drückte er die DFB-Schulbank.

Zufall? Christian Titz verneint meine Theorie, ob wohlmöglich „Waldi“ Wrobel seinen Wechsel zur Hafenstraße 97A mit eingestielt hat.

Ein Blick auf die Digitaluhr verriet, es war mittlerweile bereits 14.35 Uhr. Vor 5 Minuten hätte das offizielle Training bereits anfangen sollen.

Ganz ehrlich, so einen Pauker hätte ich früher liebend gerne gehabt. Und auch das Fach „Fußball“ fehlte auf den Stundenzetteln der Schulen.

Als kleines Dankeschön überreichte ich unserem Kautsch im Namen der Uralt-Ultras noch ein Original UNKAPUTTBAR-Shirt.

Christian Titz (links) :mrgreen: 

Big Titz nahm es dankend entgegen, verabschiedete sich hustend von mir, nicht ohne einen Gruß an alle RWE-Fans zu bestellen.

„Ich hoffe, wir sehen uns zahlreich in Wanne-Eickel!“

Danke Christian Titz für die Lehrstunde, Danke Tilmann Radix fürs Vermitteln.

Man liest und sieht sich.

Nur der RWE!

Dableiber / 1 Flasche Stauder

Geschrieben von Happo

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