Allerlei Tritte

Gestern Abend kam Buffy vorbei. Sie hatte sich spontan bereiterklärt, ein paar kesse Comics auf die Eingangstür zu zaubern.

„Kein Problem, Happo, das wird ein echter Hingucker, die Pforte“, versprach sie selbstsicher, als sei das eine ihrer leichtesten Übungen. Salander hatte mir von ihrer Graffiti-Vergangenheit erzählt, welch große Künstlerin sie doch sei.

Jetzt, wo ich das Werk betrachte, muss ich sagen: WAHNSINN!

Das Mädel hat es echt drauf. Sie sprüht nicht nur so vor Ideen, sie sprühte diese auch flink, gekonnt, einfach weltmeisterlich, auf die Eingangstür.

„Buffy, wenn sich jetzt nicht die Gäste die Klinke in die Hand geben, dann weiß ich auch nicht mehr weiter“.

„Keine Sorge, die werden Schlange stehen“, beruhigte sie mich. „Die werden vor der Tür ringen, um in die Bar zu dürfen“.

„Haha, schönes Wortspiel“.

Geschmeidig schwang sich Buffy auf einen der freien Hocker, direkt neben Gauda.

„Hör bloß auf mit Thüringen. Was da abgeht, geht gar nicht“. Gauda wischte sich den Bierschaum von den wulstigen Lippen.

„Ein Rücktritt nach dem anderen“, legte er schnaubend nach.

„AKK, Kemmerich, Lieberknecht, der Ost-Beauftragte da, äh, komm jetzt nicht auf den Namen“, zählte Anarcho auf.

„Möhring?“ Das war Gigolo.

„Au weia, wenn Du die Namen bei Deinen Liebesdates auch immer so verunglimpft, dann wird mir einiges klar“. Salander verdrehte die Augen.

„Erstmal heißt der Mohring und zweitens ist der immer noch amtierender CDU-Vorsitzender von Thüringen“.

„Aber sein Rücktritt ist nur eine Frage der Zeit“, warf Anarcho ein.

„Eine Frage der Ehre“, berichtigte Salander.

„Rücktritt ist doch derzeit in Mode“.

Anarcho richtete sich auf, nahm seine Finger zu Hilfe: „Die vier Staatsanwälte, die gegen Trumps Vertrauten Stone ermittelt haben, Kardinal Marx …  oder US-Boy Klinsi, letzte Tage bei Hertha“.

„Bei Hertha geht’s wie in Thüringen um die Wurst“, scherzte Gigolo.

„Du bist auch so ´ne Wurst, Liebeskasper“, maulte Gauda.

Gigolo zog eine Grimasse, ließ sich aber nur kurz stoppen.

„Der Rücktritt von Kardinal Marx war aber ein Kardinalfehler, Käskopp, oder?“.

„Da marxe recht haben“, pflichtete Gauda ihm bei.

Um diesen unvorhergesehen entspannten Moment zu festigen, erfüllte ich die Flüssigkeitswünsche meiner Gäste, indem ich diverse Gläser füllte und zwar über die von der Europäischen Eichverordnung geforderten Normen. ohne jegliche Minustoleranz.

Salander meldete sich provokativ zu Wort:
„Jetzt wo Annegret zurücktritt, traut sich die alte Männergarde wieder aus ihren Löchern raus“.

„Ein Dreigestirn, passend zu Karneval“. Buffy schüttelte dabei ihren Kopf.

„Die drei Weisen“.

„Die drei vonne Tankstelle“.

„Die drei verbalen Muskeltiere“.

Wer was von sich gegeben hat, kann ich leider nicht mehr rekonstruieren. „Morbus Ursula“ nennt man diese Krankheit umgangssprachlich, glaube ich.

„Aber da haben sie die Rechnung ohne „Weiße-Kragen-Träger“ Nobby Röttgen gemacht. Der tritt zwar nicht zurück, aber gerne mal nach. Nach Angie“, ergänzte Salander.

Anarcho, dessen großflächiges Hinterteil wieder festen Halt auf der Hockersitzfläche gefunden hatte, blickte mir starr in die Augen.

„Lass den Anwalt mal den Vorsitz übernehmen, vielleicht tritt er dann endlich als Talkgast zurück“.

Unkontrolliert schnellte der Daumen meiner rechten Hand in die Höhe. „Der Gedanke gefällt mir, Anarcho“.

Gauda beugte sich zur Seite, bölkte in unsere Richtung: „Vorher aber bitte den beiden Erklärbären Kubicki und Altmaier eine Auftrittssperre verhängen … und UNBEDINGT der Grünen Annalena Sprechverbot erteilen“.

Der Holländer schnaufte verächtlich.

„Am liebsten würde ich Dir jetzt einen Arschtritt verpassen, Gauda“.

„Ach, ist doch wahr. EIN Grüner ist doch immer in so einer Laber-Show. Wenn Harbeck nicht kann, dann schickt er seine Historische Quasselstrippe Trittin ins Rennen“.

„Tja, der smarte Robert ist eben ein Gentleman. Der lässt seine Vorgänger gerne mal den Vortritt“, schnalzte Buffy mit ironischem Unterton.

„Ja nee, is´ klar, Buffy. Übrigens, Dein Habeckchen macht den Trittin vor der Sendung immer so richtig heiß“.

 Gauda brachte sich in Pose, und alle wussten, jetzt werden sie Zeuge einer schauspielerischen Glanzleistung:

„Hör zu, Jürgen, sagt die Hälfte der Doppelspitze, …. Jürgen, wenn der Lindner wieder mit seinen dummen Phrasen anfängt, dann tritt, ihn. Tritt ihn, Jürgen. Alles klar? Gut, auf geht’s!“.

Was für ein Auftritt! Und alles bei freiem Eintritt!

An Gauda ist echt ein Komiker verloren gegangen. Auch was er manchmal von sich gibt, ist zum Lachen. Anarcho meint, lachhaft.

Ich sag immer, was nützt eine bunte Tür, wenn sich dahinter eine Schwarzmalerei befindet.

Na denn Prost!

Dableiber / 1 Flasche Stauder

Geschrieben von Happo

Auf einen Psyhopathen mehr oder weniger, kommt es nicht an.

Wichtiger Dreier

Drei Tore – Drei Punkte – Platz Drei