Guter Schlächter

Image isst alles

Afrika- und Tierfreund Clemens Tönnies zeigt wieder einmal, welch grandioser Macher, Unternehmer und Weltbürger mit sozialem Gewissen er doch in Wirklichkeit ist. Ganz im Gegensatz zu seinem Bild, welches die Medien von ihm seit Wochen der Öffentlichkeit präsentieren.

Ausgerechnet er, der als Großwildjäger die Menschen vor Angriffen gefährlichster Raubtiere unter Einsatz seines Lebens verteidigt, wird wie Freiwild zum Abschuss freigegeben?

Doch Clemens wäre nicht Clemens, sondern Hugo, wenn er sich länger hängen ließe, als das Schlachtvieh in einem seiner Schlachthöfe.

Warum ich Euch das erzähle?

Gerade eben tauchte ein PR-Mitarbeiter der Tönnies Unternehmensgruppe bei mir auf, stellte sich als Erwin Blauen vor und überreichte ein aufwendig gestaltetes Glanz- Prospekt mit der Bitte einige Exemplare davon in meiner Bar auslegen zu dürfen. Als Gegenleistung würde ich zwei Wochen lang tiefgekühlte Fleischpakete des von zahlreichen Kommunalpolitikern hofierten Konzern geliefert bekommen und zwar tatsächlich kostenlos.

Einverständniserklärung liege bei. Nur unterschreiben und ab damit an die Zentrale nach Rheda-Wiedenbrück. „Aber ausreichend frankieren“, mahnt Erwin Blaumeister.

„Tönnies Freizeit-Paradies“

Eine Wohlfühloase für Mensch und Tier

Kleingedruckt: Bei Vorlage eines Werkvertrages, erhalten Sie einen Preisnachlass in Höhe von je nach dem.

Der Freizeitpark wird auf dem Gelände des Firmen Hauptsitzes in Rheda-Wiedenbrück entstehen. An jedem ersten Wochenende des Monats öffnen sich die Pforten der Freizeitoase für die Öffentlichkeit. Soll so eine Art Tag der offenen Tür werden. 

„Am Tor begrüßt Sie unser Clown Philipp“, erklärt mir Blauen.

Selbstverständlich läge der Veranstalter größten Wert auf Einhaltung sämtlicher Hygienevorschriften, welche der große Landesvater Armin Laschet auf diversen Notizetteln, Firmenboss Tönnies hinter die Ohren heftete.

Erwin Blauen erklärt gestenreich nuschelnd, was den Kunden so alles geboten werden soll, damit die Schlachtrufe der Fans und BürgerInnen sich nicht gegen die Person Tönnies richten.

„Dann doch besser gegen den Hopp, haha“.

Im Laufe des Gesprächs erfahre ich dann weitere Einzelheiten über dieses Mammutprojekt.

Legt man die Buchungsanfragen zu Grunde, scheinen Schweinsgalopprennen großes Interesse hervorzurufen.

Auch für diverse Mode-Shows auf dem Laufsteak flattern massenhaft Vorbestellungen ein.

Tickets zur Teilnahme an altehrwürdigen Schnitzeljagden sind dagegen vor allen Dingen unter den Traditionalisten heiß begehrt.

Bullenreiten steht trotz-  oder gerade wegen der aktuellen Diskussion rund um die Polizeiarbeit extrem hoch im Kurs. Zahlreiche Bewerber dieser Events, mussten bereist ausgesperrt werden.

Fast ausverkauft, meldet das Wohlfühl-Management für die kniffligen Speckwürfelspiel-Turniere! Es locken fette Gewinne.

Hausschwein „Sissi“ (auch als Stofftier im Fan-Shop käuflich zu erwerben) wird die Kinderherzen im Sturm und auch bei Sonnenschein erobern.

Per Fleischlostrommel wird ermittelt, wer von den Parkbesuchern unter 10 Jahren, dem niedlichen Lebewesen die Pfoten maniküren darf. „Sissifuß-Arbeit, sozusagen”, merkt Herrn Blauen dazu an.

„Wann geht´s denn mit dem ganzen Klamauk los?“, frage ich.

„Sobald die Reh-Produktionszahlen unter Eins liegen. Wir stehen da im engen Kontakt mit unserem Kantinen-Koch.”

„Robert?“, hake ich nach.

Wie der mit Vornamen heißt, wisse er nicht.

Erwin Blauen schaut auf seine Uhr. „So, die Pflicht ruft. Mein Zeitfenster pro Werbekunde ist bereits geschlossen. Lassen Sie von sich hören. Hoffentlich nur Positives“, sprach´s und heftete mir eine Ansteckungsnadel mit dem Konterfei von Clemens Tönnies auf mein T-Shirt. 

Man könnte echt meinen, der ist kein Schlächter.

Dableiber / 1 Flasche Stauder

Geschrieben von Happo

Auf einen Psyhopathen mehr oder weniger, kommt es nicht an.

Wie aus Big Titz, Small Titz wurde

Also, ich seh´das so…