Tour de Revanche geht weiter

Was haben Bielefeld, Düsseldorf und Leverkusen gemeinsam? Sie alle warfen RWE irgendwann mal aus dem DFB-Pokalwettbewerb.

Die zwar nicht hübschen, aber im Nachhinein hilfreichen Losfeen, sorgten dafür, dass Rot-Weiss Gelegenheiten bekam, das gerade zu rücken.

Diesmal musste Leverkusen dran glauben.

Will gar nicht groß drum rum reden:
Ja, RWE hatte unzählige Male Dusel, Glück, Schwein und Massel. Die Pfosten schienen verlängerte Arme vom alles überragenden Essener Keeper Davari zu sein.

Zwischendurch kam sogar ein wenig Mitgefühl mit Bayer-Coach Peter Bosz in mir auf. Was seine Schützlinge versiebten, wie oft sie aufgrund ihrer Abschlussschwäche die spielerische Überlegenheit nicht in Tore ummünzen konnten, muss ihm Schmerzen bereitet haben.

Tapsoba, Alario, Bailey, Schick, Diaby, Wirtz, Fosu-Mensah, … fast das komplette Team der Gäste trug sich in die Liste der möglichen Torschützen ein.

Nicht nur einmal rutschte mein Herz in die Hose. “Das kann doch nicht gut gehen”, “Gleich fangen die sich Einen”, “Das gibts´doch nicht!” Man kommt schon auf komische Gedanken, wenn man das Ergebnis nicht kennt. 🙂

Mir kam und kommt es auch heute noch so vor, als hätten beide Teams 123 Minuten durchgeackert.

Sicherlich war der Spieluntergrund alles andere als Bundesligareif, glich einem Acker, doch in Essen verzichtet der Green-Keeper auf den Einsatz von Glyphosat, an der Hafenstraße 97A schickt man lieber ein giftiges Team auf den Platz.

Und giftig war die Neidhart-Elf. Unfassbar, wieviele Kilometer die Truppe marschiert ist. Jeder Spieler stemmte sich der drohenden Niederlage entgegen. Niemand ließ sich hängen, einer kämpfte für den anderen.

Trotzdem, manchmal wurde ich fast wahnsinnig vor Verzweiflung, als Bälle leichtfertig verloren gingen, hochgefährliche Fehlpässe produziert wurden. Die Auswechslungen von Conde´und Young waren absolut nachvollziehbar. War eben nicht ihr Tag, so was kommt vor.

In der Nachspielzeit nahm die Dramaturgie nochmals zu.

Leverkusen drückte weiter und weiter. Essen gelangen kaum Entlastungsangriffe.

Als Dragovic einen Querschläger fabrizierte, der Ball vor die Füße des völlig freistehenden Bailey fiel, und dieser gekonnt ins lange Eck zum 0:1 einschob, jubelte ganz Bayer. Essen und meiner Einer sank dagegen in sich zusammen.

Das war´s. Das Ausscheiden hab ich innerlich akzeptiert. Sie haben sich teuer verkauft, sie haben RWE deutschlandweit hervorragend vertreten.

Zum Glück sind die Spieler aus einem anderen Holz geschnitzt. Von wegen aufgeben! Und wir haben einen Könner an der Seitenlinie: Christian “The Rock” Neidhart.

Mit den Einwechslungen von Cedric Harenbrock und Marcel Platzek signalisierte er seinen Schützlingen. Weitermachen. Da geht noch was.

Beide Genannten erwiesen sich dann auch als Glücksgriff. Cedric zeigte in den wenigen Minuten, über was für ein Spielverständnis er verfügt. Zu Fußballgott Marcel Platzek braucht ein Rot-Weisser nichts mehr groß was schreiben. Wir wissen, was “Platzo” drauf hat.

Die 108. Minute: Platzek zieht halbrechts im Strafraum wuchtig ab. Hradecky kann nur nach vorne abklatschen lassen. Kefkir staubt humorlos ab.

Spielertrauben. Ich tanze unbeholfen wie ein Bär durch das TV-Zimmer, merke überhaupt nicht, wie laut ich meine Freude rausposaune. First Lady will schon den Notarzt alamieren.

Die 117. Minute toppt dann alles. Cedric Harenbrock schiebt mustergültig in den Lauf von Engelmann. Eine fließende Beinbewegung und das Netz wackelt, der Ball ist drin und Bayer Leverkusen draußen.

Unfassbar! Unglaublich! Unbeschreiblich!

Das Wunder von der Berne ist Realität!

Wir waren dabei, wenn auch nur vor den sterilen Geräten. Das tut irgendwie weh, doch es ist aktuell nicht zu ändern. Wenn es dem Verein hilft, wenn man diesen Preis dafür zahlen muss, dann nimmt das jede(r) RWE-Fan in Kauf.

Was man alles erreichen kann, wenn die Chemie stimmt, wurde gestern deutlich.

Wie schwärmte einst Rolf Töpperwien: “So eine Stimmung habe ich bisher nur im Aztekenstadion erlebt”. Mir würde als kleine Entschädigung erstmal reichen, wenn ich mit Atze anne Theke stehen dürfte!

Danke Rot-Weiss Essen – für den denkwürdigen Abend!

Unter uns, die Nicht-Fußball-Fans lassen wir einfach in dem Glauben, gestern wäre in der City wieder eine dieser Clan-Hochzeitskorsos unterwegs gewesen. Haha!

Ach so, Scheiß was auf meinen Impftermin, wann spielt RWE im Viertelfinale?

Geschrieben von Happo

Auf einen Psyhopathen mehr oder weniger, kommt es nicht an.

Super Suppenfahrrad gesichert

Corona und der RWE – auch in der SD