Und jetzt Bielefeld – das gibbet doch nicht!

Samstag, 22.August 2020, 11.11Uhr.

So langsam werde ich nervös, realisiere, dass ich gleich tatsächlich ins Stadion Essen darf und zum ersten Mal die neu formierte Mannschaft um den neuen Schäffkautsch Christian Neidhart live erleben werde.

Darf, weil es sich wie ein Sechser im Lotto anfühlt, einen Platz auf der Pressetribüne an der Hafenstraße 97A ergattert zu haben. 

Ich denke an all die Fans, die liebend gerne mit mir tauschen würden.

Im Hintergrund dröhnt „Miss You“ von den Stones.

„Kerl, reiß Dich zusammen“, ermahne ich mich, es ist doch nur ein Fußballspiel, zwar ein Endspiel, aber eben nur um den Niederrhein-Pokal. Mir wird aber auch klar, RWE ist eben mehr als nur ein Fußballverein.

Als ich mein Nicht-E-Bike am Stadion parke, Pressekarte in Empfang nehme, läuft mir kein Geringerer als Uwe Strootmann im Schatten der Tribüne über den Weg. 

Noch so ein Glückspilz, denke ich und Uwe stimmt mir zu. Es entwickelt sich ein richtig nettes Gespräch, mehr als Small-Talk. Der Höhepunkt folgt kurz bevor sich unsere Wege im Stadion trennen und der Big-Blogger mir ein echtes Stauder spendiert. Manche Unterhaltungen lohnen sich halt.

Auf der Haupttribüne prangt tatsächlich auf einem Sitz der Schriftzug „Happos-Unkaputt-Bar“. Was für ein Service.

Für reichlich Abstand ist gesorgt. Nur wenn Herrchen sitzt, darf die Maske fallen. Ist so angeordnet. Also setze ich mich brav hin. Schaue mich mal kurz um, entdecke „Ente“ Lippens sowie Otto Rehhagel. Allerdings weit auseinander sitzend. Dicke Freunde sind die schlankgebliebenen RWE-Größen eher nicht.

Nicht mehr lange bis zum Anpfiff.

Was für ein trauriger Anblick. Weiße Sitzschalen und graue, leergefegte Stufen auf den Rängen. Für jeden Fan der blanke Horror.

Die kleine Schar Klever Anhänger macht sich „lautstark“ bemerkbar.

Essen steht Kopf, so möchte ich es ausdrücken. Leider im negativen Sinne.

Mit dem Anpfiff verschwinden die trüben Gedanken zunächst. RWE mit den Neuzugängen Davari, Backzat, Plechanty, Behounek und Engelmann.

Anzumerken ist es dem Spiel der „Gastgeber“ absolut nicht. Im Gegenteil, die Kugel wird gekonnt durch die eigenen Reihen bewegt. Torchancen ergeben sich im Minutentakt. Doch das Ding will nicht ins Tor. Selbst Engelmann muss passen.

Kleve kämpft, steht tief, wartet auf Fehler von RWE. Als sie etwas offener werden, folgt die Strafe. Der überzeugende Plecharty passt von außen auf Engelmann und endlich steht es 1:0. Standesgemäß und überfällig.

In den zweiten 45 Minuten (an eine Verlängerung verschwende ich keinen Gedanken) lässt es RWE lasch angehen. Wollen sie die Klever locken?

Der Ausgleich fällt tatsächlich. Foul-Elfmeter. Ob zurecht oder nicht? Keine Ahnung.

Unnötig, wie ich finde, steht es plötzlich 1:1.  

Kleve versucht die Sensation zu erzwingen. Doch Rot-Weiss besinnt sich, hält nun wieder stärker dagegen. Ein Distanzschuss von Simon Engelmann wird unhaltbar abgefälscht. Die erneute Führung, Doch die Überlegenheit der ersten Hälfte kann die Neidhart-Elf nicht wiedererlangen.

Fast der Ausgleichtreffer der Klever. Knapp vorbei aus spitzem Winkel. Etwas unter 70 Minuten sind gespielt.

Bisschen zäh das Ganze.

Zur Not muss halt ein Standard helfen. Foul-Elfmeter für Essen. Ob zurecht oder nicht, wieder egal. Videobeweise gibt es im Amateurfußball nicht.

Engelmann zuckt noch nicht einmal mit den Wimpern. Es steht 3:1.

Das Ding ist gelaufen.

RWE holt den Pokal – und kaum einer ist da, um mit der Mannschaft zu feiern. Nur der Präsident des WDFV, Peter Frymuth samt seinem Tross, dürften froh sein, dass keine Rot-Weiss Fans bei der Siegerehrung dabei sein dürfen. Das Pfeifen vermisse ich, die Pfeifen nicht.

Klar, jeder RWE-Fan, jeder, der es mit Rot-Weiss gut meint, ist froh und zufrieden. Vielleicht auch erleichtert.

Geld kann man immer gebrauchen. Marcus Uhlig und sein Team besonders.

Sportlich betrachtet, ist reichlich Luft nach oben vorhanden. Doch was ich heute von den „Neuen“ gesehen habe, macht Mut und steigert meine Zuversicht auf eine erfolgreiche Saison. Alleine die beiden Ex-Rödinghausener Engelmann und Backzat können den Unterschied machen.

Der äußere Rahmen hat mit Rot-Weiss Essen allerdings nichts zu tun. Aber auch rein gar nix. Fußball als Sport ist das Eine, aber all ohne meine Freunde und Freundinnen, all die schrägen, sympathischen Gestalten, die Krakeeler, die Nörgler, der anfeuernde Mob, ist das alles nur eine leere, leblose Veranstaltung im Stadion Essen. Ohne Zukunft.

Und jetzt auch noch gegen Bielefeld?! Das gibbet doch nicht.

Es hilft alles nichts. Wichtig sind Siege, so häufig wie nur möglich. Irgendwann steigen die Fans wieder mit ein.

Geduld aufbringen, wer könnte das besser, als die Rot-Weiss Anhänger.

Bis dahin, viel Erfolg, Mannschaft.

Wir sehen uns, ganz bestimmt!

Dauergast / 1 Kasten Stauder

Geschrieben von Happo

Auf einen Psyhopathen mehr oder weniger, kommt es nicht an.

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