Thekengespräch mit Christian Neidhart

Neues Spiel – neues Glück. Neue Saison – neuer Trainer.

So lief es in den letzten Jahren bei Rot-Weiss Essen ab. Doch diesmal soll alles anders werden. Dank Christian Neidhart.

Gestern, am 3.09.2020, bekam ich die Gelegenheit, dem neuen Schäffkautsch einige mehr oder weniger intelligente Fragen zu stellen.

Das Gespräch fand in einem VIP-Raum im Stadion Essen statt. Niclas Pieper hatte alles in die Wege geleitet. Mustergülitg! Herzlichen Dank dafür, Niclas.  

Alles war vorbereitet, der runde Tisch für drei Personen gedeckt. Als der beim DFB heiß gehandelte Nachfolger auf das Präsidialamt, Marcus Uhlig, spontan seine Teilnahme am Gedankenaustausch signalisierte, schoss mir eine Szene von „Spiel mir das Lied vom Tod“ in den Kopf.

„Nein, es ist keine Tasse zu wenig, es sind zwei zu viel“.

Christian Neidhart ließ nicht lange auf sich warten. Ohne Umschweife kam er auf mich zu, streckte die Corona-Faust entgegen und verriet: „Ich bin der Christian“,

Im Laufe des Gesprächs wurde deutlich, so isser, direkt, bodenständig, offen und humorvoll.

Ob er einen Spitznamen hätte, wollte ich von ihm wissen. Kurzes Stutzen, dann die Antwort: „Nein, bisher nicht. Die Spieler sprechen mich immer mit Trainer an“.

Am Ende des Tages werd´ ich mir einen Namen für ihn ausdenken, versprach ich ihm.

Christian Neidhart verneinte meine Frage nach Hobbys oder Lieblingskünstler etc. „Bei mir dreht sich (fast) alles um Fußball. Die fußballlose Zeit ist die Schlimmste“.

Der gebürtige Braunschweiger verhehlt nicht, dass er Eintracht Braunschweig Fan ist. Keine Überraschung, wenn man als kleiner Junge seinen Vater ins Stadion begleitet. Von daher weiß er genau, wie Fans ticken, wie sie meckern, wenn etwas nicht gelingt und fünf Minuten später Jubelarien vorführen, weil ihr Verein ein Tor erzielt hat.

„Für Fans ist es schwer zu ertragen, derzeit nicht ins Stadion zu dürfen. Von der Stimmung an der Hafenstraße wird auch im Spielerkreis geschwärmt. Umso trauriger ist es, dass gerade die Neuzugänge diese einmalige Atmosphäre hier noch nicht einatmen konnten. Ich vermiss es übrigens auch“.

Sportlich sieht er dagegen eher den/die Gegner im Nachteil. Hat dafür auch eine plausible Erklärung parat: „Die Wiedenbrücker Spieler z.B. werden nicht durch die Stimmung auf den Rängen, die Anfeuerungsrufe motiviert, heiß gemacht. Für sie und viele andere Mannschaften in der Regionalliga ist es eben ein Highlight, in Essen zu spielen. Da holt man gerne einige Prozent mehr aus sich heraus“.

Nun lese ich Christian Neidhart ein paar Fragen von Bar-Besuchern vor.

So will Ex-Ob Uwe aus Barfuß-City wissen, wie er die Auswirkungen von Corona in Bezug auf die Ziele von RWE bewertet.

„Man muss mit allem rechnen. Spielausfälle, Verlegungen, Corona bedingte Pausen, ja, selbst ein Saisonabbruch ist möglich. Wir gehen die Spielzeit so an, als gäbe es Corona nicht. Die Hygienevorschriften halten wir natürlich ein. Wir wollen jedes Spiel gewinnen, so viel wie möglich Punkte sammeln. Alles andere liegt nicht in unserer Hand“.

Marcus Uhlig meldet sich zu Wort:
„Ich hoffe, nein ich rechne sogar damit, dass wir ab November vor 5000 Zuschauern spielen dürfen. Das Hygienekonzept ist positiv bewertet worden. Sollten die Zahlen nicht steigen oder gar zurückgehen, stehen die Chancen sehr gut für ein halbwegs gewohntes Stadionerlebnis“.

Das letzte Wort hat allerdings die Politik, darüber besteht Einigkeit.

Cantona lässt fragen:

„Wie verhält es sich mit dominantem Ballbesitzfußball, auch vor dem Hintergrund einer gewissen Heimschwäche in der letzten Saison?“

Zum Thema Ballbesitzfußball hat C.N. eine klare Meinung.

Wenn mehr Ballbesitz nur oder überwiegend durch hin- und her Geschiebe erreicht wird, dann hält er gar nichts davon. Ballbesitz ist immer gut, nur muss dieser dann auch für Druck auf das gegnerische Tor genutzt werden.

„Schlafwagenfußball wird im Stadion Essen sicher nicht gerne gesehen“, führt er weiter an.

Auf Hybrid-Hürthis Frage, wie man die Effektivität vor dem Tor (Engelmann außen vor) steigern kann, entgegnet Christian Neidhart:
„Effektivität kann man nicht steigern oder trainieren. Entweder man hat den Killerinstinkt oder nicht. Punkt.

In dem Zusammenhang stellt er klar, dass im Kader einige torgefährliche Leute vorhanden sind. Auch das Spielsystem wird nicht geändert, falls Engelmann mal ausfallen würde.

Dirty Harry (und viele andere Fans auch) macht sich Sorgen, wie man die vielen Spieler über die lange Saison hinaus bei Laune halten kann.

„Das geht hauptsächlich über Siege, Siege, und nochmals Siege. Zudem verlange ich von den Spielern eine profihafte Einstellung. Alles muss dem Ziel Aufstieg untergeordnet werden“.

Gleichzeitig betont der Trainer, dass jeder Akteur jederzeit im Laufe der Saison eine faire Einsatzchance erhalten wird.
„Es ist selbstverständlich, dass ich meine Entscheidungen den Betroffenen gegenüber begründe“.

Großes Gelächter, als ich die Question von Mad-Mathe-Prof-Malocher-DJ-Verlinkungs-Opa-Maddin vortrage:
„Wann hattest Du zum ersten Mal Sex und hast Du dabei schon damals an RWE gedacht?“

Nach kurzem Zögern nahm er meinen Kugelschreiber, entfernte die Mine und legte los, berichtete von seinen ersten Gehversuchen außerhalb des Fußballplatzes. 😊

Okay, in Wahrheit enthielt er sich der Stimme, antworte aber mit einem deutlichen „JA“, auf die weitere Frage von Maddin, ob eine Aufstiegsprämie ausgehandelt wurde.

„Ansonsten hätte ich schlecht verhandelt“.

Sein Vertrag läuft über zwei Jahre. Im Aufstiegsfall kann eine Option auf ein weiteres Jahr gezogen werden.
Auch darüber macht Christian Neidhart kein Geheimnis.

Nicht nur Pidder Dahl rätselte, wer der weißhaarige Mann war, der sich nach dem Testspiel gegen den FC Emmen angeregt mit Christian Neidhart und später auch mit Alex Hahn unterhielt. Die meisten tippten auf einen Berater.

„Nein, nein, das ist Jauke Faber, Holländischer Ex-Co-Trainer beim SV Meppen“. Endlich ist das Rätsel gelöst.

Apropos Co-Trainer. Dass sein bisheriger Co ihm nicht nach Essen folgte, ist dem Schicksal geschuldet. Christian Neidhart betont unmissverständlich, dass er an der Hafenstraße ein hervorragendes Trainerteam antraf. Sie ziehen an einem Strang. Es passt.

Auf seine Erfahrungen als Spieler im fernen China angesprochen, sprudelt es aus ihm heraus. Auch Niclas Pieper und Marcus Uhlig hängen dem Hoffnungsträger an den Lippen.  
Höhentraining auf 3300 Meter. Auswärtsspiele nur mit Flugzeug machbar, und allgegenwärtig, mittendrin anstatt nur dabei, die Chinesische Staatsmacht in Form von Fußballfunktonären.

Bezeichnend für C.N., als er nach einem Flug mit heftigen Turbulenzen, erst gar nicht mehr mit zum Mannschaftsquartier fuhr, sondern im wahrsten Sinne des Wortes, seine sieben Sachen packte und nach Hause flog. Ende im Gelände. China war eine gut bezahlte Erfahrung, aber es reichte ihm.

Der Ex-Meppener Aufstiegstrainer ist eine wohltuende Ausnahme im bezahlten Fußball. Er geht seinen Weg, unbeirrbar, auch oft entgegen aller Trends.

Wusste jemand, dass er der erste Wessi-Fußballprofi bei den Ossis war?! 1991 bei Sachsen Leipzig. Dort lernte er die Trainingsmethoden und menschlichen Vorzüge von Frank Engel zu schätzen. „Frank hat mich am meisten von allen Trainern beeindruckt“.

Ganz sicher zählt Neidhart nicht zur Gilde der sogenannten Laptop-Trainer, obwohl er die technischen Möglichkeiten sehr zu schätzen weiß und diese auch nutzt.

„Es kommt bei allem auf das Maß an“.

Abschließend überreichte ich ihm ein Uralt-Ultra-Unkaputtbar-Shirt sowie als Gag, ein Neidhart-Liederbuch mit blumigen Texten aus dem Mittelalter.  

Damit hatte er wohl nicht gerechnet. Zu freuen schien er sich trotzdem.

Ich kann nur hoffen, dass Christian Neidhart auch im nächsten Jahr sein Amt an der Hafenstraße ausüben wird. Auch aus Kostengründen, denn so Shirts kriegste nicht für nen Appel und en Ei. 😊

Ernsthaft. C.N. war nicht nur der erste Wessi im Osten, nicht nur der erste Deutsche Fußballprofi in China!

Er wird auch der erste Trainer, der mit RWE in Liga Drei aufsteigt.

An ihm scheint alles abzuprallen, er ist herzensgut, kann aber auch knochenhart sein.

Deshalb ist er für mich „The Rock“, die Deutsche Antwort auf Dwayne Johnson.

Nur der RWE!

P.S. Die Antworten habe ich versucht sinngemäß wiederzugeben. Falls ich etwas falsch verstanden haben sollte, so bitte ich um gerechte Bestrafung und um entsprechende Hinweise.

Dauergast / 1 Kasten Stauder

Geschrieben von Happo

Auf einen Psyhopathen mehr oder weniger, kommt es nicht an.

Tierisch bekloppt

Geisterspiel gegen Ahlen begeistert nicht